Inhaltsverzeichnis des Karriereratgebers

EINFÜHRUNG: Warum sollte ich diesen Ratgeber lesen?

KAPITEL 6 – In welchen Jobs kann man am meisten Gutes bewirken?
Ansatz 1: Verdienen, um zu spenden
Häufige Einwände gegen das Verdienen, um zu spenden
Ansatz 2: Ideen vermitteln
Ansatz 3: Forschung
Ansatz 4: Regierung und Politik
Ansatz 5: Organisationen aufbauen
Weitere Ideen für wirkungsvolle Karrieren
Welcher Ansatz ist der richtige für dich?
Fazit: Bei welchem Job kannst du am meisten bewirken?
Zusammenfassung unseres Ratgebers soweit

KAPITEL 7 – Welche Jobs verschaffen dir langfristig die besten Chancen?
Warum Karrierekapital so wichtig ist
Fünf Bestandteile von Karrierekapital
Welche Fähigkeiten werden in Zukunft am wertvollsten sein?
Konkrete Schritte zum Aufbau von Karrierekapital
Übertragbares und fachliches Karrierekapital
Solltest du warten, um mehr zu bewirken?
Fazit

Kapitel 8 – Wie du den richtigen Beruf für dich findest
Gut in deinem Job zu sein ist wichtiger als du denkst
Warum Introspektion, Bauchgefühl und Karrieretests nicht funktionieren
Was funktioniert laut Forschung tatsächlich?
Denke wissenschaftlich – Finde den richtigen Job.
Wie viel solltest du in deiner Berufslaufbahn ausprobieren?
Fazit

Teil11_Auftakt

Nicht viele Student:innen sind direkt nach dem Philosophiestudium in der Position, eine erfolgreiche, kosteneffiziente Hilfsorganisation zu gründen. Aber als Thomas 2018 eine Konferenz des „Effektiven Altruismus“ in London besuchte, entdeckte er dort die Chance zur Gründung einer gemeinnützigen Organisation, die einen großen Einfluss auf Tiere in Massentierhaltung haben könnte.

Über die Community erhielt er Beratung, Finanzierung und die Möglichkeit, an einem Trainingsprogramm teilzunehmen, das für die Förderung neugegründeter Nonprofits ausgelegt ist. Heute hat Thomas‘ Organisation, die Fish Welfare Initiative, das Leiden von rund einer Million Zuchtfischen verringert und verfügt über ein Jahresbudget von über einer halben Million Dollar.1

Hätte Thomas einfach eine Menge Leute auf LinkedIn hinzugefügt, wäre das wahrscheinlich nie passiert. Und das zeigt, was viele Leute beim Networking übersehen: den Wert, einer starken Community beizutreten. Wenn du die richtige Community findest, kannst du auf einen Schlag Hunderte potenzielle Verbündete gewinnen. Sich in der richtigen Community zu engagieren, kann eine der besten Möglichkeiten sein, Freund:innen zu finden, die eigene Karriere voranzutreiben und mehr zu bewirken. Viele der Leute, die wir beraten, halten es für einen der wichtigsten Schritte in ihrer Karriere und ihrem Leben, „die richtigen Leute zu finden.“ Hinzu kommt, dass eine Gruppe von Menschen in Zusammenarbeit mehr bewirken kann als jeder Einzelne für sich allein.

In diesem Kapitel erklären wir, wie dir der Beitritt zu einer Community helfen kann und wie du dich engagieren kannst.

Lesezeit: 12 Minuten

Warum der Beitritt zu einer Gemeinschaft so hilfreich ist

Es gibt viele tolle Communities auf der Welt. Wir freuen uns sehr, Teil der Unternehmer:innen-Community von Y Combinator gewesen zu sein — es hat uns ehrgeiziger und effektiver darin gemacht, ein Startup zu führen… hoffentlich. Wir hatten auch das Vergnügen, Teil der Philosophie-Szene in Oxford, der Young Global Shapers, des Weltwirtschaftsforums und vieler anderer Communities zu sein.

