Die dreifache Herausforderung

Dieser Artikel wurde am 4. Mai 2022 von John Halstead im englischen Original auf Founders Pledge veröffentlicht und 2023 ins Deutsche übersetzt.

Die Bekämpfung des Klimawandels gehört zu den größten Herausforderungen der Menschheitsgeschichte. Allerdings ist der Klimawandel nur ein Teil des Problems. Neben der Luftverschmutzung und der Energiearmut stellt er eine von drei miteinander verknüpften Herausforderungen dar, die mit der Art und Weise zusammenhängen, wie wir heute Energie erzeugen. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe ist nicht nur die Triebfeder des Klimawandels, sondern tötet auch jedes Jahr Millionen von Menschen durch Luftverschmutzung. Außerdem leben fast eine Milliarde Menschen ohne gesicherte Stromversorgung, und fast 3 Milliarden sind beim Kochen auf Biomasse (Holz, Tierdung und Pflanzenabfälle) angewiesen, was zu verheerenden Gesundheitsschäden führt. Die Herausforderung besteht also nicht nur in der Dekarbonisierung unserer Energieversorgung, sondern auch darin, dafür zu sorgen, dass die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern über ausreichend hochwertige und saubere Energie verfügen, um ihren wachsenden Bedarf zu decken.

Diese Herausforderung wird politisch, sozial und technologisch äußerst anspruchsvoll sein: Wir müssen unsere gesamte Infrastruktur für fossile Brennstoffe — Kraftwerke, Fabriken, Hochöfen, Autos, Lastwagen, Schiffe und Flugzeuge — ersetzen, während der Energiebedarf bis zum Ende des Jahrhunderts möglicherweise um den Faktor zwei oder mehr steigt.

In diesem Überblick über den Problembereich skizzieren wir die dreifache Herausforderung, erörtern unsere bevorzugten Lösungsansätze und formulieren unsere Empfehlungen für Leser:innen, die nach effektiven Möglichkeiten suchen, dem Klimawandel mit Spenden entgegenzuwirken.

Der Klimawandel

Womöglich kann man James Watts Patent für die Dampfmaschine im Jahr 1769 als den Grundstein der industriellen Revolution verstehen. Bis dahin waren die von Menschen produzierten CO2-Emissionen über Jahrtausende hinweg verschwindend gering, danach aber wurden fossile Brennstoffe mehr als zwei Jahrhunderte lang praktisch unkontrolliert verbrannt.

Womöglich kann man James Watts Patent für die Dampfmaschine im Jahr 1769 als den Grundstein der industriellen Revolution verstehen. Bis dahin waren die von Menschen produzierten CO2-Emissionen über Jahrtausende hinweg verschwindend gering, danach aber wurden fossile Brennstoffe mehr als zwei Jahrhunderte lang praktisch unkontrolliert verbrannt.

Abbildung 1. Jährliche Gesamt-CO2-Emissionen, nach Weltregionen.

Im Industriezeitalter ereignete sich schließlich ein dramatischer Anstieg der Emissionen, ausgelöst durch ein beispielloses Wirtschaftswachstum — im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg und etwas später nach 1980 in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Tatsächlich wurden trotz des gesteigerten Bewusstseins für den Klimawandel mehr als die Hälfte der jemals produzierten CO2-Emissionen in den letzten 30 Jahren freigesetzt.1 Aufgrund des immer stärker werdenden Treibhauseffekts sind die globalen Durchschnittstemperaturen seit der industriellen Revolution um mehr als 1 Grad Celsius gestiegen, was weit über dem Wert liegt, den man aufgrund natürlicher Schwankungen erwarten würde.

Abbildung 2. Die globale Temperatur seit 1850.

Künftige Trends und Risiken

Im Pariser Abkommen von 2015 einigten sich die Länder auf das Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, mit der Ambition „deutlich darunter“ zu bleiben, idealerweise unter 1,5 Grad. Dieses Ziel spiegelt sich jedoch nicht in den verbindlichen Verpflichtungen der Länder wider: Die im Rahmen des Pariser Abkommens gemachten Zusagen würden zu einer Erwärmung um mindestens 2,5 Grad bis 2100 führen.2 Der Umstand, dass die meisten Länder die Ziele des Pariser Abkommens mit ihrem aktuellen Kurs verfehlen würden und das internationale Recht in dieser Sache nicht wirklich bindend ist, bietet viel Grund zur Sorge. Sollte die internationale Politik an den derzeitigen Strategien festhalten, wird die Erwärmung voraussichtlich 3 Grad übersteigen.

