Carolin Basilowski

Talos Network

Juli 2025

Durch Zufälle zum Effektiven Altruismus

Mein Weg zum Effektiven Altruismus (EA) hat mit einigen Zufällen begonnen. Beim Backpacking in Panama fiel mir das Tattoo eines Mitreisenden auf, das auf das Fermi-Paradox verwies. Ich sprach ihn darauf an, und er empfahl mir den Blog Wait But Why. Ein halbes Jahr später erschien dort ein sehr ausführlicher Artikel zum Thema Berufsfindung veröffentlicht, an dessen Ende die 80.000 Hours Seite verlinkt wurde. Durch ein paar weitere Klicks habe ich so erfahren, dass es zwei Wochen später eine EA-Konferenz in Utrecht geben sollte. 

Von der Konferenzteilnahme zum aktiven Community Building

So bin ich (ohne wirklich etwas über EA zu wissen) im Sommer 2018 spontan in die Niederlande gefahren, um mehr über diese, in meinen Augen sehr interessante, Community zu erfahren. Auf der Konferenz  war ich total begeistert von der epistemischen Klarheit und dem Altruismus, den die Community verkörpert – von da an war ich begeistert dabei. Durch die Konferenz habe ich nicht nur zur EA-Community gefunden, es haben sich für mich auch einige Überzeugungen durch die Gespräche, den Austausch und das Lesen vieler Artikel verändert: Vorher war ich noch fest davon überzeugt, dass Geld spenden wegen Korruption und Verwaltungskosten keinen wirklich positiven Effekt haben kann. Heute spende ich an Projekte in den Bereichen Globaler und Mentaler Gesundheit, in der Vergangenheit meistens an die Against Malaria Foundation, GiveDirectly und StrongMinds. Außerdem habe ich nach der Konferenz in Utrecht eine EA-Lokalgruppe in Mannheim gegründet.

Nur „Excited Altruism” funktioniert langfristig

Nach meinem anfänglichen Enthusiasmus wurde ich zwei Jahre später allerdings zunehmend desillusioniert. Ich spürte einen konstanten Druck, mich ständig zu optimieren, um möglichst viel positiven Einfluss auf die Welt haben zu können. Das tat mir nicht gut, weswegen ich für ein Jahr eine „EA-Pause“ einlegte: Kein Lesen von EA-Blogs oder dem EA-Forum, kein Hören von EA Podcasts und kein Besuch von EA-Konferenzen. Diese Phase war für mich sehr wichtig. Danach fing ich an, mich Schritt für Schritt damit zu beschäftigen, inwiefern ich EA-Ideen in mein Leben integrieren möchte. Besonders hilfreich war für mich die Einsicht, dass nur ein „Excited Altruism“-Mindset langfristig für mich tragfähig ist und dass mir die Idee eines „Obligatory Altruism“ nicht guttut. Auch die Gedanken von Julia Wise zu diesem Thema haben mich stark beeinflusst und mir geholfen, mich der EA-Community wieder anzunähern. 

Der Blick über den EA-Tellerrand

Heute sehe ich den Effektiven Altruismus sehr viel differenzierter: Es ist eine beeindruckende Bewegung von Menschen mit bemerkenswerter moralischer Ambition, epistemischer Klarheit und dem starken Willen, etwas zu bewirken. Gleichzeitig gibt es aber auch Aspekte, die berechtigter Kritik bedürfen. Ich bin viel besser darin geworden, die blinden Flecken von EA zu erkennen und mir Anregungen aus anderen Bewegungen zu holen. Viele EA-Ideen sind weiterhin zentral in meinem Leben – doch um einer geistigen Monokultur vorzubeugen, schaue ich bewusst häufiger über den EA-Tellerrand. Denn EA hat viel zu bieten, ist aber eben nicht der heilige Gral.

Europäische Vernetzung für KI-Sicherheit

Momentan arbeite ich im Feld der KI-Sicherheit. Als Network Strategy Lead beim Talos Network co-organisiere ich dort ein EU AI Policy Fellowship. Ich bin überzeugt, dass unsere Gesellschaft dringend mehr tun muss, um sich auf die drastischen Veränderungen durch Künstliche Intelligenz einzustellen und die damit einhergehenden Risiken zu minimieren. Dabei ist es mir wichtig, den Risiko-Fokus möglichst offen zu halten, denn ob am Ende graduelle Entmündigung (disempowerment), Kontrollverlust oder noch unbekannte Bedrohungsmodelle das größte Problem darstellen werden, wissen wir momentan einfach noch nicht. Deshalb fokussiert sich meine Arbeit darauf, neue Talente in den Bereich AI Policy zu bringen und ein wertvolles Europa-zentriertes AI Policy Netzwerk zu schaffen, durch welches individueller Einfluss eine Hebelwirkung erhält.

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