Der Beitritt zu einer guten, professionellen Community kann deiner Karriere jederzeit einen großen Schub geben. Das liegt zum Teil daran, dass du all die Vorteile von Kontakten nutzen kannst, die wir bereits erwähnt haben: Du findest Jobs, erhältst die aktuellsten Informationen und wirst motivierter. Aber es gibt noch mehr Vorteile. Nehmen wir an, ich möchte eine Software entwickeln und verkaufen. Eine Herangehensweise wäre, sich alle erforderlichen Fähigkeiten selbst anzueignen — Design, Technik, Marketing und so weiter. In einem Team von Leuten zu arbeiten, die alle Bereiche abdecken und sie dann gemeinsam zu entwickeln, ist ein viel besserer Ansatz. Obwohl ich die Gewinne mit den anderen teilen muss, gewinnen wir alle, da die Gewinne viel größer sein werden.

Einer der Faktoren, die hier am Werk sind, ist die Spezialisierung: Jede Person kann sich auf eine bestimmte Fähigkeit konzentrieren und darin wirklich gut werden, was mehr Effektivität ermöglicht. Ein weiterer Faktor ist, dass sich das Team die Fixkosten teilen kann — alle können dieselbe Unternehmensregistrierung nutzen, dieselben Betriebsabläufe und so weiter. Es ist auch nicht dreimal schwieriger, dreimal mehr Geld von Investoren zu bekommen. So kann das Team Größenvorteile erzielen. Alles in allem erhalten wir das, was man als „Handelsvorteile“ bezeichnet. Drei Menschen, die zusammenarbeiten, können mehr als dreimal so viel erreichen wie ein Einzelner, der allein arbeitet. So ist es auch, wenn man sich vornimmt, Gutes zu tun. Anstatt dass jeder versucht, alles zu tun, ist es effektiver, wenn Menschen sich spezialisieren und zusammenarbeiten.

Ein besonders guter Aspekt des Handels ist, dass du sogar mit Menschen zusammenarbeiten kannst, die nicht deine Ziele teilen. Nehmen wir an, du leitest eine Hilfsorganisation für Tierrechte und triffst jemanden, der das Gleiche im Bereich der globalen Gesundheit tut. Nehmen wir weiter an, du hältst globale Gesundheit nicht für ein dringendes Problem und die andere Person hält Tierrechte für kein dringendes Problem, so dass keiner von euch glaubt, dass die Organisation des anderen viel bewirkt. Aber vielleicht kennst du eine Spenderin, die potenziell seiner Nonprofit etwas spenden könnte, und der andere kennt einen Geldgeber, der vielleicht deiner etwas spenden könnte. Ihr könnt handeln: Wenn ihr euch gegenseitig helft, was nur geringe Kosten verursacht, findet ihr vielleicht beide neue Geldgeber, was von großem Nutzen ist.

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Das zeigt, wie wertvoll es sein kann, einer Community beizutreten, auch wenn die Menschen dort andere Ziele verfolgen als du selbst. Allerdings ist es wiederum viel besser, einer Community von Menschen beizutreten, die deine Ziele teilen. Vom Finden einer solchen Community handelt der nächste Abschnitt.

Finde die richtige Community für dich

Die Menschen, mit denen du am meisten Zeit verbringst, prägen, was du als normal betrachtest. Wenn du dich oft mit großzügigen Leuten umgibst, siehst du Großzügigkeit bald als Norm an.  Umgeben von Leuten, die oft die Wahrheit verdrehen, könntest du selbst weniger ehrlich werden, weil das als allgegenwärtig und akzeptabel empfunden wird. Bei der Wahl einer Community solltest du also überlegt vorgehen.

Jede Community hat ihre eigene Kultur. Wir empfehlen daher, verschiedene auszuprobieren und zu schauen, wo du dich am wohlsten fühlst. Es ist auch gesund, in verschiedenen Communitys aktiv zu sein. So vermeidest du, dass deine Identität und deine Ansichten zu stark von einer einzigen Gruppe geprägt werden, was dazu führen kann, dass du die Meinungen der Gruppe nicht mehr hinterfragst und in einer Art Echo-Kammer landest. Als Übung kannst du eine Liste mit Communitys machen, denen du beitreten könntest. Triff verschiedene Leute und besuche Events, um zu sehen, welche dir am meisten zusagen. Engagiere dich dann besonders in denen, die dich aktuell am meisten weiterbringen — idealerweise in mehr als einer.