Es besteht durchaus eine erhebliche Unsicherheit darüber, wie das Klima auf die Emissionen reagieren wird, weshalb auch ein erhebliches Restrisiko einer extremen Erwärmung um mehr als 6 Grad besteht. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Politik liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erwärmung um mehr als 6 Grad bei etwa 1 zu 20.3

Die meisten Emissionsszenarien prognostizieren, dass die globale Erwärmung sowohl für die menschliche Gesellschaft als auch für die Natur mit erheblichen Kosten verbunden sein wird. Die Kosten sind ungleichmäßig verteilt und werden die Armen der Welt am stärksten treffen. Es wird erwartet, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um einen halben bis ganzen Meter ansteigt und auch danach weiter steigen wird, wodurch Küstenstädte und Inselstaaten bedroht werden.4 Der Klimawandel wird Niederschlagsmuster verändern, trockene Gebiete weiter austrocknen und damit das Risiko von Dürren und landwirtschaftlichen Ausfällen erhöhen. Gleichzeitig werden Niederschläge in feuchten Gebieten zunehmen und das Risiko von Überschwemmungen steigern.5
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass sich mit zusätzlichen Temperaturanstiegen auch die Effekte der Erwärmung verschlimmern, d. h. eine Erwärmung um 3 °C ist in Bezug auf die gesellschaftlichen und ökologischen Folgen mehr als dreimal schlimmer als eine Erwärmung um 1 °C (der Status quo). Eine Erwärmung um mehr als 6 °C würde die Bewohnbarkeit der Tropen in Frage stellen6 und im Laufe von Jahrtausenden zu einem Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter führen.7 Diese Veränderungen könnten wiederum die Destabilisierung der globalen politischen Ordnung bedeuten.

Luftverschmutzung

Luftverschmutzung ist eines der größten globalen Gesundheitsprobleme, an dem jedes Jahr 5 Millionen Menschen sterben — das sind fast 9 % aller Todesfälle weltweit.8 Der Ausbau kohlenstoffarmer Energiequellen wie Solar-, Wind- und Kernenergie bedeutet eine Win-Win-Situation, da sie neben ihrer besseren Klimabilanz zu viel weniger Todesfällen durch Luftverschmutzung und Unfällen führen als Biomasse und fossile Brennstoffe:

Abbildung 3. Die sichersten Energiequellen.

Quelle: Our World in Data, Energie

Somit würde eine Dekarbonisierung des Energiesektors die Luftverschmutzung im Freien fast vollständig beseitigen. Der vielerorts bereits vollzogene Rückgang der Luftverschmutzung in Innenräumen ist die Folge der wirtschaftlichen Entwicklung: In der Vergangenheit haben sich die Menschen, je reicher sie wurden, von Biomasse weg und hin zu fossilen Brennstoffen mit höherer Energiedichte bewegt. Die Herausforderung besteht also darin, das historische Muster zu durchbrechen und sicherzustellen, dass ärmere Länder sich wirtschaftlich entwickeln können, ohne auf fossile Brennstoffe angewiesen zu sein.

Energiearmut

Energieverbrauch und menschlicher Fortschritt stehen in engem Zusammenhang. Der Index der menschlichen Entwicklung (engl.: Human Development Index, HDI) ist ein Maß für das menschliche Wohlergehen, das Einkommen, Gesundheit und Bildung umfasst:

Abbildung 4. Der Zusammenhang zwischen menschlicher Entwicklung und Energieverbrauch.

Quelle: Arto et al, “The energy requirements of a developed world”, Energy for Sustainable Development, 33 (2016): p.2.

Das obige Schaubild ist reich an Informationen, aber wir möchten uns hier auf die folgenden zwei Punkte beschränken:

  • Menschlicher Fortschritt und Energieverbrauch sind eng miteinander verbunden. Die Beziehung der beiden Phänomene ist sehr stark: Schwankungen im Energieverbrauch erklären 80 % der Schwankungen im Index der menschlichen Entwicklung. Es ist unklar, ob menschliche Entwicklung einen erhöhten Energieverbrauch verursacht oder umgekehrt, oder ob die Kausalität in beide Richtungen verläuft9, aber die Korrelation ist erheblich. Das bedeutet, dass eine Klimastrategie zumindest gegen einen steigenden Energiebedarf gewappnet sein muss, oder besser noch, einen verbesserten Zugang zu Energie aktiv unterstützen sollte.
  • Abnehmender Grenznutzen beim Energieverbrauch, aber ein hoher Wendepunkt.

