Inhaltsverzeichnis des Karriereratgebers

EINFÜHRUNG: Warum sollte ich diesen Ratgeber lesen?

KAPITEL 6 – In welchen Jobs kann man am meisten Gutes bewirken?
Ansatz 1: Verdienen, um zu spenden
Häufige Einwände gegen das Verdienen, um zu spenden
Ansatz 2: Ideen vermitteln
Ansatz 3: Forschung
Ansatz 4: Regierung und Politik
Ansatz 5: Organisationen aufbauen
Weitere Ideen für wirkungsvolle Karrieren
Welcher Ansatz ist der richtige für dich?
Fazit: Bei welchem Job kannst du am meisten bewirken?
Zusammenfassung unseres Ratgebers soweit

KAPITEL 7 – Welche Jobs verschaffen dir langfristig die besten Chancen?
Warum Karrierekapital so wichtig ist
Fünf Bestandteile von Karrierekapital
Welche Fähigkeiten werden in Zukunft am wertvollsten sein?
Konkrete Schritte zum Aufbau von Karrierekapital
Übertragbares und fachliches Karrierekapital
Solltest du warten, um mehr zu bewirken?
Fazit

Kapitel 8 – Wie du den richtigen Beruf für dich findest
Gut in deinem Job zu sein ist wichtiger als du denkst
Warum Introspektion, Bauchgefühl und Karrieretests nicht funktionieren
Was funktioniert laut Forschung tatsächlich?
Denke wissenschaftlich – Finde den richtigen Job.
Wie viel solltest du in deiner Berufslaufbahn ausprobieren?
Fazit

Für welchen Beruf du dich auch entscheidest – mit Spenden, Aktivismus oder ehrenamtlichem Einsatz kann jede:r etwas bewirken.

Leider sind viele Versuche, auf diese Weise Gutes zu tun, ineffektiv – und manche sogar schädlich.

In England ist zum Beispiel das „gesponserte Fallschirmspringen“ beliebt. Jedes Jahr sammeln Tausende von Menschen Spenden für gute Zwecke und lassen sich aus Flugzeugen fallen, um auf die Wohltätigkeitsorganisation ihrer Wahl aufmerksam zu machen. Das hört sich nach einer Win-Win-Situation an: Die Person, die Spenden sammelt, hat ein aufregendes, einmaliges Erlebnis und treibt gleichzeitig Geld für einen guten Zweck ein. Was könnte daran schlecht sein?

Ziemlich viel. Laut einer Studie von zwei beliebten Fallschirmsprungzentren haben in einem Zeitraum von fünf Jahren (1991 bis 1995) etwa 1.500 Menschen für wohltätige Zwecke Fallschirmsprünge gemacht und dabei insgesamt umgerechnet um die 140.000 Euro gesammelt. Das klingt ziemlich beeindruckend – bis man ein paar Haken an der Sache entdeckt.

Erstens wurden die Kosten für die Fallschirmsprünge aus den Spendengeldern gedeckt. Von den 140.000 Euro, die gesammelt wurden, gingen deswegen nur 50.000 Euro an wohltätige Zwecke.

Zweitens: Da die meisten Teilnehmer:innen ihren ersten Sprung absolvierten, erlitten sie insgesamt 163 Verletzungen, die im Durchschnitt zu neun Tagen Krankenhausaufenthalt führten.

Um diese Verletzungen zu behandeln, gab der britische Gesundheitsdienst NHS rund 700.000 Euro aus. Das bedeutet, dass jeder für die Wohltätigkeit gesammelte Euro das Gesundheitswesen etwa 15 Euro kostete, so dass unter dem Strich weniger Mittel für das Gesundheitssystem zur Verfügung standen. Paradoxerweise kümmerten sich viele der unterstützten Wohltätigkeitsorganisationen ausgerechnet um gesundheitliche Belange.1

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Abbildung: Ann W, CC BY 2.0

Was ist mit dem Ehrenamt? Ein Problem ist, dass ehrenamtliche Mitarbeitende angeleitet werden müssen. Wenn ungeschulte Freiwillige die Zeit von geschulten Führungskräften beanspruchen, kann es leicht passieren, dass sie die Organisation mehr Ressourcen kosten, als sie beitragen.