Mit „Community“ meinen wir etwas sehr weit gefasstes. Es kann alles sein, von einer lockeren Gruppe von Freund:innen, die sich für dieselbe Sache interessieren, bis hin zu größeren Bewegungen, wie etwa dem Tierschutz, mit Konferenzen und Websites. Wenn du also überlegst, welchen Communitys du beitreten möchtest, denk nicht nur an formelle Organisationen. Überlege eher, mit welchen Menschen du dich gerne umgibst, und wie du sie finden könntest. Vielleicht gründest du sogar deine eigene kleine Community, indem du Freund:innen in einer Lesegruppe zusammenbringst.

Hier sind einige Kategorien, die dir bei der Ideenfindung helfen können:

  • Wenn du dich für ein bestimmtes globales Problem interessierst, wie etwa Biosicherheit oder Massentierhaltung, gibt es sicher mindestens eine Community in diesem Bereich, vielleicht mehrere.
  • Wenn du dich auf eine bestimmte Art Gutes zu tun konzentrieren willst — zum Beispiel durch Forschung, Schreiben, Journalismus oder Unternehmertum — findest du auch dafür Communities.
  • Es gibt einschlägige politische und ideologische Communitys, die sich mit breit gefächerten Formen des guten Handelns befassen, wie etwa soziales Unternehmertum, Fortschrittsforschung, Tierschutz, Sozialismus, Libertarismus und soziale Gerechtigkeit.
  • Viele unserer Leser:innen schließen sich auch Communitys an, in denen es nicht direkt darum geht, Gutes zu tun, die aber die persönliche Entwicklung fördern, etwa durch gewaltfreie Kommunikation, Rationalität, Spiritualität und andere Tugenden.

Schließlich gibt es noch die Community des Effektiven Altruismus, zu der wir uns selbst zählen.

Wie kann die Community des Effektiven Altruismus deine Karriere fördern?

Effektiver Altruismus ist das Projekt, bessere Wege zu finden, um eine positive Wirkung zu erzielen — zum Beispiel durch die Suche nach großen, stark vernachlässigten Problemen, deren Lösungsansätze man auf ihre Wirksamkeit hin prüfen kann. Es handelt sich sowohl um ein Forschungsfeld, das die dringlichsten Probleme der Welt und die besten Lösungen identifizieren möchte, als auch eine praktische Community, die diese Erkenntnisse nutzen möchte, um Gutes zu tun. Wir haben diese Community 2011 mit einigen anderen Gruppen zusammen gegründet.

Effektiver Altruismus bedeutet, dass wir vier zentrale Werte anstreben:

  • Wir versuchen, effektivere Wege anderen zu helfen, zu priorisieren.
  • Wir wollen uns bemühen, andere Menschen alle als gleichwertig zu behandeln.
  • Wir versuchen unsere Überzeugungen stets zu hinterfragen.
  • Wir wollen kooperativ und mit hoher Integrität arbeiten.

Jeder, der diese Werte teilt und versucht, bessere Wege zu finden, anderen zu helfen, beteiligt sich am Projekt des Effektiven Altruismus und hat guten Grund, sich in der Community zu engagieren. In der Tat kennen wir Leute aus der Harvard Business School, dem Weltwirtschaftsforum und anderen prestigeträchtigen Netzwerken, die es nützlicher fanden, Leute in der Community des Effektiven Altruismus kennenzulernen. Und warum?

Ein Grund ist, dass es in dieser Community viele beeindruckende Menschen gibt, wie etwa viele der Leute, die wir in unserem Podcast interviewen. Ein anderer Grund ist, dass du deinen Einfluss steigern kannst, indem du an vernachlässigten Themen und Lösungen arbeitest (wie wir hier argumentiert haben). Wenn du an etwas Vernachlässigtem arbeitest, wirst du in den meisten konventionellen Netzwerken nur wenige finden, die an diesen Themen arbeiten wollen. Außerdem ist es unserer Meinung nach wichtig, sich viel mehr als üblich auf den Vergleich verschiedener Optionen im Hinblick auf ihre Auswirkungen zu konzentrieren. Die Community des Effektiven Altruismus ist nützlich, weil du dort viele Menschen auf einmal triffst, die an diesen vernachlässigten Themen arbeiten und nach diesen Normen leben.

