Hier findest du eine Sammlung von Antworten auf Fragen, die effektiven Altruisten/innen häufig gestellt werden. Ausführlichere Texte zu den zentralen Konzepten des EA und weiterführenden Überlegungen findest du auf der Philosophie-Seite.

Inhalt

 

1. Warum nicht zuerst den Menschen in der eigenen Gesellschaft helfen?

Mit denselben Ressourcen können wir in einem reichen Land viel weniger bewirken als in Entwicklungsländern. Hunderte Millionen Menschen sind nach wie vor permanent unterernährt und können von keinerlei medizinischer Grundversorgung profitieren, so dass ihre Lebensbedingungen bereits mit vergleichsweise geringen Mitteln stark verbessert werden können. Geld hat einen abnehmenden Grenznutzen: Es ist beispielsweise völlig unmöglich, in reichen Ländern für nur 7500 US-Dollar ein Leben zu retten – dasselbe ist in den armen Ländern aber nachweislich möglich. Wenn jeder Mensch unabhängig vom Geburtsort gleich zählt, dann ergibt es Sinn, die eigenen Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Menschen davon profitieren können. Wenn wir selbst betroffen wären, würden wir uns dies auch wünschen: Das größte Leid sollte zuerst verhindert werden. Weiter entfernt lebende Menschen gehören genauso zu unserer Gesellschaft – der Weltgesellschaft – wie näher lebende.
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2. Sollten alle Menschen effektive Altruisten/innen werden?

Viele effektive Altruisten/innen glauben nicht an absolute moralische Pflichten, sondern sie sehen EA als Lebensziel, das man sich nach reiflicher Überlegung setzen kann. Andere wiederum denken, dass es in der Tat eine moralische Pflicht ist, etwas für andere zu tun, sofern man sich selbst in einer privilegierten Situation befindet und die Hilfeleistung nur ein vergleichsweise kleines Opfer bedeutet. (Immerhin existieren im Rahmen mancher Gesetzgebungen ja sogar rechtliche Pflichten, einfache Hilfeleistungen nicht zu unterlassen, und Steuergesetze können ebenfalls so gedeutet werden.) Wie dem auch sei: Je mehr Leute den EA aus dem ein oder anderen Grund unterstützen, desto eher wird es allen gemeinsam gelingen, den künftigen Verlauf der Welt positiv zu beeinflussen. Natürlich gilt: Je mehr Leute sich kritisch-rational und wissenschaftlich fundiert für gute Zwecke engagieren, desto besser. Im Idealfall wären dies alle – analog zum allgemein geteilten Urteil, dass es ethisch am besten wäre, wenn alle etwa die in modernen Staatsverfassungen verankerten Grundrechte hochhalten. Selbstverständlich bleibt es letztlich dennoch eine individuelle Entscheidung, ob man den EA in der einen oder anderen Form unterstützen will.
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3. Ist der EA-Ansatz nicht etwas kaltherzig und berechnend?

„Berechnend“ ja, „kaltherzig“ nein: Die Berechnungen sind immer durch die mitfühlende Absicht motiviert, unnötiges Leid zu verhindern. „Kaltherzig“ ist der EA daher auf keinen Fall. Berechnungen stellen wir in allen möglichen Lebens- und Gesellschaftsbereichen an: Wo immer es darum geht, aus einem Ressourceneinsatz (Input) das Optimum herauszuholen (Output), sind gewisse Berechnungen vonnöten. Es wäre daher gar unverantwortlich, ausgerechnet dort, wo es um Leben und Tod geht, auf Berechnungen, die der Verringerung von Opferzahlen dienen, zu verzichten. Wenn wir selbst zu den unfreiwillig Leidenden gehören, denen geholfen werden muss, dann wünschen wir uns auch, dass der größtmöglichen Anzahl Individuen geholfen wird – denn so ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass auch uns selbst geholfen werden wird. Der ernsthafte Versuch aber, der größtmöglichen Anzahl zu helfen, erfordert gewisse strategische Datenerhebungen und Berechnungen, etwa durch randomisiert-kontrollierte Studien im Bereich der Gesundheits- und Entwicklungsökonomie. Wenn daraus folgt, dass man schwierige Abwägungen treffen muss und in Dilemmasituationen gerät, dann ist dies nicht ein Problem des EA-Ansatzes selbst, sondern ein trauriges Faktum über die Welt, in der wir leben: Es ist leider unmöglich, alle Probleme der Welt gleichzeitig anzugehen bzw. allen Leidenden gleichzeitig zu helfen. Die Welt zwingt uns daher dazu, uns zwischen verschiedenen Hilfsmöglichkeiten zu entscheiden.
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4. Ernähren sich alle effektiven Altruisten/innen vegetarisch?

Der Anteil der Menschen in der EA-Bewegung, die vegetarisch oder vegan leben, ist um ein Vielfaches höher als in der Gesamtbevölkerung, und generell sind sich die meisten effektiven Altruisten/innen einig, dass es gut wäre, wenn Tierprodukte nach und nach durch geeignete Alternativprodukte ersetzt würden: Es gibt keinen vernünftigen Grund, unnötiges Leid einzig deshalb zu ignorieren, weil es sich nicht in menschlichen, sondern anderen, aber genauso leidensfähigen Gehirnen abspielt. (Das lässt sich verhaltens-, evolutions- und neurobiologisch kaum mehr bestreiten.) Zudem verursacht der aktuelle Tierproduktekonsum auch die Klimaerwärmung sowie die globale Nahrungsressourcenverschwendung mit und erhöht das Pandemierisiko. Es ernähren sich aber bei Weitem nicht alle effektiven Altruisten/innen vegetarisch oder vegan. Pragmatismus und gesellschaftliche Anschlussfähigkeit werden in der EA-Bewegung hochgehalten: Erstens ist es philosophisch unbegründbar, die Ernährung in besonderer Weise zu „moralisieren“, andere Konsumaspekte oder etwa das Spenden aber nicht. Zweitens ist individuell flexible Praktikabilität für das Wachstum und damit letzlich die Effektivität der EA-Bewegung essenziell.
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5. Wo ist der EA politisch einzuordnen?