Ein Hauptgrund für das Fortbestehen vieler ehrenamtlicher Programme ist die Tatsache, dass Ehrenamtliche, die sich für eine Organisation engagieren, eher bereit sind zu spenden. Als die Organisation FORGE ihr ehrenamtliches Programm einschränkte, um effizienter zu werden, brach das Spendenaufkommen unerwartet ein.

Ein Ehrenamt kann also unter den richtigen Umständen effektiv sein – oft ist das aber nicht der Fall.

Unsere Untersuchungen zeigen, dass man mit einem Hochschulabschluss in einem reichen Land sehr viel tun kann, um das Leben anderer zu verbessern – und das, ohne den Job zu wechseln oder große Opfer bringen zu müssen.

Wir werden drei Beispiele vorstellen:

  • 10 % deines Einkommens an effektive Wohltätigkeitsorganisationen spenden
  • Sich für wichtige Ziele einsetzen
  • Anderen helfen, effektiver zu werden

Lesezeit: 13 Minuten

Effektiv spenden

Wie kannst du den Job machen, der dir persönlich am meisten Spaß macht, und dabei gleichzeitig eine Menge Gutes tun?

Spende 10 % deines Einkommens an die ärmsten Menschen der Welt. Ja, es kann wirklich so einfach sein.

Wie viel können Spenden bewirken? Eine konservative Berechnung

Seit 2008 ist es dank GiveDirectly möglich, den ärmsten Menschen in Ostafrika über das Handy direkt Geld zukommen zu lassen.

Wir glauben nicht, dass dies die effektivste Art ist, für wohltätige Zwecke zu spenden – später werden wir wirksamere Ansätze beschreiben – aber sie ist einfach und messbar und damit ein guter Ausgangspunkt.

Wir haben im ersten Teil bereits gesehen: Je mehr Geld du hast, desto weniger wird sich dein Leben mit zusätzlichem Geld verbessern. In den USA zum Beispiel führt eine Verdoppelung des Einkommens nur zu einer Steigerung der Lebenszufriedenheit um etwa einen halben Punkt auf einer Skala von 1 bis 10.

Diese Studien wurden auch weltweit durchgeführt. Beispiele findest du im folgenden Diagramm:2

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Stevenson, Betsey, and Justin Wolfers. Subjective well-being and income: Is there any evidence of satiation? No. w18992. National Bureau of Economic Research, 2013, Archivierter Link

Arme Menschen, die von GiveDirectly in Kenia unterstützt werden, haben einen durchschnittlichen individuellen Konsum von etwa 600 Euro pro Jahr.3 Diese Zahl basiert darauf, wie viel man mit 600 Euro in Deutschland kaufen kann, sie berücksichtigt also bereits die Tatsache, dass ein Euro in armen Ländern mehr wert ist.

Menschen mit einem Universitätsabschluss in Deutschland verdienen durchschnittlich etwa 36.000 Euro netto pro Jahr.4 Das Verhältnis, das wir gerade berechnet haben, bedeutet, dass ein Euro, den du jemandem in Kenia gibst, etwa 60-mal mehr Gutes bewirkt, als wenn du ihn für dich selbst ausgibst.5

Wenn eine Person mit diesem Durchschnittseinkommen 10% davon spenden würde, könnte sie jährlich das Einkommen von sieben Menschen in extremer Armut verdoppeln. Im Laufe ihres Berufslebens hätte sie damit das Leben von Hunderten von Menschen verbessert.

Grace ist eine typische Empfängerin von GiveDirectly-Spenden. Sie ist eine 48-jährige Witwe, die mit vier Kindern lebt. Sie sagt:

Ich würde einen Teil des Geldes gerne für den Bau eines neuen Hauses nutzen, weil mein Haus in einem sehr schlechten Zustand ist. Außerdem würde ich gerne die Gebühren für meinen Sohn bezahlen, damit er auf eine technische Fachschule gehen kann… Am stolzesten bin ich darauf, dass ich es geschafft habe, meinen Sohn auf eine weiterführende Schule zu schicken. Meine größte Schwierigkeit im Leben ist, dass ich keine richtige Einkommensquelle habe. Meine aktuellen Ziele sind, ein Plumpsklo zu bauen und ein Bohrloch zu graben, da die Wasserversorgung ein großes Problem ist.

