Porträt: Antonia Briel
Antonia Briel
Talos Network
Mai 2026
Eine zufällige Begegnung mit EA
Bevor ich überhaupt wusste, was Effektiver Altruismus (EA) ist, bin ich 2016 auf der EAGx Konferenz in Berlin gelandet. Damals ernährte ich mich schon einige Jahre vegan und setzte mich auf Demos für Tierrechte ein. Die EAGx besuchte ich, weil ich wusste, dass dort einige Tierwohlorganisationen vertreten sein würden. Auf der Konferenz entdeckte ich, dass EA viel mehr als Tierwohl umfasste und ich war fasziniert davon, dass es eine ganze soziale Bewegung gibt, die sich mit der Frage, wie man am besten Gutes bewirken kann, auseinandersetzt. Vorher war ich gar nicht so philosophisch unterwegs und fand es deshalb umso spannender, konkreten Argumenten zu begegnen, die meine Intuition bestärken und schärfen konnten.
Die Rolle von EA in meiner Karriereplanung
Irgendwie war für mich schon immer klar, dass ich sowohl meine Lohnarbeit als auch Teile meiner Freizeit so organisiere, dass daraus ein gesellschaftlicher Wert entsteht, Probleme gelöst oder die Welt idealerweise in irgendeiner Form besser wird. Bei der schwierigen Frage, wie genau das aussehen sollte, haben mir EA-Denkweisen, Karriereberatung und Gespräche mit Menschen aus der Community maßgeblich weitergeholfen.
Ich soll spenden?
Durch die Community erfuhr ich unter anderem auch von Giving What We Can. Vorher hatte ich über Spenden gar nicht richtig nachgedacht, aber vor mittlerweile fünf Jahren habe ich den 10 %-Pledge abgelegt. Spätestens nachdem ich mein Einkommen in das globale Einkommensspektrum eingeordnet gesehen habe, war mir klar, dass es für mich richtig ist, einen Teil dieses Einkommens zu spenden. Seitdem ist das jährliche Spenden für mich ein schönes Ritual geworden und ich bin sehr dankbar, dass ich durch EA Organisationen wie Effektiv Spenden kennengelernt habe, denen ich damit vertraue, den maximalen Nutzen aus meinen Spenden zu generieren.
Talentförderung in der europäischen KI-Regulierung
Während ich meine Spenden weiterhin dafür einsetze, Tierleid zu verringern, arbeite ich im Moment in einer anderen Cause Area. Das Talos Network ist eine Organisation für Bildungsarbeit im Bereich KI-Governance und -Regulierung mit Fokus auf Europa. Hier führe ich mit meinen Kolleg:innen ein Fellowship-Programm durch, um talentierte und motivierte Menschen in ihrem Karriereweg in diesem Feld zu unterstützen. Die Programme, die z. B. ein Placement in einem AI-Governance-Think-Tank in Brüssel beinhalten können, helfen auch dabei, Talentlücken im sich schnell wandelnden und wachsenden AI-Governance-Bereich zu schließen. Somit fördern wir ein Ökosystem, das bestmöglich in der Lage ist, Risiken von fortgeschrittener KI zu mindern. Diese Arbeit erscheint mir besonders wichtig, weil die KI-Technologie mit sehr großen Risiken einhergeht – zum Beispiel mit Machtkonzentration oder schleichender Entmachtung der Menschen. Um diese Risiken zu verringern, braucht es großes Talent in den richtigen Positionen. Der Fokus auf Europa ist im Bereich der AI Governance bisher noch eine Nische. Gerade deshalb finde ich unsere Arbeit wertvoll: Ich bin überzeugt, dass eine gute europäische Strategie zu einem stabileren globalen System beitragen kann.
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