Dieser Artikel wurde am 15. März 2022 von Max Roser im englischen Original auf Our World In Data veröffentlicht und im gleichen Jahr ins Deutsche übersetzt.
Wenn wir es schaffen, eine größere Katastrophe zu vermeiden, befinden wir uns in der Wiege der Menschheitsgeschichte.
Es geht in diesem Artikel nicht darum, genau vorauszusagen, wie viele Menschen jemals leben werden. Vielmehr dämmerte mir beim Schreiben dieses Textes, dass es die Menschheit potenziell noch sehr, sehr lange geben wird. Mein Anliegen ist es, diese Tatsache zu vermitteln und zu zeigen, wie der Blick in die Zukunft uns im Hier und Heute zu ethischeren Entscheidungen führen kann.
Wenn wir aufeinander aufpassen — und uns vor den Gefahren, die von der Natur und uns selbst ausgehen, bewahren — könnten wir gerade erst am Beginn der Menschheitsgeschichte stehen.
Unser heutiges Handeln wirkt sich auf diejenigen aus, die in dieser potenziell immensen Zukunft leben werden.
- Unsere Auswirkungen können negativ sein — zum Beispiel, wenn wir die Umwelt zerstören, die künftige Generationen von uns erben werden, oder wenn wir Technologien entwickeln, die sie in Gefahr bringen.
- Doch unser Einfluss kann auch positiv sein — durch die Entwicklung der Wissenschaften, die künftigen Generationen ein gesünderes Leben ermöglichen, oder durch das Erschaffen einer Kultur, die ihr Leben bereichert, so wie die Geschichte das unsere.
Im Nachdenken über unser eigenes Leben sollte es einen besonderen Platz für die Tatsache geben, dass unsere Handlungen Auswirkungen auf eine große Anzahl von Menschen haben, die nach uns leben werden. Diejenigen, die sich fragen, wie sie dieser Verantwortung in ihrem Handeln und Entscheiden gerecht werden können, nennen sich selbst „Longtermisten“. Longtermism bezeichnet die ethische Auffassung, dass es eine Priorität unserer Zeit sein sollte, für den Schutz und die Qualität unserer langfristigen Zukunft einzustehen.1
Unsere Vergangenheit
Bevor wir nach vorne schauen, werfen wir einen Blick zurück. Wie viele waren vor uns da? Wie viele Menschen haben jemals gelebt?
Genaue Antworten auf diese Frage wird es nicht geben, aber die Demografen Toshiko Kaneda und Carl Haub haben sich ihr trotzdem angenommen, mit Hilfe der historischen Belege, die uns zur Verfügung stehen.
Es gibt keinen präzisen Zeitpunkt, zu dem die Menschheit entstanden ist, denn der Übergang von einer Spezies zur anderen ist ein schleichender Prozess. Doch wenn man einen historischen Zensus aller Menschen vornehmen will, muss man sich auf einen Startpunkt festlegen. Die beiden Demografen entschieden sich schließlich für einen Beobachtungszeitraum von 200.000 Jahren.2
Sie schätzen, dass in diesen 200.000 Jahren etwa 109 Milliarden Menschen lebten und starben.3
Den (bei weitem) überwiegenden Teil unserer heutigen Zivilisation haben wir diesen 109 Milliarden Menschen zu verdanken. Unsere vielen verschiedenen Sprachen, Kulinarik, Musik, Werkzeuge und unser Wissen sind die Früchte ihres Wirkens. Die Häuser, in denen wir leben, unsere Infrastruktur, die großartigen Errungenschaften der Architektur — vieles, von dem, was wir heute noch sehen, haben sie einst erbaut.
Unsere Gegenwart
Im Jahr 2022 sind wir 7,95 Milliarden. Zusammen mit den Verstorbenen sind seit den Anfängen der Menschheit etwa 117 Milliarden Menschen geboren worden.
Das bedeutet, dass wir, die wir jetzt leben, etwa 6,8 % aller Menschen ausmachen, die jemals gelebt haben.
Diese Zahlen sind natürlich nur schwer greifbar. Um ein besseres Gefühl für die Dimensionen zu vermitteln, habe ich mich an einer Visualisierung versucht.4
Darin ist eine riesige Sanduhr zu sehen. Aber anstatt den Fluss der Zeit zu messen, misst sie den Fluss der Menschheit.
Jedes Sandkorn steht hier für 10 Millionen Menschen: Jedes Jahr werden 140 Millionen Babys geboren. Wir fügen der Sanduhr also 14 Sandkörner hinzu. Jedes Jahr sterben 60 Millionen Menschen; das bedeutet, dass 6 Sandkörner durch die Öffnung nach unten fließen und zu der großen Zahl der Verstorbenen hinzugefügt werden.5

Unsere potenzielle Zukunft
Wie viele Menschen werden in der Zukunft geboren werden?
Wir wissen es nicht.
Aber eines ist klar: Die Zukunft ist sehr, sehr lang, denn unser Universum wird noch für viele Billionen Jahre existieren.
Diese Tatsache kann uns eine Hilfe sein, wenn wir uns der Frage nähern, wie viele Nachkommen uns diese Zukunft noch bringen mag. Die Zahl wird einerseits durch die Größe der Bevölkerung zu jedem gegebenen Zeitpunkt und andererseits durch die Lebensspanne der einzelnen Personen bestimmt. Der wichtigste Faktor ist jedoch, wie lange die Menschheit existieren wird.
Bevor wir uns mit einer Reihe sehr unterschiedlicher möglicher Zukunftsszenarien befassen, beginnen wir mit einer einfachen Grundannahme.
Wir sind Säugetiere. Um zu mutmaßen, wie lange wir als Spezies überleben könnten, ist es sinnvoll, sich die Lebensspannen anderer Säugetierarten anzuschauen. Die meisten Säugetierarten überdauern etwa eine Million Jahre.6 Stellen wir uns mal eine Zukunft vor, in der auch die Menschheit eine Million Jahre existiert: 200.000 liegen bereits hinter uns, wir hätten also noch 800.000 Jahre vor uns.
