Porträt: Thomas Moispointner
Thomas Moispointner
Effektiv Spenden
August 2025
Marx als Karriereberater?
„Diese Wahl ernst zu erwägen, ist also gewiß die erste Pflicht des Jünglings, der seine Laufbahn beginnt, der nicht dem Zufall seine wichtigsten Angelegenheiten überlassen will.(…) Die Hauptlenkerin aber, die uns bei der [Berufswahl] leiten muß, ist das Wohl der Menschheit (…) [D]ie Natur des Menschen ist so eingerichtet, daß er seine Vervollkommnung nur erreichen kann, wenn er für die Vollendung, für das Wohl seiner Mitwelt wirkt.“
Kein Scherz – mit diesem kuriosen Zitat des 17-jährigen Schülers Karl Marx fing alles an. Im Herbst 2016 las ich es im Vorlesungsverzeichnis meiner Uni in der Beschreibung des Projekttutoriums „Berufswahlethik“ – organisiert von der Berliner Lokalgruppe für Effektiven Altruismus.
Weltverbesserung statt Begriffsanalyse
Bei der ersten Sitzung saßen wir zu dritt. Ich war die einzige Person, die neben den beiden Tutoren gekommen war. Ich bekam eine 2:1-Einführung in die Ideenwelt von 80,000 Hours und war schwer beeindruckt.
Es war gutes Timing. Ich war gerade unzufrieden mit meinem Philosophiestudium (analytische Philosophie übrigens – ich war sozusagen trotz Marx gekommen) und auf der Suche nach Alternativen zu einer akademischen Laufbahn.
Die Welt aktiv zu einem besseren Ort machen, statt sie „nur“ – und in meinem Fall mit mäßigem Erfolg – philosophisch besser zu verstehen, schien mir plötzlich als das deutlich sinnvollere Projekt.
Sprung ins Berufsleben
Über Engagement in der Berliner EA-Lokalgruppe und auch im Tierrechts-Aktivismus wurde Effektiver Altruismus immer mehr Teil von meinem Leben.
2018 wurde es dann auch beruflich ernst: Im Kontext des „Operations Bottleneck“-Narrativs von 80,000 Hours bekam ich durch glücklichen Zufall einen Werkstudentenjob bei der Stiftung für Effektiven Altruismus (heute Center on Long-Term Risk). Ich wollte meinen „Fit“ testen und bin heute – fast sieben Jahre später – immer noch dabei: in einer generalistischen Rolle in einer kleinen EA-Organisation.
Donor Relations? Häh?
Nach der Relocation der Stiftung nach London bin ich zu Effektiv Spenden gewechselt. Hier arbeiten wir daran, evidenzbasiertes und wirkungsorientiertes Spenden im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen und voranzubringen. Als erster Vollzeitmitarbeiter neben dem Gründer Basti Schwiecker war ich über die Jahre für viele unterschiedliche Bereiche verantwortlich. Die Organisation ist mittlerweile stark gewachsen – im Spendenvolumen, im Team und in ihrer Professionalität – und ich mit ihr. Heute bin ich als Director of Donor Relations z.B. für viele Kommunikations-Themen zuständig und betreue zudem unsere Expansion nach Österreich, wo ich aufgewachsen bin.
Zwischen E-Mail-Entwürfen, Spreadsheets und dem Versuch, halbwegs verständlich zu erklären, was „Donor Relations“ eigentlich ist, vergesse ich im Arbeitsalltag oft, dass meine Arbeit ziemlich viel Gutes bewirkt. Mein 17-jähriges Selbst hat sich das alles anders vorgestellt. Aber wenn ich mir ab und zu vergegenwärtige, was mich dazu antreibt (neben Geltungsdrang, Eitelkeit und Co.), bin ich dankbar – und auch ein bisschen stolz auf das, was ich bisher beruflich gemacht habe.
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