Die humanitären Erträge eines gesteigerten Energieverbrauchs sind am höchsten in Ländern mit niedrigem Verbrauch, wie z. B. in Indien, und viel niedriger in Ländern, in denen er bereits ein hohes Niveau hat, wie in den USA und Australien. In vielen reichen Ländern ist der Pro-Kopf-Energieverbrauch in den letzten Jahren jedoch zurückgegangen, obwohl sich der Lebensstandard verbessert hat.10 Bis zu diesem sehr hohen Wendepunkt geht der Anstieg der menschlichen Entwicklung jedoch Hand in Hand mit dem Energieverbrauch.

Angesichts des Zusammenhangs zwischen menschlicher Entwicklung und Energieverbrauch gibt es pragmatische und humanitäre Gründe, für eine Welt zu planen, in der der Energieverbrauch in den Schwellenländern künftig dramatisch ansteigen wird. Die Wege zur Dekarbonisierung müssen für diese Möglichkeit adäquat gerüstet sein.

Die dreifache Herausforderung meistern

Trotz der Aufmerksamkeit, die der Klimawandel in den letzten 30 Jahren erfahren hat, sind die Fortschritte bei der Dekarbonisierung des Energiesektors gering. So ist der Anteil kohlenstoffarmer Energien kaum gestiegen:

Abbildung 5. Weltweiter Primärenergieverbrauch, 1800 bis heute.

Quelle: Berechnungsbogen zum Klimabericht

Mit Blick auf die Zukunft werden wir, wie bereits erwähnt, die Energie dekarbonisieren müssen, da die Energienachfrage rapide steigt. Schauen wir uns zunächst die folgenden Fakten an:

  • Rund 940 Millionen Menschen haben derzeit keinen Zugang zu Elektrizität, und viele weitere leiden unter Energieknappheit und sind auf unsaubere Brennstoffe (wie Biomasse zum Kochen) angewiesen.
  • Bis zum Ende des Jahrhunderts werden voraussichtlich 3,2 Milliarden Menschen mehr auf der Erde leben.
  • Die Weltwirtschaft wird bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich auf das fünf- bis zehnfache ihrer derzeitigen Größe wachsen.11

Die UN schätzt, dass es im Jahr 2100 11 Milliarden Menschen geben wird.12 Nehmen wir an, dass zu diesem Zeitpunkt jeder Mensch die gleiche Menge an Energie verbrauchen wird wie eine durchschnittliche Person in Bulgarien heute (etwa die Hälfte des derzeitigen Durchschnitts einkommensstarker Länder). In diesem Fall wird die weltweite Energienachfrage im Jahr 2100 310.000 Terawattstunden (TWh) pro Jahr betragen, verglichen mit etwa 160.000 TWh pro Jahr heute — fast eine Verdoppelung. Unsere Herausforderung bei der Dekarbonisierung der Energieversorgung sieht also plausiblerweise wie folgt aus:

Abbildung 6. Unsere Herausforderung bei der Dekarbonisierung.

Quelle: Berechnungsbogen zum Klimabericht

Die Herausforderung ist extrem anspruchsvoll. Wenn wir jede Woche eines der größten jemals gebauten Kernkraftwerke bauen würden, würde es 20 Jahre dauern, um den derzeitigen Bestand an Kohlekraftwerken zu ersetzen.13 Um das gesamte Öl und Gas, die Hochöfen, die Schiffe und den gesamten zusätzlichen Energiebedarf, der in den nächsten 80 Jahren entstehen wird, haben wir uns dann noch immer nicht gekümmert.