Obwohl linksgrüne Parteien von der altruistischen Grundeinstellung her eher der EA-Bewegung entsprechen, lässt sich der EA insgesamt nicht passend ins bestehende politische Spektrum einordnen – in vielen Fragen steht er orthogonal dazu. Viele effektive Altruisten/innen glauben, dass die Langzeitfolgen politischer Entwicklungen empirisch schwer zu beurteilen sind, so dass in der EA-Bewegung zu vielen politischen Standardfragen kein klarer Konsens besteht.

Die Kognitionspsychologie hat gezeigt, dass gerade in politischen Fragen oft eine massive Selbstüberschätzung („Overconfidence-Bias“) vorherrscht: Alle sind sich ihrer Meinung viel sicherer, als dies die besten vorliegenden ethischen und empirisch-wissenschaftlichen Argumente zulassen würden (der Political-Bias-Test kann darüber Aufschluss geben). Umgekehrt ist es in der EA-Bewegung Konsens, dass gewisse politische Forderungen völlig unbestritten sein sollten, die von den etablierten Parteien kaum vertreten werden. Dazu gehören die Erhöhung der Entwicklungszusammenarbeit auf rund 2 % des BIP sowie die Konzentration der Gelder auf die nachweislich effektivsten Maßnahmen; die Abschaffung der Massentierhaltung als politische Priorität; die massive Aufstockung der Forschungsbudgets zur Minimierung der globalen Sicherheitsrisiken aufkommender Technologien und zur Ausschöpfung ihres Chancenpotenzials (etwa künstliche Intelligenz, synthetische Biologie und Nanotechnologie); progressive Bioethik bzw. Freigabe der Stammzellforschung und der Präimplantationsdiagnostik zu allen klar leidmindernden Zwecken (Embryonen sind wahrscheinlich nicht leidensfähig, die genannten Biotechnologien aber könnten enormes Leid verhindern); starkes uneigennütziges Ressourceninvestment eines jeden Nationalstaats zur Vorantreibung der globalen Kooperation und Friedensförderung, u. a. durch die Stärkung kooperativer internationaler Strukturen, etwa der UNO.
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6. Wie steht der EA zum Kapitalismus?

Effektive Altruisten/innen halten es für eine komplexe, empirisch zu erforschende Frage, welches Wirtschaftssystem für das Wohlergehen empfindungsfähiger Lebewesen langfristig am besten ist. Kaum jemand in der EA-Bewegung ist der Meinung, dass das gegenwärtige kapitalistische Wirtschaftssystem ideal ist. Viele denken, dass diverse systemische Änderungen vorgenommen werden könnten, die aus altruistischer Perspektive äußerst wertvoll wären. Zur Frage, wie weitreichend diese Veränderungen genau sein müssten, um ein optimales Ergebnis zu erzielen, besteht in der EA-Bewegung aber kein Konsens: Manche würden sich eher für geringfügige Änderungen aussprechen, während andere der Meinung sind, dass eine grundlegende strukturelle Neuorientierung vonnöten sei. Viele effektive Altruisten/innen würden allgemein auch behaupten, dass bei großräumig-strukturellen Veränderungen Vorsicht und ein graduelles Vorgehen (das Trial-and-Error erlaubt) geboten sind: Immerhin ist es der Menschheit seit 1800 gelungen, den Anteil der in extremer Armut lebenden Menschen von über 90 % auf heute noch 15 % zu senken, und die Geschichte lehrt auch, dass strukturelle Revolutionen massiv fehlschlagen können. Überschaubarere Reformen – etwa zur Verhinderung der „Illicit Financial Flows“, durch die reiche Länder trickreich ein Mehrfaches dessen aus Entwicklungsländern abziehen, was sie an Entwicklungshilfe leisten – werden vom genannten Risikoargument hingegen kaum tangiert.
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7. Inwiefern lässt sich die Empfehlung „(Viel) Geld verdienen, um (viel) zu spenden“ damit vereinbaren, dass viele effektive Altruisten/innen dem Kapitalismus gegenüber kritisch eingestellt sind?

Zunächst ist anzumerken, dass diese Empfehlung nicht für jede Person und Situation gilt. Viele EA-Interessierte haben ihre komparativen Vorteile im Bereich der Direktarbeit bei EA-Hilfswerken und -NGOs. Außerdem ist auch das persönliche Wohlbefinden für die längerfristige Produktivität und damit die Effektivität eines Berufswegs höchst relevant: Wenn jemand durch eine finanziell besonders lukrative Berufswahl äußerst unglücklich würde, ist es natürlich sinnvoll, weniger gut bezahlte Tätigkeiten zu wählen, bei denen das eigene Wohlbefinden sowie die altruistische Motivation und Produktivität langfristig mit höherer Wahrscheinlichkeit erhalten bleiben. Brennt man aus, sinkt der eigene altruistische Impact auf null – dieses Risiko ist auch aus ethischen Gründen natürlich zu minimieren.