Betrachten wir ein Szenario, in dem sich die Bevölkerungsgröße bei etwa 11 Milliarden eingependelt hat und stabil bleibt (basierend auf den UN-Prognosen für das Ende dieses Jahrhunderts) und in dem die durchschnittliche Lebenserwartung auf 88 Jahre angestiegen ist.7
In einer solchen Zukunft würden in den nächsten 800.000 Jahren 100 Billionen Menschen leben.
Die Grafik unten veranschaulicht dies. Jedes Dreieck steht für 7,95 Milliarden Menschen — repräsentiert durch die grüne Dreiecksform der obigen Sanduhr — und entspricht der Zahl der heute lebenden Menschen.
Jede Zeile steht für die Geburt von einer halben Billionen Kinder. Die gesamten 200 Reihen repräsentieren also 100 Billionen Geburten.
Wer die Zahlen, die ich in meinem Szenario verwende, nicht ganz passend findet, kann andere Zahlen verwenden. Diese würden die Zukunftsaussichten etwas abwandeln. Hier zwei Beispiele:
- Wenn man davon ausgeht, dass sich die Weltbevölkerung auf einem 50% höheren Niveau stabilisieren wird, dann wäre auch die Zahl der zukünftigen Geburten 50% höher. Das Diagramm wäre folglich um 50% breiter und würde die Geburten von 150 Billionen Kindern zeigen.
- Geht man davon aus, dass die Weltbevölkerung nur eine Milliarde Menschen umfassen wird, so wäre das Diagramm nur ein Elftel so breit und würde 9,1 Billionen Geburten anzeigen.8
Die Grafik zeigt, wie viele Kinder in den nächsten 800.000 Jahren geboren werden könnten, also in einer Zukunft, in der die Lebensspanne der Menschheit vergleichbar mit der einer durchschnittlichen Säugetierart wäre.
Tatsächlich ist der Mensch jedoch alles andere als eine „durchschnittliche Säugetierart“.
Was uns von anderen Spezies unterscheidet, ist, dass wir die Macht haben, uns selbst zu zerstören — eine der jüngeren Entwicklungen unserer Zeit. Seit der Erfindung von Atomwaffen liegt es in unserer Macht, alle lebenden Menschen zu töten und die Geschichte der Menschheit ein für alle mal zu beenden.
Andererseits besitzen wir, anders als andere Tierarten, auch die Möglichkeiten, uns selbst gegen die extremsten Gefahren zu schützen. Die armen Dinosaurier waren den todbringenden Asteroiden schutzlos ausgeliefert. Nicht so der Mensch. Wir verfügen bereits über wirksame und gut ausgestattete Asteroiden-Überwachungssysteme. Sollte es einmal zu einer Bedrohung durch einen Asteroiden kommen, könnten wir eine echte Chance haben, uns durch den Einsatz von Technologien zu schützen. Die Entwicklung leistungsfähiger Technologie bietet uns potenziell die Möglichkeit, viel länger zu überleben als durchschnittliche Säugetiere.
Unser Planet könnte noch etwa eine Milliarde Jahre lang bewohnbar bleiben.9 Wenn wir so lange überleben, wie die Erde bewohnbar bleibt, und basierend auf dem obigen Szenario, würde dies eine Zukunft bedeuten, in der 125 Billiarden Kinder geboren werden. Eine Billiarde ist eine 1 mit 15 Nullen: 1.000.000.000.000.000.
Eine Milliarde Jahre ist tausendmal länger als die Millionen Jahre, die in dieser Grafik dargestellt sind. Selbst langsam schleichende Veränderungen werden unseren Planeten über einen solch enormen Zeitraum völlig umgestalten: Innerhalb einer Milliarde Jahre durchläuft unsere Erde mehrere sog. Wilson-Zyklen — die Kontinente der Welt werden wieder und wieder kollidieren und auseinanderdriften. Neue Gebirgszüge werden sich bilden und schließlich erodieren, die uns vertrauten Ozeane werden verschwinden und neue auftauchen.
Doch wenn wir uns gut schützen und ein Zuhause jenseits der Erde finden, könnte die Zukunft noch viel größer sein.
Die Sonne wird noch weitere 5 Milliarden Jahre existieren.10 Wenn wir als Menschheit so lange überleben, erwartet uns eine Zukunft, in der 625 Billiarden Kinder geboren werden.
625 Billiarden, wie können wir uns eine so große Zahl vorstellen? Helfen wir uns nochmal mit einer Sandmetapher:
Sagen wir, die heutige Weltbevölkerung wäre ein Stückchen Sand an einem Strand. Und zwar wirklich nur ein winziges Stück Sand, das kaum als Strand bezeichnet werden kann. Es bietet gerade genug Platz für eine einzelne Person. Ein guter Quadratmeter.
Wenn die derzeitige Weltbevölkerung durch einen winzigen Strand von einem Quadratmeter repräsentiert würde, dann würden 625 Billiarden Menschen einen Strand bilden, der 17 Meter breit und 4600 Kilometer lang ist. Ein Strand, der sich quer durch die USA erstreckt, von der Atlantik- bis zur Pazifikküste.11
Aber selbst den Kollaps unseres Sonnensystems könnte die Menschheit überleben.
Wie eine solche Zukunft aussehen könnte, ist schwer vorstellbar. Genauso wie es bis vor kurzem noch kaum auszudenken war, wie die Gegenwart aussehen könnte. „Die Gegenwart war einst die unvorstellbare Zukunft“, so Stewart Brand.

Wir tragen eine gigantische Verantwortung
Eine Katastrophe, die das Ende der Menschheitsgeschichte herbeiführt, würde die enorme Zukunft zerstören, die uns eigentlich bevorsteht. Und für diejenigen, die in dieser Zukunft leben werden, wäre ein solches Ereignis schrecklich.
Die künftig lebenden Menschen werden genauso real sein wie du und ich und sie werden (ausgenommen einer schrecklichen Katastrophe) existieren, nur eben zu einem späteren Zeitpunkt. Sie werden genau wie wir heute die Sonne auf ihrer Haut spüren oder dem Rauschen des Waldes lauschen. Sie werden dieselben Bedürfnisse haben und denselben Schmerz empfinden.