Die Lösung

Über die vergangenen vier Jahre haben wir mehr als ein Dutzend verschiedener Ansätze zur Bekämpfung des Klimawandels geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass der wirkungsvollste Ansatz, den Philanthropen verfolgen können, in (i) der Unterstützung von, (ii) der Fürsprache für und (iii) der Innovation in vernachlässigten kohlenstoffarmen Technologien besteht. Die Gründe dafür sind, kurz gesagt, folgende:

Zum Thema Interessenvertretung:

Der Umfang gesellschaftlicher Ressourcen im Vergleich zur Philanthropie: Da die gesellschaftlichen Ressourcen, die für den Klimawandel mobilisiert werden, im Vergleich zu den Ressourcen eines jeden Philanthropen riesig sind und die politischen Prioritäten sich oft nicht durch den Fokus auf globale Emissionen auszeichnen, bietet die Finanzierung von Interessenvertretung zur Verlagerung der Prioritäten eine hervorragende Möglichkeit, etwas zu bewirken.

Zum Thema Innovation:

  • Schwerpunkt auf die Verringerung der Kohlenstoffintensität: Aufgrund des Zusammenhangs zwischen Energie und menschlicher Entwicklung sollte unser primäres Ziel nicht in der Reduzierung des Energieverbrauchs, sondern in der Verringerung der Kohlenstoffintensität von Energie bestehen (mindestens in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen).
  • Kohlenstoffarme Entwicklung in Schwellenländern: Da Schwellenländer künftig den größten Energiebedarf haben werden, sollte unser vorrangiges Ziel darin bestehen, die Kohlenstoffintensität von Energie in Schwellenländern zu verringern.
  • Hebelwirkung der Innovation: In einer Welt mit begrenzter internationaler Koordination ist die Verbilligung von kohlenstoffarmer Energie mittels Innovationen wahrscheinlich der kosteneffizienteste Weg, Emissionen in Schwellenländern zu senken.

Über vernachlässigte Technologien:

Vernachlässigte Lösungen: Einige der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel werden von Philanthropen, Regierungen und dem Privatsektor stark vernachlässigt, was bedeutet, dass es hier mehr „tief hängende Früchte“ für strategische Philanthropen gibt.

Einflussnahme auf den künftigen Energiebedarf ohne Koordination

Für die nächsten 30 Jahre wird erwartet, dass die globale Energienachfrage vorrangig außerhalb von Europa und Nordamerika wachsen wird.

Abbildung 7. Künftiger Energiebedarf, nach Weltregionen.

Quelle: US EIA

Als Philanthrop:in kann man die Kohlenstoffintensität von Energie auf vielfältige Weise beeinflussen — indem man versucht, die klimapolitischen Ziele (nationale Pläne im Rahmen des Pariser Abkommens) zu stärken, indem man finanziell Anreize für eine kohlenstoffarme Entwicklung in Schwellenländern fördert, entweder durch direkte Finanzierung oder indirekt durch politische Fürsprache, und indem man die Kosten für kohlenstoffarme Technologien durch Innovationspolitik senkt.

Da Energieinnovationen vergleichsweise vernachlässigt werden und eine globale Hebelwirkung haben, indem sie kohlenstoffarme Technologien billiger und effizienter machen, halten wir sie für die effektivste Strategie. In den frühen 2000er Jahren beschloss Deutschland beispielsweise, den Einsatz von Solarenergie in großem Umfang zu subventionieren. Dies trug zu einer milden Reduzierung deutscher Emissionen bei, aber — was noch viel wichtiger ist — es senkte außerdem weltweit die Kosten für Solartechnik,14 was sich wahrscheinlich deutlich stärker auf das Klima auswirken wird. Dieses Beispiel zeigt das Prinzip der Hebelwirkung durch Innovation, eine Strategie, die für andere Technologien wiederholt werden sollte.

Innovation besitzt gegenüber anderen potenziell hochwirksamen Klimamaßnahmen den Vorteil, dass sie ihre Wirkung mit nur sehr geringem internationalen Koordinierungsaufwand entfalten kann.

Fokus auf vernachlässigte Technologien

In der Literatur herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Klimawandel eine so große Herausforderung darstellt, dass wir zur Bewältigung dieses Problems alle uns zur Verfügung stehenden kohlenstoffarmen Technologien einsetzen müssen, darunter Solar- und Windenergie, Wasserkraft, Energiespeicherung, Elektrofahrzeuge, Kernenergie, Kohlenstoffbindung, Biokraftstoffe, Erdwärme, Technologien zur Kohlenstoffentfernung / negative Emissionen und kohlenstofffreie Kraftstoffe.15 Bestimmte Schlüssellösungen erhalten jedoch derzeit von Philanthropen, Regierungen und dem privaten Sektor viel größere Aufmerksamkeit als andere.

