Porträt: Yasmin Cürük
Yasmin Cürük
Studentin Public Health & Hilfskraft am RKI
Januar 2026
3D-Animation und Sinnsuche
Als ich anfing zu studieren, hatte ich vor, eine Karriere in 3D-Animation und VFX (Visual Effects) zu verfolgen. Damals wusste ich noch nicht, dass das für mich nur die erste von mehreren Studienrichtungen sein würde. 3D-Animation und VFX studierte ich bis kurz vor dem Bachelorabschluss, es fehlte nur noch etwa ein Semester. Doch mir kam zunehmend die Erkenntnis, dass mir in diesem Berufsweg etwas Wesentliches fehlte. Obwohl ich Spaß an der Arbeit hatte, vermisste ich einen größeren Sinn hinter dem, was ich tat. Diese Einsicht führte dazu, dass ich meinen Studiengang wechselte, obwohl ich so kurz vor dem Abschluss stand. Bei meiner Suche nach einem Weg, der mir später eine stärker sinnstiftende Karriere ermöglichen würde, bin ich auf den Effektiven Altruismus (EA) gestoßen – zunächst durch 80,000 Hours (das bei meinen Google-Suchen immer wieder auftauchte) und einen TED-Talk von Peter Singer zum effektiven Spenden.
Neuorientierung im Studium
Anfangs beschäftigte ich mich nur theoretisch mit EA, durch Artikel, EA Forum-Beiträge und den 80,000 Hours-Podcast. Das brachte mich zu der Entscheidung, VWL zu studieren. Zu diesem Zeitpunkt erschien mir insbesondere die ungerechte Verteilung von Vermögen weltweit als etwas, dem ich mich mit meiner Karriere widmen wollte. Global Health and Development sowie globale Vermögensungleichheit waren meine Hauptanliegen.
Austausch in der EA-Community
Meine Beziehung zu EA änderte sich, als ich das letzte Studienjahr meines VWL-Studiums an der University of Hong Kong verbrachte, wo es eine sehr engagierte EA-Community gab. Dort beschäftigte ich mich nicht mehr alleine mit EA-Ideen, sondern konnte mich zum ersten Mal austauschen und Menschen mit ähnlichen Zielen kennenlernen – das war sehr prägend für mich. So erfuhr ich auch von einem Workshop zu existentiellen Risiken in Oxford. Dieser Workshop veränderte dann meine Ausrichtung grundlegend: Durch viele intensive Gespräche mit Community-Mitgliedern hat er mich überzeugt, meinen Fokus auf Biosecurity zu legen.
Und jetzt werde ich dieses Jahr einen Master in Public Health mit Schwerpunkt Epidemiologie an der Charité in Berlin abschließen. Was EA-Veranstaltungen angeht, war Oxford nur der Startschuss; seitdem habe ich an vielen EA-Konferenzen teilgenommen und so die Community gut kennengelernt. Diese Unterstützung hat mir auch in den Umstellungen im Studium Halt gegeben, die nicht immer einfach waren.
Schnittstelle zwischen Global Health und Biosecurity
Aktuell liegt mein Hauptfokus auf Biosecurity und Global Health. Derzeit arbeite ich als studentische Hilfskraft am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin, genauer gesagt am WHO Collaborating Centre for Antimicrobial Resistance. Dort kann ich direkt an der Schnittstelle von Global Health und Biosecurity arbeiten.
Antimikrobielle Resistenzen (AMR) halte ich für eines der am stärksten unterschätzten Risiken unserer Zeit. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass AMR bereits heute jährlich über eine Million Todesfälle verursacht, mit steigender Tendenz. AMR hat das Potenzial, nicht nur ein massives globales Gesundheitsproblem zu sein, sondern auch ein existenzielles Biosecurity-Risiko. Eine Welt, in der Antibiotika nicht mehr wirken, wäre fundamental anfälliger für natürliche und anthropogene biologische Bedrohungen. Außerdem betrifft AMR besonders stark Länder und Haushalte mit niedrigem Einkommen. Trotz dieser enormen Tragweite sehe ich AMR in der EA-Community als stark vernachlässigt an. Die Schnittstelle zwischen AMR, Pandemie-Prävention und Biosecurity bietet enorme Möglichkeiten für wirkungsvolle Interventionen, besonders im Bereich infection prevention and control (IPC).
Mein Newsletter zu Biosecurity und KI
Zusätzlich zu meinem Studium und meiner Tätigkeit am RKI, schreibe ich zusammen mit Pierce Manglangit einen Newsletter zu Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz und Biosecurity. Auch hier versuchen wir, das Silo-Denken einzelner Cause Areas zu reduzieren. Aufgrund der erheblichen Risiken und Potenziale dieser Schnittstelle halten wir es für extrem wichtig, dass die Community auf dem aktuellen Stand bleibt. Vor allem, da die Entwicklung von Technologien exponentiell verläuft, während unsere Governance-Strukturen und Sicherheitsmechanismen linear hinterherhinken.
Spenden aus Überzeugung
Neben meinem professionellen Fokus spende ich 10 % meines Einkommens über Effektiv Spenden, hauptsächlich an GiveDirectly. Dahinter steht die gleiche Überzeugung, die mich ursprünglich zum VWL-Studium bewegt hat: Niemand hat sich ausgesucht, in welchem Land oder mit welchen Ressourcen er oder sie aufwächst. Als jemand mit enormen Privilegien sehe ich es als meine Verantwortung, diese zu teilen und anderen die Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen.
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