Zur eigentlichen Frage aber: Die Empfehlung, professionell zu spenden (siehe „Earning to Give“), steht in keinem Konflikt zum möglichen, empirisch zu begründenden Ziel, das derzeitige Wirtschaftssystem (stark) zu verändern. Im Gegenteil: Will man die Welt signifikant verändern, kommt man allgemein wahrscheinlich am weitesten, wenn man zunächst einmal einen Weg findet, an viel Geld zu kommen (bzw. viel Geld von A nach B zu lenken). Will man z. B. eine politische Bewegung aufbauen, ist es unerlässlich, möglichst vielen Vollzeit-Aktivisten/innen ein Grundeinkommen zu bezahlen bzw. möglichst schnell möglichst viele NGO-Stellen zu schaffen. Die „Generationszeit“ politischer Aktivisten/innen ist oft sehr kurz – nicht selten steigen sie nach zwei bis drei Jahren wieder aus. Das erstaunt auch nicht, wenn man bedenkt, dass sie sich nebenbei auch noch um ihr Einkommen kümmern müssen, was die Burn-Out-Gefahr natürlich massiv erhöht. Kurzum: Wenn man empirisch der Meinung ist, dass Systemveränderung bzw. systemkritischer Aktivismus am effektivsten ist, dann lautet die beste Strategie wohl: Möglichst viel Geld aus dem System herausholen – und das ganze Geld schließlich in systemkritischen Aktivismus fließen lassen. Diese Strategie würde es den entsprechenden Akteuren/innen locker ermöglichen, ihre Budgets (und damit die Anzahl ihrer Angestellten bzw. Aktivisten/innen) zu vervielfachen.
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8. Empfehlen effektive Altruisten/innen die Arbeit in hochbezahlten Berufszweigen auch dann, wenn diese großen Schaden anrichten?

Nein, u. a. weil immer einige unschädliche(re) Alternativen existieren sollten, die ähnlich viel Geld abwerfen. Schweizer Ärzte/innen etwa verdienen im Median über 200’000 Euro pro Jahr, Gymnasiallehrer/innen über 120’000 Euro – das lässt Raum für Spenden im Umfang von mehreren Tausend Euro pro Monat, womit wiederum mehrere NGO-Stellen finanziert werden können. Die für die individuelle Berufswahl relevante Frage ist im Übrigen nicht unbedingt, ob der Berufs- bzw. Wirtschaftszweig als Ganzes Schaden anrichtet, sondern ob (und wie sehr) der eigene Beitrag negativ ist. In einer großen Industrie beispielsweise, wo eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften besteht, würde anstelle einer EA-Person A einfach eine ähnlich qualifizierte Nicht-EA-Person B den Job erhalten und ausführen, was den tatsächlich angerichteten Schaden wesentlich abschwächt.

Manchmal wird es sogar der Fall sein, dass man als ethisch motivierte Person system- bzw. firmenintern Schäden mindern kann, die ansonsten umfangreicher wären – und man spendet dann natürlich einen hohen Anteil des Lohnes, was ansonsten auch nicht geschähe. Auf die hypothetische Spitze getrieben: Wenn man z. B. der Meinung ist, die Abschaffung der Rüstungsindustrie sei die ethische Top-Priorität, und wenn gegeben wäre, dass der einzige offenstehende Großverdienerjob derjenige eines Rüstungs-CEOs wäre (was selbstredend unrealistisch ist), dann ist es nicht offensichtlich, dass die Job-Annahme ethisch schlechter wäre als die Alternativen: Kurzfristig wird die Rüstungsindustrie ohnehin weiterbestehen, daran kann man nichts ändern. Was man ändern bzw. erhöhen kann: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie längerfristig abgeschafft wird. Wie erreicht man dies am besten? Wohl dadurch, dass man die effektivste Anti-Rüstungsorganisation mit Großspenden unterstützt, die es ihr ermöglichen, viele neue Stellen zu schaffen, die es andernfalls nicht gäbe (würde man selbst bei der Organisation arbeiten, könnte man lediglich eine Stelle ausführen, die es ansonsten auch gäbe). In der Praxis gilt natürlich meistens dennoch: Geht man einem schädlichen Job nach, macht man es dem entsprechenden Wirtschaftszweig einfacher, entsprechende Stellen (billiger) anzubieten, und man sendet gesellschaftlich negative Signale aus. Der EA empfiehlt daher, nach Win-win-Situationen Ausschau zu halten und systematisch zu fragen: Welche Berufe sind gut bezahlt und kaum schädlich?

Die Berufszweige, von denen effektive Altruisten/innen am ehesten abraten würden, sind hier zusammengestellt. Der Bereich der Waffenentwicklung etwa ist ein einfacher Fall. Komplexer ist der Banking-Bereich: Die Banken erbringen volkswirtschaftlich auch bedeutsame Leistungen, so dass bei einem Banking-Job a priori nicht klar ist, dass er insgesamt schädlich ist. Es ist erforderlich, den Einzelfall zu analysieren: Wird Leid verursacht und, wenn ja, in welchem Ausmaß? Ist das verursachte Leid im Vergleich mit dem durch die Großspenden – möglicherweise mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr – verhinderten Leid hinreichend gering? Die wissenschaftlichen Hilfswerk-Evaluatoren GiveWell und Animal Charity Evaluators kommen aktuell zum Schluss, dass mit 100’000 Euro Tausenden Menschen bzw. hunderttausenden Tieren geholfen werden kann (für das Ausbleiben lebensrettender Spenden sind wir ethisch auch verantwortlich). Zu beachten gilt es in diesem Kontext zudem, dass beispielsweise auch NGOs an leidverursachenden Systemen beteiligt sind, etwa an der Sklavenarbeit, die in ihre elektronischen Geräte eingeht. Es ist ethisch legitim und wichtig, hinreichend kleine Schäden in Kauf zu nehmen, um bedeutend umfangreichere Schäden verhindern zu können – sonst wäre menschenrechtliche NGO-Arbeit unzulässig. Konkrete Empfehlungen erfordern oft eine Einzelfallanalyse.
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9. Wie steht der EA zum Staat bzw. zur libertären Ablehnung des Staates?