Abbildung 8. Ausmaß (plausibler Beitrag zur Emissionsreduzierung bis 2050) und Vernachlässigung der verschiedenen Klimalösungen.

Quelle: Berechnungsbogen zum Klimabericht16

Wie dieses Diagramm zeigt, haben sich philanthropische Bemühungen in erster Linie auf Solar- und Windenergie, Energieeffizienz und Elektroautos konzentriert. Diese philanthropische Unterstützung ist eine große Erfolgsgeschichte, wobei die unterstützende Politik dazu beiträgt, die Kosten zu senken und die Leistung zu verbessern. Andere Schlüsseltechnologien wie die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), die Kernenergie und der Schwerlastverkehr (Flugzeuge, Schiffe, Lastkraftwagen usw.) sind von vergleichbarer Bedeutung, erhalten jedoch von Philanthrop:innen nur sehr wenig Aufmerksamkeit. Wie zu erwarten, korreliert die Aufmerksamkeit, die diese Technologien erhalten haben, mit ihrem Fortschritt:

Abbildung 9. Fortschritte bei den wichtigsten kohlenstoffarmen Energiequellen (grün = auf dem richtigen Weg; gelb = weitere Anstrengungen erforderlich; rot = nicht auf dem richtigen Weg).

Quelle: Internationale Energieagentur, Tracking Clean Energy Progress.

Der Erfolg der Technologien, die bereits auf dem richtigen Weg sind, wie Solarenergie und Elektroautos, ist kein Zufall — diese Technologien hatten eine starke Lobby, lange bevor sie kommerziell nutzbar waren, und sind jetzt mit konkurrierenden Technologien wettbewerbsfähig. Die Welt muss für die vielen Technologien, die noch nicht auf dem richtigen Weg sind, das tun, was sie für Solarenergie und Elektroautos getan hat; strategische Philanthropie kann die größte Wirkung erzielen, wenn sie ihren Fokus auf diese vernachlässigten Lösungen richtet.

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Empfehlungen zu Fördermöglichkeiten und Spenden

Unsere wichtigste Empfehlung für Spender:innen, die sich auf den Klimawandel konzentrieren, ist die Beteiligung am Founders Pledge Climate Change Fund, der die wirksamsten Finanzierungsmöglichkeiten in diesem Bereich unterstützt. Unsere Fondsstrategie ist in unseren ABCs der effektiven Klima-Philanthropie zusammengefasst:

Das A steht für audacious advocacy (deutsch: mutige Fürsprache).

Wir finanzieren Organisationen, die als Vordenker und Verfechter agieren und sowohl die breitere Klimadiskussion als auch die Verwendung der staatlichen und privaten Klimabudgets beeinflussen. Das bedeutet, dass dein Geld, verglichen mit der Förderung von Projekten, die Emissionen direkt reduzieren, sehr viel mehr bewirken kann.

Das B steht für blindspots und bottlenecks (deutsch: blinde Flecken und Engpässe). Wir unterstützen Organisationen, die sich auf die übersehenen, aber dringend benötigten Teile des Klimapuzzles konzentrieren. Da wir alle diese Lösungen brauchen werden und sie weit weniger Aufmerksamkeit erhalten als einige der populäreren Lösungen, ist dies ein weiterer wirksamer Hebel. Da viele Lösungen ohne guten Grund übersehen werden, ist es von großer Bedeutung, blinde Flecken aufzudecken und Engpässe zu beseitigen.

Das C steht für coordination und co-funding (deutsch: Koordination und Kofinanzierung). Der Zusammenschluss und die Kofinanzierung durch den Fonds sind weitere entscheidende Wirkfaktoren, da sie den Wohltätigkeitsorganisationen mehr Sicherheit bieten, die Bereitstellung größerer Gesamtbeträge erlauben und die Möglichkeit bieten, auf zeitkritische Gelegenheiten zu reagieren.

Unsere Fondsmanager erstellen eine lange Liste von Finanzierungsmöglichkeiten durch Gespräche mit anderen Philanthropen und Experten sowie durch Internetrecherchen. Wir filtern diese Finanzierungsmöglichkeiten anhand der Kriterien, die in unserem Dokument Our Approach to Charity dargelegt sind, heraus. Bisher haben wir aus einer langen Liste von mehr als 20 gemeinnützigen Organisationen eine engere Auswahl von 12 Organisationen eingehend geprüft, indem wir Informationen von den Organisationen selbst eingeholt und ihre Erfolgsbilanz, ihre organisatorische Stärke und ihre zukünftigen Projekte beurteilt haben.

