Pia Voltz

Volt und AltProtein.jobs

Juli 2026

Effektiver Altruismus in Berlin und Dresden

Mein ursprünglicher Weg zum Effektiven Altruismus (EA) war ziemlich unspektakulär. 2016 – ich war gerade in einer lokalen Gruppe der Albert Schweitzer Stiftung aktiv – hat mir ein anderer Teilnehmer der Gruppe von einem interessanten Vortrag erzählt, der mir auch gefallen könnte. So habe ich damals Personen von Effektiver Altruismus in Berlin kennengelernt. Hier stellte ich ganz plötzlich fest, dass es da eine Strömung an Menschen gibt, die eine sehr ähnliche Auffassung haben wie ich. Ich traf auf einen Mix aus ähnlichen Gedankengängen und neuem Input. Das hat mich so sehr begeistert, dass ich direkt voll eingetaucht bin. Ein Jahr später habe ich die lokale Dresdner Gruppe des EA gegründet und zwei Jahre lang geleitet.

Gutes tun muss kein Hobby sein

Den größten Einfluss, den EA auf mein Leben hatte, war die Klarheit, dass man auch über seinen Beruf einen positiven Einfluss haben kann. Bis dahin dachte ich immer: Ich arbeite, verdiene Geld und für die Dinge, die mir wirklich wichtig sind, muss ich mich in meiner Freizeit einsetzen. Aber natürlich hatte ich in meiner Freizeit auch noch andere Dinge zu tun. Dadurch hatte ich oft ein schlechtes Gewissen oder das Gefühl, nicht genug zu tun.

Diversifikation als Karrierestrategie

Bis ich meine Karriere auf EA-Themen ausgerichtet habe, hat es dann trotzdem noch einige Jahre gedauert. Im Endeffekt habe ich meine Elternzeit für diesen Karriereübergang genutzt. Zunächst habe ich mich dabei breit aufgestellt – eine Strategie, die ich sehr empfehlen kann. Dass am Ende vieles von dem, was ich mir vorgenommen habe, auch aufgegangen ist, dazu hat natürlich auch ein Quäntchen Glück gehört. Ich habe einen Verein gegründet, ein politisches Mandat übernommen, 2020 das Charity Entrepreneurship Incubation Program durchlaufen und schließlich sogar ein eigenes Start-up gegründet.

Alternative Proteine zur Reduktion von Tierleid

Bei AltProtein.jobs empowern wir Menschen, zum Wandel des Ernährungssystems beizutragen, vor allem indem sie ihre Karriere dahingehend ausrichten. Dabei gehen wir davon aus, dass alternative Proteine ein großer Hebel sind, um Massentierhaltung deutlich zu reduzieren. In den letzten zwei Jahren haben wir so geholfen, weltweit über 300 Stellen zu besetzen.

Opportunitätskosten

Seit ich meine Karriere umgestellt und diversifiziert habe, habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, nicht genug Gutes zu tun. Aber diese Entscheidungen gehen natürlich mit ihren eigenen Konsequenzen einher. Um ehrlich zu sein, kämpfe ich teilweise immer noch damit, dass ich für diesen Weg auf andere Dinge verzichte. Zum Beispiel auf ein wesentlich attraktiveres Gehalt. Das ist auch der Grund, warum ich nicht zusätzlich spende. Ich denke, dass ich indirekt jedes Jahr Zehntausende Euro spende, dadurch, dass ich mich bewusst dafür entschieden habe, Impact-Gründerin zu werden und nicht am freien Markt zu verdienen.

Meine Kritik an der EA Community

Auch wenn ich weiter glaube, dass EA gute Ansätze hat, um Gutes zu bewirken und zu priorisieren, gab es im Laufe der Jahre auch immer mal wieder Situationen, in denen ich enttäuscht war. Die EA Community hat den Wunsch und das Selbstbild rationaler als andere Ansätze zu sein. Trotzdem werden innerhalb der Community immer noch sehr viele Biases und systemische Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaften repliziert. Zum Beispiel besteht die EA-Community zu etwa 75% aus weißen Menschen und zu fast 70% aus Männern (EA Survey 2024), was sich in abgeschwächter Form auch in Governance-Strukturen fortsetzt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass bei Zugang zu Funding und begehrten Rollen persönliche Kontakte und Anwesenheit auf Konferenzen immer noch eine große Rolle spielen. Mehr im EA-Sinne wäre es eigentlich, wenn alleine die Arbeit und die Ergebnisse zählen würden.

Meine Kandidatur für VOLT

In meinen Jahren als Gründerin habe ich Politik eher „nebenbei“ gemacht. Aktuell hat sich dieser Fokus gedreht und ich bin mitten im Wahlkampf, da ich für das Landesparlament in Berlin kandidiere. Dass ich bei AltProtein.jobs nur noch im Hintergrund involviert bin, habe ich einem super engagierten und motivierten Team zu verdanken, das mir vieles abnimmt. Im Vergleich zum Unternehmertum ist die Politik ein langfristigeres Engagement, in dem man die Ergebnisse des eigenen Handelns nicht immer so geradlinig sehen kann. Dafür ist der potenzielle Impact aber sehr groß. In meinen politischen Bestrebungen fokussiere ich mich auf Berlin, hier habe ich z.B. Anträge zu Fassaden- und Dachbegrünung gestellt und mich mit dem Thema KI-Sicherheit in der Verwaltung befasst.

Sowohl bei AltProtein.jobs als auch bei meinen politischen Vorhaben bin ich immer offen für talentierte Freiwillige und Kollaborationen. Meldet euch gerne bei mir.

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