Der (Rechts-)Libertarismus tritt in zwei Varianten auf: Die erste besagt, dass ethisch-rechtlich nur Nicht-Schadenspflichten existieren, aber keine Hilfspflichten. Daraus folgen Thesen wie die Illegitimität einer jeden Besteuerung (außer ggf. zur Erhaltung eines Minimalstaates). Diese Ansicht würde selbst dann aufrechterhalten, wenn entsprechende Politiken faktisch zu einem Massenleiden führen würden. Die zweite besagt, dass ein Minimalstaat faktisch am besten dazu geeignet ist, Leid zu verhindern und Glück bzw. Präferenzerfüllung zu fördern. Der EA hält beide Thesen für falsch. Die philosophische Begründung von Nicht-Schadenspflichten muss darauf Bezug nehmen, dass Schäden – d. h. Leid bzw. unerfüllte Präferenzen – entstehen, wenn diese Pflichten verletzt werden. Exakt dasselbe gilt aber für Hilfspflichten: Wenn sie verletzt werden, resultieren Leid und unerfüllte Präferenzen. Zudem würden wir uns (hinter dem „Schleier des Nichtwissens“) auch für uns selbst wünschen, dass Hilfspflichten bestehen, wenn wir in der Position der Leidenden sind. Nicht zuletzt existieren auch viele intuitive Konsistenz-Argumente zur unmittelbaren Begründung von Hilfspflichten, etwa das Argument vom ertrinkenden Kind oder der Hinweis darauf, wie wir reagieren würden, wenn sich das globale Massensterben direkt vor unserer Haustür ereignen würde. Wer sich wissenschaftlich mit diesen Fragen auseinandersetzen will, findet hier ein einführendes Paper.

Die zweite Variante des Libertarismus, wonach ein Minimalstaat empirisch optimale Konsequenzen hätte, scheint den meisten effektiven Altruisten/innen auch hochgradig naiv: Vergleicht man auf globaler Ebene verschiedene Staaten mit unterschiedlicher Staatsquote, lässt sich keine empirische Evidenz für einen möglichst kleinen Staat als Optimum auffinden. Daraus folgt selbstredend auch nicht, dass ein möglichst großer Staat optimal wäre – das wäre ebenso unwahrscheinlich. Der EA ist keineswegs „staatsgläubig“, sondern hält es für eine wissenschaftlich-unvoreingenommen zu erforschende Frage, welche staatlichen (Nicht-)Interventionen in welchen Bereichen optimale Konsequenzen haben. Dieses empirisch-pragmatische Vorgehen halten die meisten effektiven Altruisten/innen für offensichtlich. Das impliziert auch die Ansicht, dass der Libertarismus wahrscheinlich aus gewissen Biases resultiert – u. a. kann er dazu dienen, purem Egoismus ein moralisch respektables Antlitz zu verleihen. Wer diese Debatte vertiefen will, ist mit dem fundiert argumentierenden Non-Libertarian FAQ gut bedient.
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10. Sind Spenden an Hilfswerke nicht reine Symptombekämpfung? Sollten wir nicht viel eher strukturelle, systemische Interventionen anstreben?

Vorbemerkung: Bei Weitem nicht alle effektiven Altruisten/innen spenden an die von GiveWell empfohlenen Hilfswerke. Einige denken beispielsweise, dass sich durch die Förderung der EA-Bewegung (sozusagen als Meta-Hilfsorganisation) kontinuierlich ein gesellschaftliches Umdenken herbeiführen lässt – und dass dies trotz des viel indirekteren Kausalmechanismus effektiver sein kann. Andere finanzieren oder betreiben bevorzugt Forschung. (Wie ihr EA-Impact zustande kommt, wird im Kontext der ethischen Berufswahl erläutert.)

Zur eigentlichen Frage: Es ist grundsätzlich empirisch zu erforschen, welche Maßnahmen letztlich am meisten bewirken. Es ist möglich, dass strukturelle, systemische Interventionen den höchsten altruistischen Erwartungswert aufweisen. Betrachten wir zunächst die von GiveWell empfohlenen Organisationen, so ist festzustellen: Sie retten nachweislich Menschenleben, und dies sehr kosteneffektiv. Die Verteilung von Anti-Malaria-Bettnetzen etwa rettet nach den aktuellsten Schätzungen (beruhend auf randomisiert-kontrollierten Studien) für 7500 US-Dollar ein Menschenleben. Selbst wenn der Begriff „Symptombekämpfung“ in gewisser Hinsicht zutreffend wäre, sollte dieser Aspekt keinesfalls ignoriert werden: Wann immer wir uns entscheiden, etwas anderes zu tun als direkt Menschenleben zu retten (die ohne unseren Ressourceneinsatz sterben – wir entscheiden wohl oder übel über Leben und Tod), müssen wir uns hinreichend sicher sein, dass unsere Handlungsalternative mehr bewirken wird, als die ethischen Opportunitätskosten etwa im Malaria-Bereich bewirkt hätten. Direkte Hilfsinterventionen aber als „reine Symptombekämpfung“ zu bezeichnen, wäre unangemessen: Die GiveWell-Empfehlungen haben zumeist positive Langzeitfolgen, beispielsweise nachweislich höhere Anwesenheitsraten an Schulen, bessere Bildung und höheres Einkommen danach – das führt auch zu einem politischen Empowerment vor Ort. Zudem ist es u. a. auch nicht der Fall, dass evidenzbasiert ausgewählte Interventionen die „Überbevölkerung“ verschärfen. Im Gegenteil: Die MIT-Professorin Esther Duflo hat bei diesen entwicklungsökonomischen Fragestellungen Pionierarbeit geleistet.