Folgende Organisationen werden (neben anderen zeitlich limitierten Optionen) von den Fondsmanagern bei der regelmäßigen Vergabe von Zuschüssen berücksichtigt:

Für Leser:innen aus Deutschland und der Schweiz, möchten wir auf den Fonds „Klima schützen“ von effektiv-spenden hinweisen. Effektiv Spenden steht in engem Austausch mit Founders Pledge und fördert viele der gleichen Organisationen. Außerdem sind Spenden, die über effektiv-spenden getätigt werden, auch wenn sie an Organisationen im Ausland gehen, in Deutschland und der Schweiz von der Steuer absetzbar. 

Dank

  • David Addison, Manager, Virgin Earth Challenge
  • Myles Allen, Leiter der Gruppe Klimadynamik am Fachbereich Atmosphären-, Ozean- und planetare Physik der Universität Oxford
  • Laura Diaz Anadón, Professur für Klimapolitik an der Universität Cambridge
  • Arild Angelsen, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Norwegischen Universität für Biowissenschaften
  • Matt Baker, Hewlett Foundation
  • Elizabeth Baldwin, Gastwissenschaftlerin am Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment an der London School of Economics
  • Richard Batty, Forscher, Science Practice
  • Sally Benson, Professorin für Energietechnik an der Universität Stanford
  • Thomas Berly, Berater für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung
  • Valentina Bosetti, Professorin für Umwelt- und Klimawandelökonomie an der Bocconi Universität
  • Jonah Busch, leitender Ökonom am Earth Innovation Institute
  • Ken Caldeira, Gates Foundation
  • Christopher Clack, Breakthrough Institute
  • Alex Clark, Berater bei der Climate Policy Initiative
  • Antoine Dechezleprêtre, Associate Professorial Research Fellow am Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment, London School of Economics
  • Helen Ding, World Resources institute
  • Paul Ekins, Professor für Ressourcen und Umweltpolitik und Direktor des UCL Institute for Sustainable Resources, University College London
  • Per Anders Enkvist, Materialwirtschaft
  • Doyne Farmer, Direktor des Complexity Economics Programms am Institute for New Economic Thinking an der Oxford Martin School, Baillie Gifford Professor am Mathematischen Institut der Universität Oxford
  • Carolyn Fischer, Professorin für Umweltökonomie an der Vrije Universiteit Amsterdam
  • Sarah Forbes, World Resources Institute
  • Julio Friedmann, Senior Research Scholar am Center for Global Clean Energy Policy an der Columbia University
  • Jon Gibbins, Professor für Kraftwerkstechnik und Kohlenstoffabscheidung
  • David Hart, Senior Fellow der Information Technology and Innovation Foundation
  • Stuart Haszeldine, Professor für Geowissenschaften, Universität von Edinburgh
  • Jonas Helseth, Bellona
  • Martin Herold, Professor für Geoinformationswissenschaft und Fernerkundung an der Universität Wageningen
  • Theo Kalionzes, MacArthur Foundation
  • Sarah Kearney, Prime Coalition
  • Tim Kruger, Programmleiter, Oxford Geoengineering Programm
  • Eric Lambie, Leitender Forschungsmitarbeiter, Zell- und Entwicklungsbiologie, Abteilung für Biowissenschaften, University College London
  • Arun Majumdar, Jay Precourt Provostial Chair Professor an der Stanford University
  • Sam Mar, Arnold Ventures
  • Jan Mazurek, Direktor des Carbon Dioxide Removal (CDR) Fund von ClimateWorks
  • Samantha McCulloch, Global CCS Institute
  • Evan Michelson, Sloan Foundation
  • Robin Millican, Gates Ventures
  • Henri Paillere, Leiter der Abteilung für Planung und Wirtschaftsstudien bei der Internationalen Atomenergieorganisation
  • Rauli Partanen, Think Atom, Autor von „The Dark Horse“
  • Steve Pye, Associate Professor für Energiesysteme am UCL Energy Institute, University College London
  • Staffan Qvist, Qvist Consulting
  • Greg Rau, Mitbegründer und CTO von Planetary Hydrogen
  • David Reiner, Universitätssenior-Dozent für Technologiepolitik an der Cambridge Judge Business School
  • Varun Sivaram, Senior Fellow am Columbia University Center for Global Energy Policy
  • Brent Sohngen, Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomie am Department of Agricultural, Environmental and Development Economics an der Ohio State University
  • Peter Teague, Breakthrough Institute
  • Susan Tierney, World Resources Institute
  • Mike Williams, BlueGreen Alliance

