Dieser Artikel wurde am 26. September 2023 von Max Roser im englischen Original auf Our World in Data veröffentlicht und im gleichen Jahr ins Deutsche übersetzt.

Das Ausmaß des menschlichen Fleischkonsums ist enorm. 360 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr. In Deutschland allein wurden im Jahr 2022 51,2 Mio Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde geschlachtet, sowie 701,4 Mio Höhner, Puten und Enten.1

Diese Zahl ist so groß, dass es mir unmöglich ist, sie zu begreifen. Um diese Zahlen besser zu verstehen, hilft es mir, sie vom Gewicht des Fleisches auf die Anzahl der Tiere und von deren jährlicher Gesamtzahl auf die tägliche Anzahl umzurechnen. Das habe ich in der untenstehenden Grafik getan. Sie zeigt, wie viele Tiere an einem durchschnittlichen Tag geschlachtet werden.

Etwa 900.000 Kühe werden jeden Tag geschlachtet. Wenn wir von zwei Metern Kuhlänge ausgehen und uns vorstellen, dass sie alle direkt hintereinander liefen, dann ergibt sich eine Reihe von Kühen, die sich über 1800 Kilometer erstreckt.2 Dies entspricht der Anzahl der Kühe, die jeden Tag geschlachtet werden.

Für Hühner liegt die Zahl wahnsinnig hoch: bei 202 Millionen Hühnern pro Tag. Um das Ausmaß wirklich zu verstehen, ist es einfacher, es auf die durchschnittliche Minute herunterzubrechen: 140.000 Hühner werden jede Minute geschlachtet.

Die Zahl der täglich getöteten Fische ist sehr ungewiss. Darauf gehe ich am Ende dieses Artikels näher ein. Aber auch wenn die Unsicherheiten groß sind, so ist doch klar, dass die Zahl der getöteten Fische groß ist: Ich kann mit Sicherheit sagen, dass jeden Tag Hunderte Millionen von Fischen getötet werden.

Wenn du glaubst, dass Tiere zu Schlachten Leid verursacht und du tierischem Leid auch nur ein kleines Maß an ethischer Bedeutung beimisst, dann ist das moralische Ausmaß dieser Realität immens.

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Die Daten, auf denen diese Darstellung basiert, kannst du in diesem interaktiven Diagramm über die jährliche Anzahl der für Fleisch geschlachteten Tiere näher untersuchen. Das interaktive Diagramm ermöglicht es dir auch, diese Daten für Länder auf der ganzen Welt und im Zeitverlauf zu untersuchen.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese Zahlen nur die Anzahl der für Fleisch geschlachteten Tiere angeben. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Zahl der männlichen Küken, die in der Eierindustrie getötet werden, in diesen Zahlen nicht enthalten ist.3

Alle Daten stammen von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Dies sind zwar die besten und umfassendsten verfügbaren Daten, aber sie sind bei weitem nicht perfekt und die Unsicherheiten bei den Schätzungen sind erheblich. Eine Erörterung (aus dem Jahr 2019) einiger Probleme bei der Zählung von Tieren in den UN-Daten findet sich in diesem Artikel von Saulius Šimčikas bei Rethink Priorities: Accuracy issues in FAO animal numbers.

Aus der Perspektive des Tierleids sind die absoluten Zahlen der Tiere von Bedeutung, aber wenn du die pro Kopf Daten untersuchen willst, kannst du das in Our World in Data’s Animal Welfare Explorer tun.

Es geht nicht nur darum, wie viele Nutztiere getötet werden, sondern auch um das Leiden, das sie während ihrer Aufzucht ertragen mussten. Weltweit werden die  meisten Nutztiere unter erbärmlichen Bedingungen aufgezogen. Schweine werden unter beengten, stressigen Bedingungen gehalten und führen ein Leben in chronischem Schmerz und Elend. Kühen werden ihre Kälber weggenommen, um Milch für den menschlichen Verzehr zu produzieren, eine Praxis, unter der sowohl die Mutter als auch das Kalb leiden. Viele Tiere werden ohne Betäubung kastriert. Hühnern wird oft der Schnabel amputiert, um sie daran zu hindern, aus lauter Unbehagen und Schmerz untereinander zu kämpfen; viele können sich ihr ganzes Leben lang nicht umdrehen.

Was nutzt eine Reduzierung unseres Fleischkonsums?

Die Fleischproduktion hat eine Reihe starker negativer Auswirkungen auf die Umwelt4, die Tierwelt und unsere Gesundheit.