Politisch-struktureller Aktivismus ist risikoreicher: Ob „systemverändernde Maßnahmen“ politisch durchkommen und (falls ja) ob die erhoffte großflächig positive Wirkung tatsächlich eintritt, ist schwieriger abzuschätzen. Dies bedeutet selbstredend nicht, dass es nicht optimal sein kann, strukturelle Projekte in Angriff zu nehmen bzw. an solche zu spenden – sie können ja trotz geringerer Erfolgswahrscheinlichkeit einen höheren Erwartungswert aufweisen, weil mehr auf dem Spiel steht. Es bedeutet lediglich, dass die Frage „Direkthilfe vs. Systemveränderung“ keine unmittelbar offensichtliche Antwort hat und dass die relevanten empirischen Daten im Einzelfall zu prüfen sind.

Die EA-Bewegung wählt in dieser Frage insgesamt einen Mittelweg: Einerseits hält sie es für wichtig, mit signifikantem Ressourceneinsatz direkt zu helfen (und die entsprechenden Projekte zu evaluieren, so dass wir mehr Informationen über deren Effektivität erhalten, was unsere künftigen Entscheidungen verbessert). Andererseits investiert sie auch viel in gesellschaftlich-politische Bewegungsbildung sowie in ethisch hochrelevante Forschung, was zwar spekulativer ist, längerfristig aber noch viel mehr bewirken könnte. Bewegungsbildung und Forschung werden als „Meta-Aktivismus“ klassifiziert: Man hilft nicht direkt, sondern hilft zunächst unseren Hilfskapazitäten, die (wenn die Strategie aufgeht) danach um ein Vielfaches höher sind. Das Projekt Raising for Effective Giving (REG) der Stiftung für Effektiven Altruismus verfolgt diesen Ansatz: Es konnte mit weniger als $50’000 an eigenen Ausgaben (durch EA-Outreach unter professionellen Pokerspielern/innen) mehr als $500’000 an Spendengeldern für effektive menschen- und tierrechtliche Organisationen generiert. Die $50’000 hätten natürlich auch direkt an eine menschen- oder tierrechtliche Organisation fließen können – doch das hätte weniger bewirkt als die Spende an den EA-Multiplikator REG.
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11. Unterstützen effektive Altruisten/innen nur Organisationen, die wissenschaftliche Nachweise für ihre hohe Effektivität haben?

Ja und nein. Ja: Sie unterstützen nur Organisationen, deren Erwartungswert (= Erfolgswahrscheinlichkeit mal Wirkungsausmaß, falls der Erfolg eintritt) hoch ist. Nein: Wenn mit „wissenschaftlichem Nachweis“ gemeint ist, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit alleine zwingend hoch sein muss, dann lautet die Antwort Nein – denn der Erwartungswert kann auch dann hoch sein, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit zwar tief, das potenzielle Wirkungsausmaß aber sehr hoch ist (vgl. die vorangehende Frage). Daraus, dass die Messbarkeit und damit die Erfolgswahrscheinlichkeit etwa bei „Meta-Interventionen“ wie Bewegungsbildung und Forschung tiefer ist, folgt nicht, dass der Erwartungswert tiefer ist als bei „direkten“ Interventionen. Messbarkeit ist wichtig, doch es gilt zugleich auch den „Evaluability Bias“ zu vermeiden, d. h. die Tendenz, uns an gut messbaren Größen zu orientieren, obwohl schlechter messbare für unser strategisches Handeln (im Erwartungswert) wichtiger wären.
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12. Gibt es religiöse effektive Altruisten/innen?

Durchaus. In vielen Religionen haben der Altruismus und das Spenden (zumindest theoretisch und in wohlwollenden Lesarten) einen hohen Stellenwert. Der EA-Ansatz bei der Auswahl möglicher Geld- oder Zeitspenden – d. h. der evidenzbasierte Versuch, Hilfsressourcen, wenn man sie schon bereitstellt, maximal effektiv einzusetzen – kann auch religiöse Personen überzeugen. Effektive Altruisten/innen sind großmehrheitlich allerdings religionskritisch, weil sie der Meinung sind, dass sich religiöse Thesen mit einem umfassend evidenzbasierten Ansatz schlecht vertragen.

Es kann ein Win-win sein, keine Ressourcen in „metaphysische“ Debatten zu investieren, sondern gemeinsam an effektiv-leidmindernden Projekten zu arbeiten. Das setzt natürlich voraus, dass sich die widerstreitenden Ansichten gegenseitig nicht für gesellschaftlich gefährlich halten. Das kann gegeben sein, wenn Weltanschauungen politisch „liberal“ vertreten werden.
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13. Was ist, wenn ich zu wenig Geld habe, um zu spenden?

Auch kleinere Beiträge können, wissenschaftlich fundiert eingesetzt, viel bewirken. 100 Euro beispielsweise können fast 100 Kinder während eines Jahres vor parasitären Wurmerkrankungen schützen. Und wer überhaupt keine Hilfsressourcen bereitstellen kann, sollte sich deswegen nicht schlecht fühlen: Jede/r hilft so, wie es die eigenen Möglichkeiten erlauben. Zusätzlich zum Geldspenden kann eine Form der Zeitspende beispielsweise darin bestehen, Leuten im eigenen (Online-)Umfeld die EA-Ideen näherzubringen – wer zwei Leute zu vergleichbar umfassenden Spenden motiviert, bewirkt damit bereits doppelt so viel wie mit den eigenen Spenden. Es besteht zudem die Option, an Universitäten Flyer zu verteilen und z. B. in einer Lokalgruppe Meetups und Diskussionsveranstaltungen mitzuorganisieren.
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14. Ich glaube, dass eine der Organisationen, an die effektive Altruisten/innen spenden, insgesamt, d. h. netto negative Auswirkungen hat.