Der Begriff „Longtermism“ beschreibt das Konzept, dass zukünftig lebende Menschen moralisch genauso wertvoll sind wie wir, die wir heute leben.12 Bei der Frage, was wir tun sollen, um die Welt zum Positiven zu verändern, denken Longtermist:innen nicht nur an Hilfsmöglichkeiten für Menschen in der Gegenwart, sondern auch an das, was im Interesse zukünftiger Generationen liegt. Die Hauptaussage dieses Textes — dass die potenzielle Zukunft der Menschheit riesig sein könnte — ist aus der Sicht des Longtermism von großer Bedeutung. Die zentrale Frage dieser Weltsicht lautet: „Was können wir tun, um die langfristigen Zukunftsperspektiven zu verbessern?“.
In gewisser Weise sind viele von uns bereits im Einklang mit dieser Ausrichtung. Die Verantwortung, die wir künftigen Generationen gegenüber haben, ist beispielsweise der Grund, warum so viele daran arbeiten, dem Klimawandel und der Umweltzerstörung entgegenzuwirken.
Anderen Zukunftsrisiken schenken wir allerdings nur wenig Aufmerksamkeit. In dem Maße, in dem wir uns um den Klimaschutz bemühen, sollten wir auch auf ein breiteres Spektrum von Gefahren eingehen, die potenziell noch größer sein könnten.
Diese katastrophalen und existenziellen Bedrohungen machen mir durchaus Angst.13 Neben Atomwaffen, von denen schon kurz die Rede war, gibt es noch zwei weitere Risiken, die mir große Sorgen bereiten: Pandemien — insbesondere durch künstlich hergestellte Erreger — und die Technologie der künstlichen Intelligenz. Eingesetzt als Waffe oder völlig unbeabsichtigt als Folge eines Unfalls könnten diese Technologien verheerenden Schaden anrichten.14
Große Risiken sind nicht nur ein Problem der Zukunft – sie sind längst Teil unserer Realität
Es bedarf keinem Blick in die ferne Zukunft, um unsere Verantwortung zu erkennen. Die Mehrheit der heute lebenden Kinder wird das nächste Jahrhundert höchstwahrscheinlich noch erleben; einige unserer Enkel sogar das 23. Jahrhundert. Sollten wir innerhalb der kommenden Jahrzehnte eine Katastrophe sehen, wären es also auch unsere Nächsten, die unter den Konsequenzen leiden würden.
Das Hauptaugenmerk dieses Textes liegt zwar auf der langfristigen Zukunft, aber das sollte nicht den Eindruck erwecken, dass sich die Risiken, mit denen wir konfrontiert sind, ausschließlich auf die Zukunft beschränken. Bereits heute sind wir durch existenzielle Risiken bedroht, die zu Katastrophen ungeahnten Ausmaßes führen könnten. Der Einsatz der derzeit existierenden Atomwaffen würde Millionen von Menschen sofort und Milliarden in dem darauf folgenden „nuklearen Winter“ das Leben kosten (mehr dazu in meinem Beitrag über Atomwaffen).
Zu wenige haben registriert, wie dramatisch sich unsere Situation verändert hat. Die Fähigkeiten von künstlicher Intelligenz und Biotechnologie haben sich rasant entwickelt und sind keine Science-Fiction mehr; sie stellen für uns, die wir heute leben, ein Risiko dar.15
Dieser Text bezieht sich vornehmlich auf den Verlust von Menschenleben. Jedoch würde ein Atomkrieg auch die völlige Verwüstung von Flora und Fauna bedeuten. Unsere Kultur und Zivilisation würden in Schutt und Asche gelegt.
Selbst wenn wir die potenziellen Auswirkungen dieser Risiken nur im Hinblick auf die heutige Generation und den Verlust von Menschenleben betrachten, gehören sie zu den dringendsten Problemen unserer Zeit. Und dies gilt eben noch viel mehr, wenn wir zusätzlich die Auswirkungen auf künftige Generationen betrachten.
Die Verringerung existenzieller Gefahren ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit, wird jedoch sträflich vernachlässigt
Die aktuelle Pandemie hat allzu deutlich gezeigt, wie sehr die Welt die Pandemievorsorge vernachlässigt hat. Wären wir besser vorbereitet gewesen, hätten wir das Auftreten des Coronavirus viel früher erkennen und so vielleicht verhindern können, dass es sich weltweit ausbreitet und Millionen von Leben kostet. Wenn wir das Risiko zukunftsgefährdender Katastrophen — wie z.B. das von wesentlichen schlimmeren Pandemien —- minimieren, würde auch die Gefahr von kleineren, aber dennoch schrecklichen Katastrophen wie COVID-19 verringert.
Wir als Gesellschaft schenken Risiken dieser Art nur wenig Aufmerksamkeit, Geld und Mühe. Nur wenige von uns sind Longtermist:innen. Tatsächlich denkt nur eine winzige Zahl von Menschen überhaupt über diese Themen nach, obwohl es sich um Probleme handelt, die kraft ihres schieren Ausmaßes einen zentralen Platz in unserem Denken und Handeln verdienen. Es ist die völlig neue Macht der modernen Technologien, die nach einer völlig neuen Art der Verantwortung verlangt. Konkret bedeutet dies, dass ein Umdenken stattfinden muss.
Natürlich steht außer Frage, dass es die technologische Entwicklung war, die unseren heutigen Lebensstandard erst ermöglicht hat. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass ein beträchtlicher Teil der so entstandenen Ressourcen dafür verwendet werden sollte, die Risiken und negativen Folgen bestimmter Technologien zu verringern.
Mehr Forschende sollten die Möglichkeiten bekommen, diese Risiken zu untersuchen und herauszufinden, wie wir sie verringern können. Es würde mich ungemein freuen, mehr Künstler:innen zu sehen, die die Bedeutung unserer riesigen Zukunft in ihren Werken thematisieren. Am entscheidendsten ist jedoch kompetente politische Arbeit. Ich erhoffe mir, dass es eines Tages ganze Ministerien für die Verringerung katastrophaler und existenzieller Risiken geben wird und sich einige der weltweit wichtigsten Institutionen mit dem Schutz der menschlichen Zukunft befassen werden.