GiveDirectly untersuchte ihr Programm in einer randomisierten kontrollierten Studie und stellte fest, dass die Empfänger:innen auch noch Jahre nach den Transfers eine deutliche Verringerung von Hunger, Stress und anderen negativen Aspekten erlebten. Diese Ergebnisse bestätigen die Aussagen zahlreicher Studien, die zeigen, dass Bargeldtransfers einen erheblichen Nutzen haben.

Was muss ich dafür opfern?

Wenn wir uns überlegen, wie wir mit unserer Karriere etwas Positives bewirken können, denken wir normalerweise daran, Lehrkraft zu werden oder in einer karitativen Einrichtung zu arbeiten. In diesen Berufen verdient man oft weniger als die Hälfte von dem, was im privaten Sektor gezahlt wird, und sie entsprechen vielleicht nicht unbedingt den eigenen Fähigkeiten oder Interessen. Verglichen mit einem Wechsel in diese Berufe ist es oft ein kleineres Opfer, 10 % deines Einkommens zu spenden.

Außerdem haben wir in diesem Ratgeber bereits gesehen, dass zusätzliches Einkommen über 40.000 Euro pro Jahr6 hinaus keinen großen Einfluss auf dein Glücksgefühl hat. Aber Taten, die anderen helfen, wie z. B. wohltätige Spenden, könnten dich tatsächlich glücklicher machen.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine Studie hat herausgefunden, dass in 122 von 136 Ländern die Lebenszufriedenheit von Befragten, die auf die Frage „Haben Sie im letzten Monat für wohltätige Zwecke gespendet?“ mit „Ja“ geantwortet haben, höher war – und zwar um soviel wie bei einer Verdoppelung des Einkommens.7 Zum Teil liegt das wahrscheinlich daran, dass glückliche Menschen mehr spenden, aber wir gehen davon aus, dass der Effekt teilweise auch in die andere Richtung geht.(Lies mehr darüber, ob du glücklicher wirst, wenn du 10 % deines Einkommens spendest).

Medizin studieren? Wie du mehr bewirken kannst

Spenden können deshalb so effektiv sein, weil du mit deinem Geld die besten Organisationen der Welt unterstützen kannst, die sich um die größten und am meisten vernachlässigten Probleme kümmern. Viele Hilfsorganisationen sind zwar nicht effektiv – aber die besten schon.

Und obwohl GiveDirectly sicherlich eine effektive Wohltätigkeitsorganisation ist, gibt es andere, die nach Meinung einiger Experten noch besser sind. GiveWell, eine führende unabhängige Organisation zur Bewertung von wohltätigen Aktivitäten,8 schätzt, dass ihre Top-Wohltätigkeitsorganisationen (wie Helen Keller International und Against Malaria Foundation) für jede 5.000 Euro an Spenden ein Leben retten können.9 Dazu kommen weitere Vorteile, die mit der Behandlung von Malaria einhergehen, wie eine verbesserte Lebensqualität und ein höheres Einkommen, die im Laufe der Zeit zusätzliche positive Welleneffekte verursachen.

Bei einem typischen Gehalt einer Hochschulabsolventin könnte eine Spende von 10% deines Einkommens an die Against Malaria Foundation also jedes Jahr mehr als ein Leben retten.

Diese Art von bewährten, kosteneffizienten Gesundheitsprogrammen bietet eine so gute Möglichkeit, Gutes zu bewirken, dass selbst die prominentesten Entwicklungszusamme-Skeptiker kaum dagegen argumentieren.

Ein gerettetes Leben pro Jahr würde über eine 40-jährige Karriere 40 gerettete Leben bedeuten. Im vorherigen Artikel haben wir geschätzt, dass durchschnittliche klinisch tätige Ärzt:innen in ihrer Laufbahn drei Leben retten. Wenn du also 10 % deines Einkommens spendest, könntest du etwa 10-mal so viel bewirken.

Wir haben gerade Against Malaria Foundation und GiveDirectly angeführt, um eine konkrete Untergrenze dessen anzugeben, was du bewirken kannst. Wir glauben, dass es viele Hilfsorganisationen gibt, die noch effektiver sind.