Es kann gut sein, dass einige Personen in der EA-Bewegung diese Ansicht teilen. Der EA ist kein homogen-dogmatischer Block, sondern eine kritisch-offene Philosophie und soziale Bewegung. Die komplexen ethischen und empirischen Fragen rund um die strategische Weltverbesserung werden rege diskutiert, was regelmäßig zur Revision gewisser Thesen führt. Es geht dem EA gerade darum, eben nicht im Vornherein festzulegen, was ethisch-politisch zu tun ist, sondern die wissenschaftlichen Argumente und Daten sprechen zu lassen. Wer diesbezüglich Anregungen hat, kann sich beispielsweise in geeigneten Foren und Facebook-Gruppen, an Meetups oder mit Vorträgen im Rahmen der universitären Veranstaltungsreihen der EA-Lokalgruppen einbringen.
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15. Käme es nicht zum Kollaps unserer Gesellschaft, wenn alle Leute zu effektiven Altruisten/innen würden?

Nein. Der diese Frage motivierende Gedankengang besteht wohl darin, dass es unsinnig wäre, wenn alle Leute all ihr Geld ins Ausland (wo der Bedarf bzw. das Leid aktuell objektiv am größten ist) spenden, so dass Wirtschaft und Gesellschaft im eigenen Land zugrunde gehen. Das stimmt natürlich: Offensichtlich sollte man nur dann an GiveWell-Interventionen spenden, wenn diese a) das Geld auch tatsächlich einsetzen können (und nicht bereits mit Geld geflutet wurden) und wenn man damit b) nicht gleichzeitig eine Katastrophe auslöst – ginge unser Land zugrunde, wäre auch seine Hilfskapazität dahin. Wenn alle Menschen effektive Altruisten/innen wären, würde innerhalb kürzester Zeit so viel Geld an die empfohlenen Hilfsprogramme fließen, dass diese weitere Spenden nicht mehr sinnvoll verwenden könnten. Dementsprechend müssten sich die Spender/innen neu orientieren (täten sie es nicht, wären sie nicht effektiv), weil die „tiefhängenden Früchte“ schon gepflückt wurden. Falls enorme Geld- und Zeitspenden geleistet werden und die kosteneffektivsten Optionen im Ausland (auch durch politische Veränderungen im Inland, etwa die massive Erhöhung zielführender Entwicklungshilfe und die Unterbindung von „Illicit Financial Flows“) nach und nach ausgeschöpft werden, dann werden bald auch die Möglichkeiten, im eigenen Land zu helfen, zu den Top-Interventionen gehören. Wenn das eigene Land kollabiert, weil zu viele Einwohner/innen ihr Geld ins Ausland schicken lassen, dann waren keine effektiven Altruisten/innen am Werk.
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16. Ist der EA identisch mit Peter Singers Utilitarismus?

Nein. Der Utilitarismus legt in der Praxis den EA nahe, aber dasselbe gilt für sehr viele nicht-utilitaristische Ethiken. Der EA ist demnach keineswegs auf den Utilitarismus festgelegt. Peter Singer hat den EA im Übrigen auch nicht selbst begründet, sondern höchstens mit-inspiriert, und unterstützt ihn nun öffentlich. Viele andere Mitglieder der EA-Bewegung, etwa der Philosoph Thomas Pogge, sind dem Utilitarismus gegenüber kritisch eingestellt. Besonders die umstrittensten Positionen Peter Singers haben mit dem EA nichts zu tun und werden von den meisten EA-Interessierten abgelehnt. Die Stiftung für Effektiven Altruismus hat sich z. B. in diesem Artikel ausführlich zur Frage geäußert, welche Elemente des Utilitarismus der EA beinhaltet und welche er ablehnt. Der EA kann als rationale lebenspraktische Synthese aus Utilitarismus, Deontologie und Tugendethik verstanden werden: Der Utilitarismus leistet insofern einen wichtigen Beitrag, als die Konsequenzen unseres (Nicht-)Handelns für das Leid in der Welt in der Tat von zentraler Bedeutung sind. Die Deontologie hat insofern Recht, als es (gerade auch zur Erreichung des Ziels der Leidminderung) höchst bedeutsam ist, gewisse Regeln strikt einzuhalten und auch rechtlich zu statuieren (Menschenrechte, Lügenverbot bzw. Vertragseinhaltung etc.). Und die Tugendethik liegt insofern richtig, als es bedeutsam ist, einen guten Charakter zu kultivieren und sich und andere beispielsweise nicht zu überfordern, d. h. ausgewogen zu leben. Der EA berücksichtigt demnach alle in der zeitgenössischen Ethik gängigen Theorien – weil sie allesamt Teilwahrheiten enthalten und sich, wohlwollend interpretiert, oft nicht widersprechen, sondern sinnvoll ergänzen.
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17. Dem Altruismus geht es darum, anderen zu helfen. Wer sind diese „anderen“, und was zählt als Hilfe?

Mit „anderen“ sind in der Regel alle empfindungs- bzw. leidensfähigen Individuen gemeint. Welche Lebewesen in welchem Umfang leidensfähig sind, ist eine komplexe empirische Frage – das gilt sowohl für den Zeitpunkt, ab dem menschliche Föten leidensfähig sind, als auch für den Gradienten der Leidensfähigkeit im Tierreich.