Dahinter steht ein noch fundamentalerer Grund: die Kraft gemeinsamer Ziele. Du kannst mit Menschen zusammenarbeiten, die deine Werte gar nicht teilen, weil du mit ihnen immer noch Handel treiben  kannst — aber wenn du mit jemandem gemeinsame Ziele teilst, brauchst du nicht einmal zu handeln. In der Community des Effektiven Altruismus haben die Menschen ein gemeinsames Ziel: anderen effektiver zu helfen. Wenn du also jemandem hilfst, eine größere Wirkung zu erzielen, steigerst du auch deine eigene Wirkung. Ihr habt beide Erfolg. Das bedeutet, dass du dir weniger Gedanken darüber machen musst, ob du einen Gefallen zurückbekommst, um wieder quitt zu sein. Einfach jemand anderem zu helfen, hat bereits eine große Wirkung. Dadurch ergeben sich weitaus mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit als in einer Community, in der die Menschen die Ziele der anderen nicht im selben Maß teilen und weil es so viele Möglichkeiten gibt, sich gegenseitig zu helfen, kann man auch viel mehr erreichen.

(In diesem Artikel erfährst du mehr über die Koordinierung mit einer Gemeinschaft).

Verdienen um zu spenden kann tatsächlich ein Beispiel für diese Art der Zusammenarbeit sein. In den Anfängen von 80,000 Hours mussten mein Freund Matt und ich (Benjamin) uns entscheiden, ob wir die Organisation leiten oder Geld verdienen wollen, um zu spenden. Wir erkannten, dass Matt ein höheres Verdienstpotenzial hatte und ich besser in der Lage war, die Organisation zu leiten. Das ist zum Teil der Grund, warum ich Geschäftsführer wurde, während Matt unser erster Großspender sowie ein Startkapitalgeber für mehrere andere Organisationen wurde. Die Alternative wäre gewesen, dass wir beide verdienen, um zu spenden, und in diesem Fall hätte es 80,000 Hours nicht gegeben. Oder wir hätten beide an 80,000 Hours arbeiten können, aber dann hätte es viel länger gedauert, Spenden zu sammeln (und die anderen Organisationen, an die Matt gespendet hat, hätten diese Spenden nicht erhalten).

Innerhalb der Community als Ganzes sind einige Leute besser geeignet, Geld zu verdienen, und andere, gemeinnützige Organisationen zu leiten. Wir können mehr erreichen, wenn diejenigen, denen das Geldverdienen leichter fällt, genau das tun und spenden, womit sie die Arbeit anderer finanzieren. Es gibt viele andere Beispiele dafür, wie wir zusammenarbeiten können. Zum Beispiel können einige Leute neue Bereiche erforschen und die Informationen mit allen anderen teilen, so dass alle langfristig effektiver arbeiten können. Oder man kann sich spezialisieren, statt Generalist:in zu sein.

Dr. Greg Lewis hat zum Beispiel die Untersuchung durchgeführt, wie viele Leben eine Person im Arztberuf rettet, die wir bereits beschrieben haben. Nachdem er feststellen musste, dass es weniger sind als erwartet, beschloss er, sich nicht länger auf die klinische Medizin zu konzentrieren. Stattdessen studierte er Public Health mit dem Ziel, ein Experte für dieses Thema innerhalb der Community zu werden, insbesondere für Fragen im Zusammenhang mit Pandemien. Er ist eigentlich der Meinung, dass die von künstlicher Intelligenz ausgehenden Risiken insgesamt dringlicher sein könnten, aber als Arzt ist er relativ betrachtet am besten situiert, um sich mit gesundheitsbezogenen Themen zu befassen. Wenn du die Community-Ziele des Effektiven Altruismus teilst, kann es aus all den genannten Gründen ein wirkungsvoller Schritt sein, sich anzuschließen.