Ist eine massive Katastrophe einmal eingetreten, wird jede Reaktion zu spät kommen. Das bedeutet, dass wir proaktiv handeln müssen — Es gilt die Bedrohungen jetzt zu erkennen.
Die derzeitige Situation, in der diese Risiken kaum Beachtung erfahren, kann beängstigend und deprimierend sein. Aber sie stellt auch eine große Chance dar, etwas zu bewegen. Da sich nur wenige Menschen mit diesen Themen beschäftigen, ist ein Berufsweg, der sich der Verringerung existenzieller Risiken widmet, aktuell wahrscheinlich einer der wirksamsten Wege, Gutes zu tun.
Auch unsere Chancen sind gigantisch
Bisher habe ich nur über die Risiken gesprochen, die uns und unsere potenziellen Nachwelten bedrohen. Aber das große Ausmaß unserer Zukunft bietet auch große Chancen.
Probleme sind lösbar. Dies ist für mich die wichtigste Erkenntnis, die ich im letzten Jahrzehnt beim Schreiben von Our World in Data gewonnen habe.
Verglichen mit der riesigen Zukunft, die vor uns liegt, sind die zwei Jahrhunderte, die in der nächsten Grafik dargestellt sind, nur eine winziger Ausschnitt der Menschheitsgeschichte. Aber selbst in der Kürze dieses Zeitraums haben wir immer wieder effektive Mittel gefunden, um einer Vielzahl von großen Problemen entgegenzuwirken.
Mit der nötigen Zeit können wir den Schrecken von heute ein Ende setzen. Armut ist nicht unvermeidlich. Wir können eine Zukunft schaffen, in der kein Mensch unter Mangel leiden muss. Krankheiten, die aktuell ein Todesurteil bedeuten, könnten schon binnen weniger Generationen heilbar sein. Was die Verbesserung menschlicher Gesundheit betrifft, blicken wir bereits auf eine geradezu unglaubliche Erfolgsgeschichte zurück.
Ebenso können wir eine Welt erschaffen, in der wir die Ausbeutung der Umwelt hinter uns lassen, und stattdessen eine Zukunft ermöglichen, in der die Tier- und Pflanzenwelt wieder aufblüht.
Auf diese Weise bieten wir unseren Kindern und Enkelkindern die Chance, an unseren Fortschritt anzuknüpfen. Es mag sein, dass sie daraus eine Kultur und Gesellschaft kreieren, so schön und erstrebenswert, dass es die Grenzen unserer Vorstellungskraft übersteigt.

Fazit
Der vorrangige Zweck dieses Artikels ist es, zu zeigen, dass unsere Zukunft riesig sein könnte. Wenn wir gut aufeinander achtgeben, wird die große Mehrheit aller je lebenden Menschen in der Zukunft leben.
Dies erfordert, dass wir vorsichtiger und rücksichtsvoller miteinander umgehen, als wir es zur Zeit tun. So, wie wir auf die Held:innen zurückblicken, deren Wirken unser heutiges Leben ermöglicht hat, werden sich unsere Nachkommen daran erinnern, was wir für sie getan haben. Wir werden die Vorfahren einer sehr großen Zahl von Menschen sein. Lasst uns diese Rolle ernst nehmen und gute Vorfahren sein!
Das bedeutet, dass wir die Gefahren, vor denen wir stehen, ernster nehmen sollten, und zwar ab sofort, denn die Gefahren im Hier und Jetzt sind keine Generalprobe. Der erste Schritt sollte deshalb darin bestehen, dieser Realität die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient — die meisten von uns sind diesen Schritt noch nicht gegangen. Im zweiten Schritt sollten wir dann alles daran setzen, herauszufinden, wie sich diese Risiken verringern lassen, um die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können.
Überdies sollten wir allerdings nicht die Chancen übersehen, die diese außergewöhnliche Lage birgt. Diejenigen, die vor uns hier waren, haben uns (in der Summe) eine viel bessere Welt hinterlassen. Lasst uns das Gleiche tun für die vielen tausend Generationen, die nach uns kommen.
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Literaturempfehlungen zu den Themen langfristige Zukunft und existenzielle Risiken
Hier einige hervorragende Bücher und Quellen:
- Zum Thema Longtermism und unserer riesigen Zukunft, empfehle ich das neue Buch What We Owe The Future von Will MacAskill.
- Will ist ein Kollege von der Universität Oxford, wo er außerordentlicher Professor für Philosophie und Direktor der Forethought Foundation for Global Priorities Research ist.
- Sein Manuskript hat mich maßgeblich zu diesem Beitrag inspiriert, und ich kann sein Buch wärmstens empfehlen. Es hat verändert, wie ich über meine Zeit auf unserer Erde denke.
- Dieser von Will in der New York Times veröffentlichte Essay gibt einen guten Vorgeschmack auf den Inhalt des Buches.
- Für einen umfassenden Überblick über existenzielle Risiken und wie wir sie verringern können, empfehle ich Toby Ords ausgezeichnetes Buch The Precipice, eines der wichtigsten Bücher, die ich je gelesen habe.
- Zu den Risiken und Chancen von künstlicher Intelligenz empfehle ich das Buch The Alignment Problem – Machine Learning and Human Values von Brian Christian.
- Superintelligenz von Bostrom wurde übersetzt und ist sicher eine gute Empfehlung
- Das Forschungsteam der gemeinnützigen Organisation 80.000 Hours beschäftigt sich mit der Frage, wie die Welt durch die Wahl des eigenen Berufswegs verbessert werden kann; sie gehen dabei besonders auf die Reduzierung großer Risiken ein. Eine Einführung in das Thema Verringerung existenzieller Risiken bietet diese von Benjamin Todd verfasste Übersicht.