Was ganz genau unter die Begriffe „Altruismus“ oder „Hilfe“ fällt, ist philosophisch nicht trivial und in manchen Bereichen unklar. Das ist jedoch kein Grund, die trivialen Fälle zu ignorieren und untätig zu bleiben. Trivial scheint insbesondere, dass es gut ist, Individuen zu helfen, die von intensivem, klar unfreiwilligem und für sie längerfristig schlechtem Leid betroffen sind, wie es der Effektive Altruismus befürwortet.
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18. Warum beschäftigen sich vergleichsweise wenige effektive Altruisten/innen intensiv mit der Klimaerwärmung?

Von der Klimaproblematik gehen in der Tat (mit einiger Wahrscheinlichkeit) globale Katastrophenrisiken aus, die auch alle künftigen Generationen in Mitleidenschaft ziehen könnten. Angesichts dieser Tatsache scheint der Erwartungswert des Klimabereichs aus EA-Sicht hoch. Es gibt jedoch wesentliche Punkte, die ihn reduzieren: Ethisch-politische Ressourcen haben einen abnehmenden Grenznutzen. Wenn man die hunderttausendste Person ist, die sich um einen Problembereich kümmert, bewirkt man in der Regel weniger, als wenn man etwa die hundertste Person ist – zumal es dann viel wahrscheinlicher ist, dass die eigene Geld- oder Zeitspende zu Ideen bzw. nützlichen Aktivitäten führt, die ansonsten nicht erfolgt wären. Viele effektive Altruisten/innen sind der Meinung, dass Problembereiche existieren, in denen 1) gleich viel auf dem Spiel steht wie beim Klimawandel und die 2) gesellschaftlich noch viel vernachlässigter sind. Natürlich wäre es hochgradig positiv, wenn sich viel mehr Menschen und Organisationen intensiv um den Klimawandel kümmern würden. Dasselbe gilt jedoch auch für andere, noch viel vernachlässigtere Probleme, etwa im Kontext von Zukunftstechnologien, von denen globale Sicherheitsrisiken ausgehen, wie z. B. der künstlichen Intelligenz.

Explizitere Quantifizierungsversuche der Kosteneffektivität von Klimaorganisationen haben zudem ergeben, dass prima facie vielversprechende Klimaorganisationen weniger gut abschneiden als z. B. die aktuellen GiveWell-Empfehlungen. Die entsprechenden Schätzungen sind mit hoher Unsicherheit behaftet, liefern aber dennoch einen hilfreichen Anhaltspunkt. Ein Grund für das bescheidene Resultat besteht darin, dass die (potenziell) massiven Klimaschäden wohl zu einem künftigen Zeitpunkt eintreten werden, an dem die wirtschaftlich-technologischen Kapazitäten auch der ärmeren Länder viel umfangreicher sein werden. Versucht man die Klimaschäden volkswirtschaftlich zu beziffern und mit den erwarteten BIP-Entwicklungen abzugleichen, dann erscheinen sie schlimm, aber nicht katastrophal – worüber man sich wissenschaftlich natürlich auch streiten kann. Ob eine Person den EA umsetzt oder nicht, zeigt sich auch nur begrenzt an den Problembereichen, die sie favorisiert. Wichtig ist vor allem die Art und Weise, wie sie ihre Aktivitäten auswählt. Wenn jemand nach wissenschaftlich fundierter Auseinandersetzung mit den EA-Priorisierungsargumenten zum Schluss kommt, dass die globale Klimaerwärmung das wichtigste und dringlichste Problem ist, dann ist dies vollkommen im Sinne des EA. Nicht zuletzt ist punkto Klimaengagement erwähnenswert, dass eine Synergie mit dem Tierrechtsengagement ausgenutzt werden kann, das in der EA-Bewegung populärer ist. Viele halten die Argumente „Leidausmaß“ und „Vernachlässigung“ im tierrechtlichen Bereich für sehr stark, und Synergieeffekte mit den Bereichen Klimawandel, Welthunger und Pandemieprävention erhöhen das Leidausmaß weiter, das auf dem Spiel steht. Animal Charity Evaluators (ACE) hat grobe quantitative Abschätzungen zur Klimawirkung effektiver Tierrechtsorganisationen publiziert.
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19. Müssen effektive Altruisten/innen all ihre Ressourcen dafür aufwenden, Gutes zu tun?

Nein. Der EA kann, muss aber nicht als „Extremsport“ gelebt werden. Man kann die EA-Prinzipien wichtig finden und gleichzeitig auch andere Lebensziele verfolgen. Und selbst wer sich den EA als übergeordnetes Lebensziel setzen möchte, ist gut beraten, sich auch hinreichend Zeit für eigene Bedürfnisse zu nehmen. Ansonsten ist es wahrscheinlich, dass das eigene Wohlbefinden und damit meist auch die altruistische Motivation und Produktivität darunter leiden. Das ist ein Beispiel dafür, wie sich utilitaristische, deontologische und tugendethische Ansätze – sinnvoll interpretiert – nicht gegenseitig ausschließen, sondern ergänzen. (Vgl. dazu auch Frage 16 und diesen Artikel.)
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20. Wie kann ich in der EA-Bewegung aktiv werden?

Neben der Lektüre und Reflexion der wichtigsten EA-Inhalte lohnt es sich, sich mit ähnlich gesinnten Personen auszutauschen. Dazu können die EA-Facebook-Gruppe oder die Lokalgruppen hilfreich sein, in denen spannende Diskussionen stattfinden und Informationen zu laufenden Aktivitäten publiziert werden. Wer den Newsletter abonniert, wird regelmäßig über EA-Events im deutschen Sprachraum informiert. Wer vom EA-Ansatz hinreichend überzeugt ist, kann auch ausprobieren, einen kleinen Teil des eigenen Einkommens an effektive Organisationen zu spenden. Wer sich damit wohlfühlt, kann den Betrag dann kontinuierlich steigern und z. B. den 10-%-Pledge der EA-Organisation Giving What We Can ablegen.
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21. War mein bisheriges Engagement aus Sicht des Effektiven Altruismus etwa nicht effektiv?