Es wäre aber nachlässig von uns, hier nicht auch einige Nachteile zu erwähnen. Effektiver Altruismus ist immer noch eine ungewöhnliche Idee, und das bedeutet, dass sie einige ungewöhnliche Menschen anzieht. Selbst wenn du mit den Werten übereinstimmst, könntest du feststellen, dass du mit den Menschen, die sich in der Praxis angeschlossen haben, nicht warm wirst. Manche empfinden es als stressig, Teil der Community des Effektiven Altruismus zu sein — da der Schwerpunkt auf der Steigerung positiver Wirkung liegt, kann es sich für manche „totalisierend“ anfühlen. Anderen missfallen die enge Verstrickung der Mitglieder mit der Community, oder andere Aspekte der Kultur. Versuche dich zu engagieren (idealerweise in mehr als einer Gruppe), und reduziere dein Engagement, wenn es für dich nicht förderlich ist (wobei du einen Fuß in einigen anderen Communitys behalten solltest, um dies zu erleichtern).

Effektiver Altruismus ist auch nicht unumstritten — vor allem seit dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX, der viele dazu veranlasst hat, die Organisationen, die Kultur und sogar den zugrundeliegenden Ethos der Community in Frage zu stellen (siehe zum Beispiel diesen Beitrag unseres Gründers). Du kannst einige der häufigsten Kritiken am Effektiven Altruismus im Laufe seiner Geschichte auf seiner Wikipedia-Seite und auf der deutschen Website des Effektiven Altruismus nachlesen.

Wenn dir dieser Leitfaden gefallen hat, dann wirst du vermutlich viele Ziele mit Leuten in der Community teilen und viel Nutzen daraus ziehen. Das haben wir auf jeden Fall. 

Andere Communitys, denen du vielleicht beitreten möchtest

Es gibt viele andere großartige Communitys, die dir helfen können, mehr Wirkung zu erzielen oder erfolgreicher zu sein. Wichtig ist, dass du Menschen findest, von denen du lernen und mit denen du zusammenarbeiten kannst. Über diese Gemeinschaften wissen wir weniger, aber wir haben ein paar Ideen, wo man anfangen kann.

Zunächst empfehlen wir generell, sich in einigen Communitys zu engagieren, die sich speziell mit den globalen Problemen befassen, die dich am meisten interessieren. Wenn du beispielsweise an der Verringerung der existenziellen Risiken arbeiten willst, die durch die Entwicklung von KI entstehen, kannst du dich in der KI-Alignment-Community engagieren. Hier kannst du mehr über sie erfahren. Wenn du dich mit Massentierhaltung befasst, empfehlen wir dir, dich in der Tierschutz-Community zu engagieren; wenn Biorisiken dein Thema sind, in der Biosecurity-Community; wenn du dich mit globaler Gesundheit befasst, in der International-Development-Community; wenn Atomkrieg oder Konflikte zwischen Großmächten in dein Metier fallen, in der Community für internationale Beziehungen.


Viele akademische Bereiche verfügen über angrenzende Communitys — wenn du eine akademische Laufbahn anstrebst, oder gerade an einer Hochschule oder Universität studierst, sprich mit deinen Professor:innen, um herauszufinden, welche Konferenzen du am besten besuchen solltest. Es lohnt sich in der Regel, sich daran zu beteiligen. Schließlich gibt es einige Überschneidungen zwischen dem Effektivem Altruismus und der Rationalitäts-Community und viele unserer Leser:innen haben aus beiden Bereichen Nutzen gezogen. Das Online-Forum der Rationalitäts-Community ist LessWrong.

Wie können Communitys effektiver zusammenarbeiten?

Wenn du bereits an einer Community beteiligt bist, gibt es viel darüber zu sagen, wie man am besten zusammenarbeitet. In unserer Beitragsreihe für Fortgeschrittene haben wir einen ganzen Artikel darüber geschrieben, wie man sich besser koordinieren kann.

Als Nächstes wollen wir unseren gesamten Karriereleitfaden abschließen.

Ein letzter Gedanke

Wir werden den gesamten Ratgeber in einer Minute zusammenfassen. Aber vorher, versuche, dir die folgende Situation vorzustellen: Du bist am Ende deiner 80,000-Stunden-Karriere angelangt.

Du liegst auf deinem Sterbebett und blickst zurück.