Einige Organisationen kümmern sich um Themen, bei denen noch mehr auf dem Spiel steht und an denen aktuell noch weniger gearbeitet wird, wie z.B. der Verhinderung einer katastrophalen Pandemie. Warum wir Pandemien für dringlicher halten als die globale Gesundheitslast, erklären wir später in diesem Ratgeber. Du kannst auch unseren separaten Artikel darüber lesen, welche Wohltätigkeitsorganisationen die größte Wirkung haben.

Wenn die reichsten 10 % der Weltbevölkerung 10 % ihres Einkommens spenden würden, wären das knapp 5 Billionen Euro pro Jahr.10 Das würde ausreichen, um die weltweite Förderung wissenschaftlicher Forschung zu verdoppeln, alle Menschen über die Armutsgrenze von 2,15 Dollar pro Tag zu heben, eine Grundbildung für alle zu ermöglichen und immer noch genug übrig zu haben, um eine Renaissance der Künste zu finanzieren, zum Mars zu fliegen und dann 1 Billion Euro in die Eindämmung des Klimawandels zu investieren. Nichts davon wäre einfach zu implementieren, aber es zeigt zumindest das enorme Potenzial von Spenden.11

Wie kann das sein?

Es ist erstaunlich, dass wir mit so wenig Verzicht so viel Gutes tun können. Wie kann das sein?

Schauen wir uns eines der wichtigsten Diagramme in der Wirtschaftswissenschaft an – die globale Verteilung von Einkommen:

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PovcalNet, Milanović12

Die x-Achse zeigt den prozentualen Anteil der Menschen auf der Welt, die das jeweilige (auf der y-Achse angegebene) Einkommensniveau erreichen. Das Einkommen wurde so angepasst, dass es angibt, wie viel ein bestimmter Dollarbetrag im Heimatland einer Person wert ist („Kaufkraftparität“, kurz KKP). Wenn alle Menschen auf der Welt gleich viel verdienen würden, wäre die Linie waagerecht.

Als Bürger:innen von Ländern wie Deutschland oder der Schweiz wissen wir, dass wir im weltweiten Vergleich reich sind, aber wir halten uns normalerweise nicht für die reichsten Menschen der Welt – schließlich sind wir keine Banker:innen, Konzernchefs oder Promis. Aber wenn du 45.000 Euro netto im Jahr verdienst und keine Kinder hast, dann gehörst du weltweit gesehen zum reichsten Prozent der Weltbevölkerung.

Dieser Vergleichsrechner zeigt dir, wie reich du bist.

Diese Zahlen sind zwar nur Näherungswerte, aber wenn du das hier liest, liegst du höchstwahrscheinlich in der großen Spitze auf der rechten Seite des Diagramms (und vielleicht sogar weit über dem Diagramm), während fast alle anderen Menschen auf der Welt in dem flachen Teil am unteren Rand liegen, den man kaum sieht.

Es gibt keinen Grund, sich für diese Tatsache zu schämen, aber sie unterstreicht, wie wichtig es ist, darüber nachzudenken, wie du mit deinem Wohlstand anderen helfen kannst. In einer ausgeglicheneren Welt könnten wir uns darauf konzentrieren, den Menschen um uns herum zu helfen und für unser eigenes Wohlergehen zu sorgen. Aber wir haben die große Chance, anderen Menschen zu helfen, ohne dass es uns viel kostet – und es wäre sehr schade, diese Chance zu vertun.

Handle jetzt!

Viele von uns hier bei 80.000 Hours waren von diesen Argumenten so überzeugt, dass wir uns verpflichtet haben, mindestens 10 % unseres Lebenseinkommens an die effektivsten Wohltätigkeitsorganisationen der Welt zu spenden.

Wir haben das über eine Organisation namens Giving What We Can gemacht, mit der wir zusammenarbeiten.13

Mit Giving What We Can kannst du dich öffentlich verpflichten, 10% deines Einkommens an die Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden, die deiner Meinung nach am effektivsten sind.

Es dauert nur ein paar Minuten, diese Selbstverpflichtung abzugeben. Und es dürfte das Wichtigste sein, was du sofort tun kannst, um in deinem Leben mehr Gutes zu bewirken.