 


Fußnoten

  1. Union of Concerned Scientists, „Fakt zum Klimawandel: Mehr als die Hälfte der gesamten industriellen CO2-Verschmutzung wurde seit 1988 emittiert“ (2014) ↩︎
  2. Joeri Rogelj et al., „Die Vorschläge des Pariser Klimaabkommens brauchen einen erheblichen Schub, um die Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten“, Nature 534, Nr. 7609 (30. Juni 2016): 631-39. ↩︎
  3. Dies beruht auf der Annahme, dass wir bei der derzeitigen Politik bei 700 ppm CO2-Äquivalent landen werden, und auf den jüngsten Schätzungen der equilibrium climate sensitivity von Sherwood et al. (2020). Unsere Berechnungen sind in diesem Schätzungsmodell verfügbar - die relevanten Ergebnisse sind der Medianwert für "business as usual" und die WCRP-Schätzungen für die Erwärmung. S. Sherwood et al., "An Assessment of Earth's Climate Sensitivity Using Multiple Lines of Evidence", Reviews of Geophysics, 2020, e2019RG000678. ↩︎
  4. IPCC, Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability: Summary for Policymakers (Cambridge University Press, 2014), 63. ↩︎
  5. IPCC, 69. ↩︎
  6. David King et al., “Climate Change–a Risk Assessment” (Centre for Science Policy, Universität Cambridge, 2015), 62, www.csap.cam.ac.uk/projects/climate-change-risk-assessment/. ↩︎
  7. Peter U. Clark et al., "Consequences of Twenty-First-Century Policy for Multi-Millennial Climate and Sea-Level Change", Nature Climate Change advance online publication (8. Februar 2016). ↩︎
  8. Hannah Ritchie and Max Roser, “Air Pollution”, Our World in Data, April 17, 2017, 
    https://ourworldindata.org/air-pollution. ↩︎
  9. Zur Diskussion über die kausale Beziehung zwischen BIP und Energieverbrauch siehe Panos Kalimeris, Clive Richardson und Kostas Bithas, "A Meta-Analysis Investigation of the Direction of the Energy-GDP Causal Relationship: Implications for the Growth-Degrowth Dialogue", Journal of Cleaner Production 67 (2014): 1-13. ↩︎
  10. Hannah Ritchie und Max Roser, "Energy", Our World in Data, 28. März 2014, https://ourworldindata.org/energy. ↩︎
  11. Dabei wird von einem Wirtschaftswachstum von 2 bis 3 % für die nächsten 80 Jahre ausgegangen. Die Weltwirtschaft ist in den letzten 20 Jahren um zwischen 2,5 % und 3 % gewachsen. ↩︎
  12. Siehe den Beitrag von Our World in Data zum Bevölkerungswachstum. ↩︎
  13. Oliver Morton, The Planet Remade: How Geoengineering Could Change the World (London: Granta, 2015), 9. ↩︎
  14. Goksin Kavlak, James McNerney, und Jessika E. Trancik, "Evaluating the Causes of Cost Reduction in Photovoltaic Modules", Energy Policy 123 ( 1. Dezember 2018): 700-710. ↩︎
  15. Steven J. Davis et al., "Net-Zero Emissions Energy Systems", Science 360, no. 6396 (June 29, 2018), https://doi.org/10.1126/science.aas9793; Jesse D. Jenkins, Max Luke, and Samuel Thernstrom, "Getting to Zero Carbon Emissions in the Electric Power Sector", Joule 2, no. 12 (2018): 2498-2510; Nestor A. Sepulveda et al, "The Role of Firm Low-Carbon Electricity Resources in Deep Decarbonization of Power Generation," Joule 2, no. 11 (2018): 2403-2420; Glen P. Peters et al., "Key Indicators to Track Current Progress and Future Ambition of the Paris Agreement," Nature Climate Change, 2017. ↩︎
  16. Die Schätzungen zum Umfang des Beitrags der verschiedenen Energietechnologien sind etwas grob, dürften aber nicht um mehr als eine Größenordnung abweichen. ↩︎