Umgekehrt bedeutet dies, dass die Vorteile einer Reduzierung des Fleischkonsums sehr groß sind. Was wären einige dieser Vorteile?

Weniger Flächennutzung für die Landwirtschaft und mehr Biodiversität: Der Gebrauch gewaltiger Flächen für landwirtschaftliche Zwecke ist die Hauptursache für den Verlust biologischer Vielfalt.5 Heute wird fast die Hälfte der eis- und wüstenfreien Flächen unseres Planeten landwirtschaftlich genutzt, und der größte Teil davon wird für die Viehzucht verwendet. Die gesamte Landnutzung für die Fleisch- und Milchproduktion beläuft sich auf 37 Millionen Quadratkilometer, ein Gebiet so groß wie ganz Amerika — von Alaska im Norden bis zum Kap Hoorn im Süden.6

Wie meine Kollegin Hannah Ritchie gezeigt hat, könnten wir die landwirtschaftliche Nutzfläche von 4 auf 1 Milliarde Hektar reduzieren, würden wir auf Fleischkonsum verzichten. Eine Umstellung auf weniger Fleischkonsum hätte außerdem große Vorteile für Wildtiere auf der ganzen Welt, da die Wildnis wieder wachsen könnte, um Lebensräume zu schaffen.7

Vorteile für das Klima: Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde auch zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen: Sie würde die direkten Emissionen durch rülpsende Kühe und Distickstoffmonoxide aus Gülle verringern, aber auch die Emissionen durch Rodungen und veränderte Landnutzung.

Weniger Antibiotikaresistenzen: Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde zudem den Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht verringern, eine Praxis, die zur Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien beiträgt. Dieser Rückgang könnte die Wirksamkeit der vorhandenen Antibiotika erhalten und damit die Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt verbessern.

Geringere Pandemierisiken: Viele Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung bei anderen Tieren. Die eng zusammengepferchten Bedingungen vieler Massentierhaltungen schaffen ein ideales Umfeld für die Mutation und Verbreitung von Krankheitserregern. Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde die Risiken der Verbreitung sogenannter Zoonosekrankheiten und einer weiteren Pandemie verringern.

Weniger Tierleid: Um auf den Ausgangspunkt dieses kurzen Textes zurückzukommen: Weniger Fleischkonsum würde weniger Tierleid bedeuten.
Ich denke, dass diese Zukunft möglich ist. Ich kann mir eine Zukunft vorstellen, in der unsere Enkelkinder auf unsere Zeit zurückblicken und es kaum glauben können, dass wir heute in einer Welt leben, in der wir jeden Tag Hunderte Millionen Fische, 900.000 Kühe, 1,4 Millionen Ziegen, 1,7 Millionen Schafe, 3,8 Millionen Schweine, 11,8 Millionen Enten und mehr als 200 Millionen Hühner töten.

Wie sieht es mit Fischen aus?

Die Visualisierung in dem obigen Artikel enthält Schätzungen für die Anzahl von täglich getöteten Landtieren. Dass die Schätzung für Fische weniger sicher ist als für andere Tiere, liegt an der schlechteren Datenlage. Die meisten Daten, einschließlich die der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, beziehen sich auf das Gesamtgewicht der getöteten Wassertiere, und Schätzungen zur Anzahl getöteter Fische sind viel unsicherer als bei Landtieren. 

Nach UN-Angaben beläuft sich das für den menschlichen Verzehr aufgewendete Gewicht von Fisch auf 157 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Gesamtproduktion (einschließlich der Nichtnahrungszwecke wie Fischmehl und Fischöl) wird auf 177,8 Millionen Tonnen Fisch geschätzt.

Diese Zahlen umfassen Tiere aus Wildfang sowie Aquakulturen und beziehen sich auf Schätzungen für das Jahr 20208 (im obigen Abschnitt werden Daten für das Jahr 2021 erörtert, aber für dieses Jahr liegen noch keine Daten zur Fischproduktion vor). Dies umfasst alle Wassertiere mit Ausnahme von Wassersäugetieren, Krokodilen, Alligatoren und Kaimanen.

Andere Organisationen versuchen, die Zahl der einzelnen Tiere zu schätzen, zumindest die Zahl der Zuchtfische. Die veröffentlichten Schätzungen für die Zahl der Zuchtfische sind mit sehr großen Unsicherheiten behaftet, zeigen aber die grobe Größenordnung:

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Wenn man nur Zuchtfische berücksichtigt und sich auf den vom Sentience Institute veröffentlichten mittleren Schätzwert stützt, würde die Zahl der an einem durchschnittlichen Tag getöteten Fische 211 Millionen betragen. (77.000.000.000/365 = 210.958.904 Millionen) Das würde bedeuten, dass die Zahl der getöteten Zuchtfische der Zahl der getöteten Hühner ähnelt. Wenn jedoch die Schätzung von Mood et al. korrekt ist, dann ist die tägliche Todeszahl fast doppelt so hoch. 