Jetzt verpflichten

Die Selbstverpflichtung ist nicht rechtsverbindlich, du kannst selbst entscheiden, wohin das Geld fließt, und wenn du noch studierst, verpflichtest du dich bis zu deinem Abschluss nur dazu, 1 % zu spenden. Damit schließt du dich den über 9.000 Menschen an, die zusammen ein Spendenversprechen von 3 Milliarden Euro über ihre Karrieren abgegeben haben.

Die Verpflichtung ist nicht für alle geeignet. Sei vorsichtig, wenn du vorhast, vor allem durch deine Arbeit etwas zu bewirken (gerade wenn es sich dabei um eine schlecht bezahlte Arbeit handelt, wie z.B. bei einer Wohltätigkeitsorganisation), wenn du hohe Schulden oder finanzielle Probleme hast oder wenn du nicht sicher bist, ob du die Verpflichtung längerfristig durchhalten kannst.

Und wenn du noch nicht so weit bist, kannst du mit Giving What We Can eine „Testverpflichtung“ eingehen und für einen beliebigen Zeitraum 1 % deines Einkommens spenden, um zu sehen, wie es läuft, bevor du eine langfristige Verpflichtung eingehst.

Du möchtest nicht spenden? Wie du mit effektiver Lobbyarbeit helfen kannst

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Wir sind reich, weil wir in einem reichen Land geboren wurden; aus dem gleichen Grund haben wir auch politischen Einfluss.

Reiche Länder üben einen überproportionalen Einfluss auf Themen wie den globalen Handel, Migration, Klimawandel und Technologiepolitik aus und sind generell zumindest teilweise demokratisch. Wenn du also lieber etwas anderes tun möchtest, als Geld zu spenden, kannst du dich vielleicht für wichtige Themen einsetzen.

Anfangs hatten wir Zweifel daran, dass eine einzelne Person durch politische Lobbyarbeit wirklich viel bewegen kann – aber wir haben unsere Meinung geändert, als wir uns die Daten angeschaut haben.

Nehmen wir das vielleicht einfachste Beispiel: die Wahlbeteiligung. In mehreren Studien wurde anhand statistischer Modelle geschätzt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine einzige Stimme den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen bestimmt. Im US-System wird auf Ebene der Bundesstaaten gewählt; deswegen hat man in Staaten, die eindeutig einen Kandidaten favorisieren, praktisch keine Chance, das Ergebnis zu beeinflussen. Wenn man aber in einem umkämpften Bundesstaat wohnt, steigen die Chancen auf 1 zu 10 Millionen bis 1 zu einer Million. Das ist ein ganzes Stück höher als die Chance auf einen Sechser im Lotto.

Und die US-Regierung ist sehr, sehr groß. Stellen wir uns vor, eine Kandidatin würde zusätzliche 0,2 % des BIP für Entwicklungshilfe ausgeben. Das wären etwa 187 Milliarden Dollar extra an Entwicklungshilfe in den vier Jahren ihrer Amtszeit.14 Ein Millionstel davon sind 187.000 Dollar. Braucht man zum Wählen etwa eine Stunde, könnte das die wichtigste Stunde des Jahres sein – diejenige mit dem höchsten Erwartungswert. (In anderen reichen Ländern sind die Zahlen ähnlich; in kleineren Ländern steht weniger auf dem Spiel, aber dafür zählt jede Stimme mehr. Lies mehr über diese Schätzungen.)

Als „Multiplikator:in“ anderen helfen, effektiver zu sein

Was ist, wenn du kein Geld und keine Einflussmöglichkeiten hast, und auch nicht das Gefühl, dass du sinnvoll an einem wichtigen Problem arbeiten kannst? Was dann?

Eine Möglichkeit ist zu versuchen, das zu ändern. In einem separaten Artikel gehen wir darauf ein, wie du in dich selbst investieren kannst – egal, welchen Job du hast.

Davon abgesehen könntest du jemanden kennen, der mehr Geld, Einfluss oder Fähigkeiten hat. Dann kannst du etwas bewirken, indem du dieser Person hilfst, mehr zu erreichen.

Wenn du zum Beispiel zwei anderen Menschen helfen könntest, 10 % ihres Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden, hätte das eine noch größere Wirkung, als wenn du es selbst tust; und da du deine Wirkung multiplizierst, nennt man solche Leute Multiplikator:innen.