- Zwei „Profile“ zu Risiken, die derzeit viele Menschen beschäftigen, sind:
- Das von Gregory Lewis verfasste Profil Die Gefahren katastrophaler Pandemien und wie wir sie verhindern können (englisches Original)
- Zwei „Profile“ zu Risiken, die derzeit viele Menschen beschäftigen, sind:
- [A.d.Ü.:] In dem Artikel Ist der Klimawandel das größte Problem der Welt? Und was können wir gegen ihn tun?, fasst Michael Townsend einen von John Halstead und Johannes Ackva verfassten Bericht zusammen, der das Problem des Klimawandels und unsere besten Lösungsansätze aus der Perspektive des Longtermism diskutiert (englisches Original).
Danksagung: Ich möchte Charlie Giattino, Esteban Ortiz-Ospina, Anders Sandberg, Edouard Mathieu, Hannah Ritchie und William MacAskill für ihre sehr hilfreichen Kommentare zu diesem Artikel danken.
Die Zukunft wird uns nicht einfach widerfahren. Vielmehr sind wir es, die die Welt, in der wir leben werden, erschaffen. Isaac Asimov drückte es so aus:16
„Es gibt keine drohenden Katastrophen, die unvermeidbar sind. Es gibt nichts, was uns so unmittelbar mit Zerstörung droht, dass wir nichts mehr dagegen tun können. Wenn wir uns rational und menschlich verhalten; wenn wir uns mit kühlem Kopf auf die Probleme konzentrieren, die die gesamte Menschheit betreffen — anstatt uns emotional mit Fragen des neunzehnten Jahrhunderts, wie nationaler Sicherheit und Lokalpatriotismus befassen; wenn wir erkennen, dass nicht unsere Nachbarn der Feind sind, sondern Elend, Ignoranz und die eiskalte Gleichgültigkeit der Naturgesetze — dann können wir alle Probleme lösen, die sich uns stellen. Wir können uns bewusst dafür entscheiden, überhaupt keine Katastrophen zuzulassen.“ — Isaac Asimov
Anhang zu „Die Zukunft könnte riesig sein“
Wie viele Menschen haben jemals gelebt?
Meine wichtigste Quelle zu dieser Frage ist die langfristige Schätzung der Demographen Toshiko Kaneda und Carl Haub (siehe unten).
Sie schätzen, dass von 200.000 v. Chr. bis 2020 116.761.402.413 Menschen geboren wurden. 7.772.850.162 dieser Menschen waren im Jahr 2020 noch am Leben.
Natürlich sind die Fehlerspannen bei beiden dieser Zahlen — vor allem bei der historischen — ziemlich groß, was Kaneda und Haub auch klar einräumen. Ich habe mich — sowohl im Text als auch im Schaubild — dagegen entschieden, ihre Punktschätzungen zu verwenden, weil ich vermeiden möchte, dass diese Schätzungen bis hin zum einzelnen Individuum ein falsches Gefühl von Präzision vermitteln.
Ältere Schätzungen dieses historischen Zensus wurden von Goldberg (1983) und Deevey (1960) veröffentlicht. Sie kamen zu niedrigeren Ergebnissen — 55 bzw. 81 Milliarden. Früher ging man davon aus, dass der moderne Mensch erst viel später entstanden ist. Außerdem gingen frühere Schätzungen von einem besseren Gesundheitszustand, d. h. einer geringeren Sterblichkeit der Menschen in der ferneren Vergangenheit aus.
Meiner Ansicht nach ist die neuere Arbeit von Kaneda und Haub die derzeit beste Schätzung. Es gilt jedoch zu unterstreichen, dass diese Art von Schätzung stets mit großen Unsicherheiten verbunden ist, und dass die Schätzungen der letzten Jahrzehnte eine durchaus große Streuung aufweisen.
Referenzen:
- Toshiko Kaneda und Carl Haub (2021) — How Many People Have Ever Lived on Earth? Veröffentlicht von Population Reference Bureau.
- Goldberg (1983) — How many people have ever lived? In Probability in Social Science.
- Deevey (1960) — The Human Population. In Scientific American.
Mein Update zu Kaneda und Haub:
Kaneda und Haub veröffentlichten Schätzungen bis Mitte 2020.
Ich habe die Zahlen von Kaneda und Haub für Mitte 2022 aktualisiert, indem ich die Geburtenzahl der zwei Folgejahre nach 2020 hinzugefügt habe. Nach Angaben der Vereinten Nationen gab es im Jahr 2020 139.975.303 Geburten und im Jahr 2021 139.821.086 Geburten (diese Schätzungen wurden vor der Pandemie veröffentlicht und sind keine genauen Beobachtungen, aber die Ungenauigkeit dieser Schätzungen ist im Vergleich zu den großen Unsicherheiten bei den anderen relevanten Zahlen noch sehr gering).
Das bedeutet, dass die Gesamtzahl der jemals geborenen Menschen bis 2022 116.761.402.413 + 139.975.303+139.821.086 = 117.041.198.802 ist.
Nach Angaben der UN leben im Jahr 2022 7.953.952.577 Menschen.
Menschen, die zwischen 200.000 v. Chr. und 2022 gestorben sind: 116.921.736.195 – 7.953.952.577 = 108.967.783.618 Todesfälle
Anteil der heute lebenden Menschen an allen jemals geborenen Menschen: (7.953.952.577 / 117.041.198.802) * 100 = 6,8%
Berechnungen für die Visualisierung der Sanduhr: Die Vergangenheit und Gegenwart der Menschheit in Sandkörnern
Jedes Sandkorn steht für 10 Millionen Menschen.
Körner zur Darstellung der heutigen Bevölkerung: 7.953.952.577 / 10.000.000 = 795 Körner
Körner zur Darstellung der Verstorbenen: 108.967.783.618 / 10.000.000 = 10.897 Körner (um nicht den Eindruck völliger Genauigkeit zu erwecken, habe ich diese Zahl in der Visualisierung auf 10.900 Körner gerundet).
Wie groß wäre die Zukunft der Menschheit, wenn wir so lange überleben würden wie Säugetierarten es im Durchschnitt tun?
Das Szenario aus der Grafik über die mögliche Zukunft der Menschheit:
Schätzungen für die durchschnittliche Lebensdauer von Säugetierarten: Die Schätzungen für die durchschnittliche Lebensdauer von Säugetierarten reichen von 0,6 Millionen Jahren (Barnovsky et al, 2011) bis zu 1,7 Millionen Jahren (Foote und Rap 1996).