Es ist wichtig zu betonen, dass sich diese Schätzungen nur auf die Zahl der Zuchtfische beziehen; wilde Wassertiere, die für den menschlichen Verzehr gefangen und getötet werden, sind darin nicht enthalten. Anhand der verfügbaren UN-Daten über das Gesamtgewicht von Fischen aus Aquakulturen und Wildfängen können wir jedoch einen Eindruck von der Größenordnung der Gesamtzahl der getöteten Fische gewinnen. Diese Tabelle zeigt das Gesamtvolumen an Fischen aus Aquakulturen im Vergleich zu dem Gesamtvolumen des jährlichen Wildfangs. Im Jahr 2020 belief sich das Gewicht von Fisch aus Aquakulturen auf 122,6 Millionen Tonnen und das Gewicht von Fisch aus Wildfängen auf 91 Millionen Tonnen.

Insgesamt scheint es unbestreitbar, dass jeden Tag mindestens Hunderte Millionen Fische getötet werden, aber wie in diesem Artikel betont wird, ist die Unsicherheit sehr groß. Es wäre wichtig, herauszufinden, wie viele Tiere genau von Menschen getötet werden, um die Lücken in unserem statistischen Verständnis der Welt zu schließen.

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Erste Schritte

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Fußnoten

  1. Siehe Statistische Bundesamt
  2. Eine Körperlänge von 2 m ist eine konservative Schätzung. Das typische Holstein-Rind ist zwischen 2,35 m und 2,5 m lang.
    Die Entfernung zwischen Madrid und Amsterdam beträgt etwa 1800 Kilometer.
    Jährlich ergibt sich entsprechend eine Länge von mehr als dem 16-fachen des Erdumfangs (40.075 km): 365*1800km=657.000km und 657.000km/40.075 km=16,4
  3. Das Diagramm basiert auf den Daten für das Jahr 2021, die zum Zeitpunkt der Erstellung im Juli 2023 neuesten verfügbaren Daten.
    Die Berechnungen für die in der Grafik gezeigten Zahlen lauten wie folgt:
    Rinder: 331.950.000 Kühe pro Jahr
    → 331.950.000/365,25 = 908.830 pro Tag
    Ziegen: 500.870.000 pro Jahr
    → 500.870.000/365,25 = 1.371.307 pro Tag
    Schafe: 617.260.000 pro Jahr
    → 617.260.000/365,25 = 1.689.966 pro Tag
    Schweine: 1.400.000.000 pro Jahr
    → 1.400.000.000/365,25 = 3.832.991 pro Tag
    Enten: 4.310.000.000 pro Jahr
    → 4.310.000.000/365,25=11.800.137 pro Tag
    Hühner: 73.790.000.000 pro Jahr
    → 73.790.000.000/365,25 = 202.026.010 pro Tag
    → 202.026.010/(24*60) = 140.296 pro Minute
  4. Weitere Informationen zu Auswirkungen auf die Umwelt findest du in diesem OWID-Artikel (englisch).
  5. Our World in Data hat bereits mehrere Beiträge verfasst, in denen die Ausmaße und Belege für dieses Problem erörtert werden. Darunter:
    Humans destroyed forests for thousands of years – we can become the first generation that achieves a world in which forests expand
    Cutting down forests: what are the drivers of deforestation?
    Wild mammals have declined by 85% since the rise of humans, but there is a possible future where they flourish
    The world has lost one-third of its forest, but an end of deforestation is possible
    Half of the world’s habitable land is used for agriculture
  6. Weitere Informationen zur globalen Nutzung von Flächen findest du in diesem OWID-Artikel (englisch).
  7. Nicht nur Landtiere würden davon profitieren: Die Viehzucht ist auch eine signifikante Quelle für Phosphor- und Stickstoffausflüsse durch die Verwendung von Tierdung als Düngemittel. Weniger dieser Nährstoffausflüsse würden zu weniger schädlichen Algenblüten in den Gewässern führen, wodurch die Wasserqualität verbessert und die Artenvielfalt im Wasser erhalten würde.
  8. Diese Schätzungen finden sich im Report der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN  (2022) - The State of World Fisheries and Aquaculture 2022. Towards Blue Transformation. Rom, FAO. https://doi.org/10.4060/cc0461en.