Du kannst generell oft mehr bewegen, wenn du andere unterstützt, als wenn du etwas selbst versuchst.

Hier sind einige Möglichkeiten, Multiplikator:in zu sein:

Wissen über effektive Lösungen für vernachlässigte globale Probleme vermitteln

Welche globalen Themen hältst du für besonders dringlich und vernachlässigt? Was diese auch sein mögen, du kannst sie anderen vermitteln. Dabei geht es nicht darum, zu predigen oder zu versuchen, Menschen zu überzeugen. Sprich mit Leuten, von denen du glaubst, dass sie das Thema interessant finden. (Aber pass auf, dass du niemanden aus Versehen abschreckst.)

Es geht auch nicht nur darum, das Bewusstsein für ein Problem zu schärfen. Versuche, konkrete Maßnahmen zu finden, die Menschen zur Lösung des Problems ergreifen können (z. B. einen bestimmten Job annehmen), und erzähle davon. Viele Menschen würden sich gern einbringen, wenn sie eine Möglichkeit sehen, die tatsächlich effektiv ist.

Du kannst das tun, indem du mit deinen Freunden über diese Themen sprichst, Informationen mit ihnen teilst, Links und Ideen auf sozialen Medien postest oder einfach mit gutem Beispiel vorangehst.

Du kannst auch indirekt helfen, indem du versuchst, wichtige Werte zu wahren – wie Mitgefühl gegenüber anderen (auch gegenüber Tieren und zukünftigen Generationen) oder eine offene, ehrliche und wissenschaftliche Einstellung gegenüber neuen Erkenntnissen.

Jemanden finden, der viel bewirkt, und helfen, die Wirkung weiter zu steigern

Ben hat zum Beispiel SecureBio zusammen mit Kevin Esvelt gegründet. Bens Meinung nach hat Kevin das umfassendste Programm entwickelt, um das Risiko künftiger Pandemien drastisch zu verringern. Ben steuert die Strategie und die Abläufe bei SecureBio, damit Kevin sich auf die Forschung konzentrieren kann, und trägt so auch zur Verhinderung von Pandemien bei.

(Weitere Informationen darüber, wie du Menschen helfen kannst, die bereits viel bewirken, findest du in unserem Karrierebericht über die Arbeit als Assistenz mit großer Wirkung).

Menschen erzählen, wie sie viel bewegen können

Stell dir vor, du entdeckst einen hochinteressanten Job, aber du bist dir nicht sicher, dass du die richtigen Voraussetzungen mitbringst. Wenn du jemandem von der Stelle erzählst und diese Person sie auch bekommt, ist das genauso gut, wie wenn du sie selbst antrittst – und sogar besser, wenn die Person besser qualifiziert ist als du.15

Veranstaltungen oder Gruppen organisieren, um andere über wichtige Themen oder Ideen zu informieren

Wenn du dich für Effektiven Altruismus interessierst, könntest du dabei helfen, eine lokale Gruppe für Effektiven Altruismus zu organisieren, oder eine Gruppe in deinem Unternehmen. Oft ist es möglich, mehrere andere Menschen dafür zu begeistern, etwas zu bewirken – und so ein Vielfaches von dem zu erreichen, was du allein schaffen könntest.

Fundraising

Oft kann man durch Spendenaktionen mehr Geld für wohltätige Zwecke sammeln, als man selbst geben könnte. Ein einfaches Beispiel ist, deinen Geburtstag zu „spenden“ – also auf Geschenke zu verzichten und stattdessen um Spenden zu bitten. Wenn du in einem Unternehmen arbeitest, in dem es ein Spendenprogramm gibt (die Firma also zum Beispiel Spenden verdoppelt), kannst du vielleicht auch deine Kolleg:innen dazu ermutigen, es zu nutzen.

Du kannst auch mehr über effektive ehrenamtliche Arbeit lesen.

Was zählt, ist, dass mehr Gutes bewirkt wird – ob du es direkt und eigenhändig tust, ist nicht wichtig.