Als groben Mittelwert zwischen diesen beiden Schätzungen halte ich es mit Toby Ord und verwende 1 Million Jahre.
Verbleibende Dauer der Existenz der Menschheit: Da etwa 200.000 Jahre der Geschichte bereits hinter uns liegen, hätten wir noch fast 800.000 Jahre vor uns.
Größe der Bevölkerung der Menschheit: Nach den Prognosen der UNO wird die Weltbevölkerung für den Rest dieses Jahrhunderts weiter zunehmen, bis zum Ende des Jahrhunderts wird das Bevölkerungswachstum jedoch gegen Null tendieren. Die UN-Demographen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung dann 10,9 Milliarden Menschen betragen wird. Ich gehe davon aus, dass das Bevölkerungswachstum bis in die Anfänge des 22. Jahrhundert anhält und sich dann bei 11 Milliarden Menschen stabilisiert.
Wie im gesamten Text betont, betrachte ich dies als ein illustratives Szenario, das es ermöglicht, die Dimensionen zu verstehen, mit denen wir uns beschäftigen. Es handelt sich nicht um eine Vorhersage und wie bei allen Szenarien über die langfristige Zukunft könnte die Realität ganz anders aussehen; das Bevölkerungswachstum könnte sich fortsetzen oder die Weltbevölkerung könnte abnehmen.
Lebenserwartung in der Zukunft: Die UN-Demographen gehen davon aus, dass die Lebenserwartung in vielen Ländern bis zum Ende des Jahrhunderts bei über 90 Jahren liegen wird. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Weltbevölkerung wird dann voraussichtlich 82 Jahre betragen. Wenn wir davon ausgehen, dass der Rest der Weltbevölkerung ab 2100 mit den gesündesten Ländern der Welt mithalten kann, dann ist eine durchschnittliche Lebenserwartung von mehr als 90 oder 100 Jahren möglich (insbesondere für die fernere Zukunft ist es vorstellbar, dass die Menschen im Durchschnitt sehr alt werden).
Ich gehe in meiner Prognose von einer Lebenserwartung von 88 Jahren aus. Das ist höher als der prognostizierte globale Durchschnitt, aber niedriger als die Lebenserwartung in reicheren Ländern; sicherlich eine eher konservative Schätzung, wenn wir bedenken, dass wir eine Zukunft erreichen könnten, in der sich die Gesundheit noch weiter verbessert.
Dies sind also meine Annahmen für dieses Szenario:
- 800.000 verbleibende Jahre für unsere Spezies
- 11.000.000.000 Menschen leben zu jedem beliebigen Zeitpunkt
- 88 Jahre Lebenserwartung für den Durchschnittsmenschen
Wie viele Kinder werden also nach dem Jahr 2022 geboren werden?
(800.000 Jahre / 88 Jahre pro Person) * 11.000.000.000 Menschen =
100.000.000.000.000.000 Menschen =
100 Billionen Menschen werden in den nächsten 800.000 Jahren geboren.
Wann wird die 1000. Generation geboren werden?
Im zweiten Diagramm habe ich diese Information als Anmerkung hinzugefügt. Um diesen Zeitpunkt abzuschätzen, muss man mehrere Annahmen treffen. Hier sind meine:
In einer Welt, in der die Bevölkerung stabil ist, hat jedes Paar von Menschen im Durchschnitt zwei Kinder, die lange genug leben, um selbst Kinder zu bekommen. Das würde bedeuten, dass in jedem Zeitraum von 88 Jahren so viele Geburten stattfinden, wie es Menschen gibt.
Der Einfachheit halber können wir davon ausgehen, dass eine Generation 22 Jahre lang ist (d. h., dass zukünftige Menschen im Durchschnitt mit 22 Jahren Kinder bekommen). Das ist eine sehr günstige Annahme, denn sie bedeutet, dass jede Generation ein Viertel so lang ist wie die Lebenszeit der Menschen in diesem Szenario.
In dieser Welt bestünde jede Generation aus 11 Milliarden / 4 = 2,75 Milliarden Menschen.
Das bedeutet, dass die 1000. Generation von heute an in 22.000 Jahren geboren werden würde (dies ist nicht ganz korrekt, da es im nächsten Jahrhundert ein Bevölkerungswachstum geben wird, d.h. es würde etwas länger als 22.000 Jahre dauern).
In diesen 1000 Generationen wird es 2,75 Milliarden * 1000 = 2,750 Milliarden Geburten geben.
Das bedeutet, dass die Zahl der Geburten in den nächsten 1000 Generationen 346 mal größer wäre als die heutige Weltbevölkerung (2.750 Milliarden / 7,95 Milliarden = 345,9).
Wie lange wird es dauern, bis so viele Babys geboren werden, wie es heute Menschen gibt?
Im zweiten Diagramm habe ich diese Information als Anmerkung hinzugefügt.
Nach den UN-Prognosen werden zwischen 2022 und 2079 8.036.352.977 Kinder geboren. Das bedeutet, dass in den nächsten 57 Jahren so viele Kinder geboren werden, wie es heute lebende Menschen gibt.
Berechnungen für das „Dreiecksdiagramm”:
Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit als Vielfaches voneinander
Die Zukunft in Vielfachen aller jemals lebenden Menschen: 100.000.000.000.000 / 117.000.000.000 = 855 mal
Die Zukunft als Vielfaches der Gegenwart: 100.000.000.000.000 / 7.953.952.577 = 12.572 mal
Die Vergangenheit in Vielfachen der Gegenwart:
(117.041.198.802 – 7.953.952.577) / 7.953.952.577 = 13,7 = gerundet auf 14
Eine Billion in Vielfachen der Gegenwart: 1.000.000.000.000 / 7.953.952.577 = 125,724 = gerundet auf 126 (dies verwende ich als Anzahl der Dreiecke pro Zeile)
Die Anzahl der Geburten in den nächsten 5 Milliarden Jahren in Vielfachen der heutigen Bevölkerung:
625 Quadrillionen Menschen würden in diesem Szenario in den nächsten 5 Milliarden Jahren geboren werden: 625.000.000.000.000.000 Menschen
Im Jahr 2022 lebende Menschen: 7.953.952.577 Menschen
625.000.000.000.000.000 / 7.953.952.577 = 78.577.285
Wie groß könnte die Zukunft der Menschheit sein, wenn wir noch länger überleben würden als Säugetierarten es im Durchschnitt tun?