Das könnte tatsächlich der Fall sein. Wir haben sehr viele Möglichkeiten, anderen zu helfen. Manche Handlungen sind aus altruistischer Perspektive notwendigerweise gewinnbringender als andere. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass wir intuitiv die beste Handlung gewählt haben, wenn wir diese Entscheidung nicht systematisch angegangen sind und aktiv versucht haben, die Option mit dem größten erwarteten Impact zu verfolgen. Oft kommen wir durch Zufall oder persönliche Erlebnisse mit einem Thema in Berührung, das uns dann weiter beschäftigt. Auch wenn wir bereits viele Jahre in diesem Bereich gearbeitet haben, kann es jedoch ein Fehler sein, nur aufgrund der bereits investierten Ressourcen dort zu verharren („Sunk Cost Fallacy“). Wenn wir wirklich so viel Leid wie möglich verhindern wollen, kann es – je nach Situation – durchaus sinnvoll sein, die eigenen beruflichen Pläne oder das Spendenverhalten massiv zu überdenken und zu ändern.
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22. Was haben effektive Altruisten/innen bisher erreicht?

Obwohl die EA-Bewegung noch jung ist, haben effektive Altruisten/innen bereits beachtliche Spendenbeträge für effektive Hilfsorganisationen gesammelt, wichtige Forschungsbeiträge geleistet, viele altruistische Berufsplanänderungen bewirkt und große Medienaufmerksamkeit generiert. Nähere Informationen finden sich auf den Websites des Centre for Effective Altruism und der Stiftung für Effektiven Altruismus.
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23. Wie sind die Personen, denen effektive Altruisten/innen helfen, bei Entscheidungen involviert?

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass wir die Probleme und Bedürfnisse derer, denen wir helfen wollen, nicht immer richtig einschätzen und verstehen. Dies ist ein Risiko, das von effektiven Altruisten/innen ernst genommen wird. Um wirklich effektiv zu sein, müssen wir ständig versuchen, die Adressaten/innen von Hilfsprogrammen nach ihren Präferenzen zu befragen. Solche Befragungen gehören daher auch zu den Evaluationskriterien von Organisationen wie GiveWell. Mit Besuchen vor Ort und Gesprächen mit den Betroffenen holt sich GiveWell zum Beispiel wertvolles Feedback. Außerdem gibt es auch in Entwicklungsländern effektive Altruisten/innen, die die Probleme vor Ort gut kennen und ihre Erfahrung an internationale Organisationen weitergeben.
Aber auch ohne Befragungen kann man bei vielen Hilfsprogrammen davon ausgehen, dass sie im Sinne der Personen vor Ort handeln. Viele EAs spenden zum Beispiel an GiveDirectly, da diese Organisation Spendengelder direkt an Menschen in extremer Armut überweist und ihnen somit ermöglicht, selbst zu entscheiden, wo sie das Geld einsetzen. Darüber hinaus konzentrieren sich viele Organisationen auf die Sicherstellung der grundlegenden Gesundheitsversorgung, wie zum Beispiel durch Impfungen. Diese Maßnahmen haben höchstwahrscheinlich einen positiven Effekt, da eine ausreichend gute körperliche Verfassung die Grundlage dafür schafft, die eigenen Lebensumstände eigenständig zu verbessern.
Bei nichtmenschlichen Tieren oder zukünftigen Generationen von Menschen ist es schwieriger einzuschätzen, welche Interventionen gebraucht oder gewünscht werden, da man bei der Evaluation ihrer Interessen nicht auf direkte Kommunikation zurückgreifen kann. In solchen Fällen muss man auf Basis bekannter Situationen extrapolieren und vorsichtige, wissenschaftlich fundierte Prognosen treffen. Viele Fälle sind im Prinzip jedoch offensichtlich: So möchten beispielsweise Schweine oder Hühner nicht ihrer Mobilität beraubt in engen Käfigen gehalten und verletzt werden und zukünftige Generationen nicht auf einem Planeten leben, der von von Ressourcenkriegen und Leid geprägt ist.
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24. Wie sieht die demographische Zusammensetzung der EA-Bewegung aus?

Da effektiv Gutes zu tun ein komplexes Unterfangen ist, legt die EA-Bewegung großen Wert darauf, möglichst viele Perspektiven und Disziplinen mit einzubeziehen. Vor allem zu Beginn der Bewegung war ein Trend zu quantitativen Fachbereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) zu erkennen, wobei auch die Philosophie schon immer eine große Rolle spielte. Mittlerweile hat sich die Zusammensetzung stark diversifiziert und immer mehr Menschen aus anderen Disziplinen wie der Psychologie, Medizin oder Sozial- und Rechtswissenschaften sind auf die Ideen des Effektiven Altruismus gestoßen. Gleichzeitig inspiriert die Bewegung zunehmend junge Leute ohne akademischen Hintergrund und wächst auch global weiter. So gab es neben zahlreichen Veranstaltung in westlichen Ländern bereits EA-Konferenzen in Nairobi und Hongkong. Bezüglich der politischen Einstellung von aktiven EAs lässt sich ebenfalls eine große Bandbreite an Überzeugungen festellen. Dabei ist der EA-Bewegung immer sehr wichtig, offen für Kritik zu sein und die Diversität in der Bewegung aktiv zu fördern.
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