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Was könntest du bedauern? Vielleicht bist du in den Beruf gerutscht, der dir am einfachsten erschien, oder hast dieselbe Laufbahn eingeschlagen, der deine Eltern schon gefolgt sind. Vielleicht hast du sogar eine Menge Geld mit etwas verdient, das dich interessiert hat. Du hattest ein schönes Haus und Auto. Aber du fragst dich immer noch: Wofür war das alles gut? Stell dir stattdessen vor, du hättest dein ganzes Leben lang hart gearbeitet und am Ende das Leben von 100 Kindern gerettet. Kannst du dir wirklich vorstellen, das zu bereuen?

Um ein wirklich erfülltes Leben zu führen, müssen wir uns nach außen und nicht nach innen wenden. Anstatt zu fragen: „Was ist meine Leidenschaft?“, sollten wir fragen: „Wie kann ich am meisten zu einer besseren Welt beitragen?“. Wie wir gesehen haben, können wir sehr viel für andere tun, wenn wir unsere privilegierte Lage nutzen und strategisch handeln. Wir können das sogar zu geringen Kosten für uns selbst tun und höchstwahrscheinlich können wir dabei auch noch unsere Karriere erfolgreicher und sinnstiftender gestalten.

Der gesamte Ratgeber in einer Minute

Um eine gute Karriere zu haben, solltest du tun, was zur Verbesserung der Welt beiträgt. Erwarte nicht, deine Leidenschaft in einem Geistesblitz zu entdecken, sondern dass dein Gefühl von Erfüllung im Laufe der Zeit wächst, wenn du mehr über das lernst, was zu dir passt, dir wertvolle Fähigkeiten aneignest und sie nutzt, um anderen zu helfen (Kapitel 1). Um einen Beitrag zu leisten, musst du nützliche Fähigkeiten entwickeln und sie in wichtigen Problembereichen anwenden. Hier sind die drei wichtigsten Phasen, auf die du dich zu Beginn deiner Karriere konzentrieren kannst:

  1. Ermittle und untersuche die wichtigsten Unwägbarkeiten, um die besten Optionen zu finden, anstatt „aus dem Bauch heraus“ zu handeln oder dich zu früh einzuschränken. Konzentriere dich auf diese Phase, bis du genügend Vertrauen in einige längerfristige Optionen hast, um dann auf eine zu setzen (Kapitel 8).
  2. Baue Karrierekapital auf, um so gut zu werden wie möglich. Das bedeutet, dass du dich nach Jobs umsehen solltest, die dir Möglichkeiten bieten, um deine Fähigkeiten, deinen Ruf, deine Beziehungen und deinen Charakter zu verbessern. Jobs, die dich auf dem Weg zu deiner Vision am meisten voranbringen und die dir erlauben, in deine persönliche Entwicklung zu investieren. Tu dies so lange, bis du sagen kannst, die besten Möglichkeiten zur Investition in dich selbst ergriffen zu haben (Kapitel 7 und Kapitel 9). Nutze dann dein Karrierekapital in der…
  3. Anwendung. Nutze dein berufliches Kapital, um anderen effektiv zu helfen. Konzentriere dich dabei auf die dringlichsten sozialen Probleme und nicht auf die, über die du zufällig stolperst. Diese Probleme sollten von großem Ausmaß sein, außerdem vernachlässigt und lösbar (Kapitel 2, Kapitel 4 und Kapitel 5).

Um einen möglichst großen Beitrag zu diesen Problemen zu leisten, solltest du eine weite Bandbreite von Möglichkeiten in Betracht ziehen: Du könntest in der Forschung arbeiten, an der Kommunikation von Ideen, im Community-Building, am Aufbau von Organisationen, oder in die Politik gehen. Außerdem hast du die Möglichkeit, Geld zu verdienen, um zu spenden, sowie sowie eine der klassischen Helferkarrieren einzuschlagen. (Kapitel 6). Konzentriere dich dann auf die Karrierepfade, für die du am besten geeignet bist. (Kapitel 8). Obwohl viele Bemühungen, anderen zu helfen, scheitern, können die besten enorm effektiv sein, sei also ehrgeizig. Vergiss dabei aber nicht, dass du in jedem Beruf viel bewirken kannst (Kapitel 3).