Noch 1,5 Millionen Jahre: Wenn der Homo sapiens so lange überlebt wie der Homo erectus
Wie lange hat es den Homo Erectus gegeben?
Der Homo erectus ist eine ausgestorbene Spezies des Urmenschen. Er ist einer der ersten erkennbaren Vertreter der Gattung Homo. Er war außerdem der erste Vorfahre des Menschen, der sich in ganz Eurasien ausbreitete.
Der Homo erectus hat mindestens 1,7 Millionen Jahre lang überlebt. Die ältesten Homo-erectus-Funde sind Exemplare aus Dmanisi im heutigen Georgien, die auf 1,8 Millionen Jahre datiert werden (Lordkipanidze et al., 2006). Die jüngsten Funde stammen aus dem heutigen Indonesien und sind gut 100.000 Jahre alt (Yokohama et al., 2008).
Wie lang wäre die Zukunft der Menschheit, wenn wir so lange überlebten wie der Homo erectus?
Wenn wir — der Homo sapiens — so lange wie der Homo erectus überleben würden, hätten wir noch 1,5 Millionen Jahre Zeit. Unsere Zukunft wäre fast doppelt so groß wie in der Grafik im Haupttext dargestellt.
Fast 190 Billionen Kinder würden in diese Welt hineingeboren werden.
So würde dies berechnet:
- 1.500.000 Jahre
- 11.000.000.000 Menschen
- Ein durchschnittlicher Mensch lebt 88 Jahre lang
(1.500.000 Jahre / 88 Jahre pro Person) * 11.000.000.000 Menschen =
187.500.000.000.000.000 Menschen =
187,5 Billionen Menschen würden in den nächsten 1,5 Millionen Jahren geboren werden.
Eine Milliarde Jahre: Wenn der Homo sapiens so lange überlebt, wie die Erde bewohnbar ist
Wie lange wird die Erde bewohnbar bleiben? Wie lange wird unsere Sonne existieren?
Die Astrophysiker Jillian Scudder, Anders Sandberg und Toby Ord gehen davon aus, dass unser Planet etwa eine Milliarde Jahre lang bewohnbar bleiben wird.
- Toby Ords „The Precipice“, insbesondere Fußnote 40 im ersten Kapitel.
- Jillian Scudder (2015) — The sun won’t die for 5 billion years, so why do humans have only 1 billion years left on Earth? Worin es um die Frage geht, warum die Menschen nur noch eine Milliarde Jahre auf der Erde haben, wenn die Sonne noch 5 Milliarden Jahre existieren wird.
- Der Text von Anders Sandberg für die BBC: The greatest long-term threats facing humanity, worin es um die größten langfristigen Bedrohungen der Menschheit geht. Er erklärt auch, was wann und warum passieren wird.
Ausgehend von dem obigen Szenario würde dies eine Zukunft bedeuten, in der 125 Billiarden Kinder geboren werden.
So würde dies berechnet:
- 1.000.000.000 Jahre
- 1.000.000.000 Jahre sind 1250 mal länger als 800.000 Jahre
- 11.000.000.000 Menschen
- Ein durchschnittlicher Mensch lebt 88 Jahre lang
(1.000.000.000 Jahre / 88 Jahre pro Person) * 11.000.000.000 Menschen =
(1.000.000.000 / 88) * 11.000.000.000 = 125.000.000.000.000.000.000 Menschen = 125 Billiarden Menschen würden in diesem Szenario in den nächsten Milliarden Jahren geboren werden.
Eine Billiarde ist eine Eins gefolgt von 15 Nullen (1.000.000.000.000.000).
125 Billiarden sind 125 Tausend Billionen Menschen.
5 Milliarden Jahre – so lange, wie die Sonne bereits existiert
Wenn die Menschheit so lange überleben würde, wie die Sonne existiert:
- 5.000.000.000 Jahre
- 5.000.000.000 Jahre sind 6.250 mal länger als 800.000 Jahre
- 11.000.000.000 Menschen
- Ein durchschnittlicher Mensch lebt 88 Jahre lang
(5.000.000.000 Jahre / 88 Jahre pro Person) * 11.000.000.000 Menschen =
625.000.000.000.000.000.000 Menschen =
625 Billiarden Menschen würden in diesem Szenario in den nächsten 5 Milliarden Jahren geboren werden.
625 Billiarden sind 625 Tausend Billionen Menschen.
Wie kann man sich 625 Billiarden Geburten vorstellen?
625 Billiarden im Verhältnis zu 100 Billionen
In den nächsten 5 Milliarden Jahren: 625 Billiarden = 625.000.000.000.000.000
In den nächsten 800.000 Jahren: 100 Billionen = 100.000.000.000.000
625.000.000.000.000.000 / 100.000.000.000.000 = 6.250
Es gibt zwei Möglichkeiten, dies zu veranschaulichen:
- Die Tabelle würde nicht auf eine Seite passen, sondern 6.250 Seiten benötigen.
- Das ist ein Stapel mit einer Höhe von 62,5 Zentimetern (wenn eine Seite 0,1 mm dick ist)
- Das ist ein Stapel von 30 Büchern (wenn ein Buch 200 Seiten hat. 6250 / 200 = 31,25 Bücher)
- Wenn das Diagramm für die 100 Billionen Menschen 30 cm hoch ist, dann wäre ein Diagramm, das eine Zukunft zeigt, die 6250 mal so lang ist, 1.875 Meter hoch.
- 6250 * 30 cm = 1.875 Meter
625 Billiarden im Verhältnis zur heutigen Bevölkerung
Das Verhältnis zwischen der heutigen Weltbevölkerung und der zukünftigen Weltbevölkerung:
625.000.000.000.000.000 / 7.953.952.577 = 78.577.285
Das Verhältnis zwischen den zukünftigen Menschen und allen heute lebenden Menschen wäre 78,6 Millionen zu eins.
78.577.285 Meter sind 78.577 Kilometer
Wenn der Strand 17 Meter breit wäre, wäre er 4.622 km lang (78.577/17). Das sind 2872 Meilen.
Fußnoten
- Zum Thema Longtermism siehe William MacAskill (2022) - What We Owe The Future und die Literatur, auf die in den folgenden Abschnitten und am Ende dieses Textes verwiesen wird. ↩︎
- Man könnte auch einen viel früheren Zeitpunkt wählen. Jüngste Forschungen an der Fundstätte Jebel Irhoud im heutigen Marokko legen nahe, dass es sich um einen Zeitpunkt von 315.000 v. Chr. handeln könnte. Siehe Ewan Callaway (2017) - Oldest Homo sapiens fossil claim rewrites our species' history. Nature. doi:10.1038/nature.2017.22114. ↩︎
- Die meisten von ihnen lebten sehr kurz: In der Vergangenheit starb etwa jedes zweite Kind. Wenn die Bedingungen derart schlecht sind und Kinder so häufig sterben, muss die Geburtenrate extrem hoch sein, um die Menschheit zu erhalten; Kaneda und Haub gehen von einer Geburtenrate von 80 Geburten pro 1000 Menschen pro Jahr für den Großteil der Menschheitsgeschichte aus (bis zum Jahr 1 n. Chr.). Das ist eine Geburtenrate, die etwa acht mal höher ist als in einem durchschnittlichen einkommensstarken Land und mehr als doppelt so hoch wie in den ärmsten Ländern von heute (siehe Karte). Die Vergangenheit war eine sehr andere Welt. ↩︎
- Wie in dieser Darstellung vermerkt, handelt es sich hier um eine aktualisierte Version einer Visualisierung von Oliver Uberti aus dem Jahr 2013, zu finden auf seiner Website. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Blick in Ubertis Bücher, die er gemeinsam mit James Cheshire verfasst hat; wunderbare Bücher über Datenvisualisierung. ↩︎
- Die zitierten Zahlen stammen aus der demografischen Projektion der UN, die im Jahr 2019 für das Jahr 2022 veröffentlicht wurde (siehe hier). Angesichts der laufenden COVID-Pandemie fällt die Zahl der Todesfälle wahrscheinlich höher aus als erwartet. Die „überzähligen Todesfälle“ während der Pandemie können hier verfolgt werden. Im Jahr 2021 lag die Zahl der überzähligen Todesfälle möglicherweise im Bereich von 10 Millionen. Sollte dies auch in den kommenden Jahren der Fall sein, müsste die Grafik 7 statt 6 Körner anzeigen, die durch die Sanduhr laufen. ↩︎
- Alle Quellenangaben und Berechnungen sind im Anhang zu finden. ↩︎
- Um diesen Beitrag nicht mit Fußnoten zu überfrachten, habe ich alle meine Quellen und Berechnungen in einem langen Anhang unterhalb dieses Beitrags gesammelt. ↩︎
- 1 Milliarde ist ein Elftel von 11 Milliarden. Und 9,1 Billionen ist ein Elftel von 100 Billionen. ↩︎
- Alle Quellenangaben und Berechnungen sind im Anhang zu finden. ↩︎
- Alle Quellenangaben und Berechnungen sind im Anhang zu finden. ↩︎
- Berechnungen:
Das Verhältnis zwischen 625 Billiarden und der derzeitigen Weltbevölkerung beträgt 78,6 Millionen zu eins.
[625.000.000.000.000.000 / 7.953.952.577 = 78.577.285]
78.577.285 Meter sind 78.577 Kilometer
Wenn man den Strand 17 Meter breit macht, ist er 4.622 km lang (78.577/17).
Das sind 2872 Meilen. ↩︎ - Eine Einführung in den Longtermism bietet Benjamin Todd (2017) - Why our impact in millions of years could be what most matters. ↩︎
- Existenzielle Risiken sind solche, die zum Aussterben der Menschheit führen oder das Potenzial der Menschheit dauerhaft einschränken können, sodass Überlebenden keine ausreichenden Mittel zur Regeneration zur Verfügung stünden.
Katastrophale Risiken sind insofern ähnlich, dass es sich auch hier um große globale Risiken handelt, die Milliarden von Menschen töten könnten, jedoch besteht hier die Möglichkeit der späteren Regeneration.
Siehe zum Beispiel: Future of Life Institute Existential Risks. ↩︎ - KI-Technologie könnte die Macht haben, unsere Welt zum Negativen zu verändern, entweder ungewollt oder absichtlich, als Waffe. Zu den Risiken — und Chancen — der künstlichen Intelligenz empfehle ich das Buch von Brian Christian The Alignment Problem - Machine Learning and Human Values.
Zu Pandemien —- und globalen katastrophalen biologischen Risiken im weiteren Sinne —- empfehle ich den relativ kurzen Online-Text Globale Katastrophale Biologische Gefahren (deutsche Übersetzung), den Gregory Lewis für 80,000 Hours geschrieben hat. In derselben Publikation finden Sie auch eine Diskussion über die Risiken des extremen Klimawandels: Climate change (extreme risks), verfasst von Roman Duda und Arden Koehler. [A.d.Ü.: Hier möchten wir zudem den ins Deutsche übersetzten Text Ist der Klimawandel das größte Problem der Welt? Und was können wir gegen ihn tun? nennen, den die Forschenden der gemeinnützigen Organisation Giving What We Can verfasst haben]
Ich halte die vier von mir aufgeführten Risiken — Atomwaffen, Klimawandel und insbesondere Pandemien und Künstliche Intelligenz — für die gefährlichsten bekannten Risiken, aber leider sind sie nicht die einzigen. Es gibt noch viele weitere, die zu großen Katastrophen führen können. Für eine umfassende Diskussion über existenzielle Risiken empfehle ich das Buch The Precipice von Toby Ord. ↩︎ - Siehe die Verweise in der Fußnote 12. ↩︎
- "Isaac Asimov (1979) — A Choice of Catastrophes: The Disasters that Threaten Our World. ↩︎