Passe deinen Plan kontinuierlich an deine Fähigkeiten und Präferenzen an, während du diesen Richtlinien folgst. Denke wie Wissenschaftler:innen beim Testen einer Hypothese: stelle deine beste Vermutung auf, erarbeite die wichtigsten Unsicherheiten und untersuche diese Unsicherheiten. Mach dir Gedanken über das beste langfristige Szenario, aber schenke dann zunächst der Suche nach dem besten nächsten Schritt die meiste Aufmerksamkeit. Schließe alle Berufe aus, die direkten Schaden verursachen, auch wenn es aussieht, als könntest du auf diesem Weg langfristig mehr bewirken. Wenn du mit jedem Schritt mehr dazu lernst und deine Fähigkeiten verbesserst, kannst du dir mit der Zeit eine immer bessere Karriere aufbauen (Kapitel 8 und Kapitel 9). Suche dir eine Community und bewirb dich auf viele verschiedene Stellen, um erfolgreicher zu sein. (Kapitel 10 und Kapitel 11).

Wenn wir zusammenarbeiten, können wir noch zu unseren Lebzeiten die nächste Pandemie verhindern und die Risiken künstlicher Intelligenz eindämmen. Wir können die extreme Armut sowie die Massentierhaltung beenden, und wir können das alles tun, während wir ein interessantes, erfülltes Leben führen. Also, worauf wartest du?

Du hast 80,000 Stunden in deiner Karriere.

Lass sie nicht ungenutzt verstreichen.

Fußnoten

  1. Auf der Spendenseite der Fish Welfare Initiative heißt es, dass sie ihr Budget für 2023, das auf 662.385 $ (ungefähr 623.000 Euro) geschätzt wird, vollständig finanziert hat.

    Auf ihrer Impact Seite wird geschätzt, dass sie etwa 1,13 Millionen Fischen „potenziell geholfen“ hat.

    Dort heißt es:

    Zu den „potenziell unterstützten Fischen“ zählen wir alle Fische, die in einer Fischfarm leben, in der 1) wir eine Verbesserung umgesetzt haben, von der wir glauben, dass sie andernfalls nicht umgesetzt worden wäre, und 2) wir uns zu ≥80 % sicher sind, dass die Verbesserung eine positive Auswirkung auf das Wohlergehen der Fische hatte.

    Es wird auch auf die folgenden Einschränkungen hingewiesen:

    Wir bewerten (derzeit) nicht das Ausmaß. Die Zahl der Fische, denen potenziell geholfen wurde, berücksichtigt nicht das Ausmaß, in dem ihnen geholfen wurde. Während unsere Verbesserungsmaßnahmen theoretisch das Wohlergehen der Fische verbessern sollten, bleibt angesichts der Schwierigkeiten bei der Umsetzung vor Ort und des derzeitigen Fehlens einer strengen Wirkungsanalyse immer noch signifikante Ungewissheit, was die Größenordnung unserer Auswirkungen pro Fisch angeht. Daher ist es leider möglich, dass unsere Verbesserungen derzeit nur eine geringe Wirkung haben. Um diese Ungewissheit zu beseitigen, planen wir, im kommenden Jahr eine Folgenabschätzung durchzuführen.

    Wir verallgemeinern. Es ist möglich, dass einige der Fische auch ohne unser Eingreifen nicht gelitten hätten. Zum Beispiel ist die Wasserqualität dynamisch, je nachdem, wo sich die Fische im Teich befinden. Wir können also nicht mit Sicherheit sagen, dass alle Fische unter einer Wasserqualität, die wir für unzureichend halten, gelitten hätten.

    Wir zählen nur die Fische, von denen wir wissen. Es kommt häufig vor, dass sich in einem Teich Fische befinden, deren Präsenz nicht vom Züchter beabsichtigt ist, wie z.B. invasive Fische, die durch den Zufluss in das System gelangen, oder Fische, die bei früheren Ernten nicht erfolgreich entfernt wurden. Wir gehen davon aus, dass sich unsere Verbesserungen in fast allen Fällen auch positiv auf das Leben dieser Fische auswirken werden. Allerdings haben wir derzeit keine Möglichkeit, unsere Auswirkungen auf diese Individuen zu erfassen, weshalb sie nicht berücksichtigt werden.