Es gibt eine alte (und wahrscheinlich erfundene) Geschichte über einen Besuch von Präsident John F. Kennedy bei der NASA. Kennedy fragte einen Hausmeister, was denn sein Job wäre. Der Hausmeister antwortete: „Herr Präsident, ich arbeite an der Mondlandung.“

Fazit: Du kannst etwas bewirken

Die gute Nachricht: du musst nicht aus einem Flugzeug springen, um Gutes zu bewirken. Es gibt viel einfachere (und sicherere) Optionen, die auch noch viel effektiver sind.

Dank unserer privilegierten Stellung in der Welt können wir viel bewirken, ohne große Opfer bringen zu müssen, egal in welchem Job wir landen.

Hier sind einige Möglichkeiten, wie du ohne Jobwechsel viel Positives bewirken kannst:

  1. Spende 10 % deines Einkommens an effektive Wohltätigkeitsorganisationen.
  2. Nutze deine politischen Möglichkeiten, z.B. indem du zur Wahl gehst.
  3. Hilf anderen, etwas zu bewirken.

Und vielleicht willst du ja auch gleich das 10 %-Versprechen abgeben.

Jetzt verpflichten

Oder nimm dir einen Moment Zeit, um zu überlegen, wie du sonst noch mit wenig Verzicht viel bewirken könntest.Und wenn du direkt durch deine Karriere etwas bewirken willst? Wenn du mit nur 10 % deines Einkommens so viel erreichen kannst, was kannst du dann mit deinem gesamten Job über Jahrzehnte hinweg erreichen? Darum geht es in den nächsten drei Kapiteln.

  1. Von 174 medizinisch behandelten Personen mit Verletzungen unterschiedlichen Schweregrades sprangen 94 % zum ersten Mal für wohltätige Zwecke mit dem Fallschirm. Die Verletzungsrate lag bei 11 %, die durchschnittlichen Kosten betrugen 3.751 Pfund pro Person. 63 % der Verletzten mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, was einer Schwerverletztenquote von 7 % und durchschnittlichen Kosten von 5.781 Pfund entspricht. Der Betrag, der pro Person für wohltätige Zwecke gesammelt wurde, betrug 30 Pfund. Jedes Pfund, das für wohltätige Zwecke gespendet wurde, kostete den NHS 13,75 Pfund.
    Quelle: „Parachuting for charity: is it worth the money? A 5-year audit of parachute injuries in Tayside and the cost to the NHS". CT Lee, P. Williams und WA Hadden. (1999). Archivierter Link, abgerufen im September 2023.
    Fallschirmspringer:innen haben uns erzählt, dass sich die Sicherheit seit den 1990er Jahren deutlich verbessert hat, sodass die Idee heute möglicherweise nicht mehr so schlecht ist. Trotzdem ist es immer noch ein Beispiel für ineffektive Wohltätigkeit von über 1.000 Menschen – und wir denken, dass Fallschirmspringen auch heute nicht die effektivste Methode ist, die Welt zum Besseren zu verändern. 
  2. Diese Grafik zeigt nur die Korrelation, nicht die Kausalität (mehr Details zum Thema Kausalität). 
  3. GiveDirectly erhebt nicht systematisch Daten über das absolute Armutsniveau (d. h. das durchschnittliche Vermögen und den Konsum) der Haushalte, die am Programm teilnehmen. Vorläufige Ergebnisse der allgemeinen Ausgleichsstudie von GiveDirectly deuten darauf hin, dass die Haushalte im Zielgebiet dieser Studie (in Kenia) sehr arm sind. Die Endergebnisse der Studie vom Juli 2018 zeigen, dass der durchschnittliche Konsum pro Kopf und Tag in der Gesamtbevölkerung der Kontrolldörfer bei 0,79 US-Dollar lag.
    Die Haushalte der Kontrollgruppe in Haushofer und Shapiro (2013) konsumierten monatlich im Durchschnitt 157,40 US-Dollar (Kaufkraftparität) (Tabelle 1, S. 49) an Verbrauchsgütern. In unserem Kosten-Wirksamkeits-Modell (2018) verwenden wir diese Zahl, um den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch ungefähr auf 286 US-Dollar (nominal) zu schätzen. Dies entspricht einem täglichen Verbrauch von etwa 0,78 US-Dollar (nominal).
    Quelle: GiveDirectly – Version vom November 2020, Archivlink abgerufen am 12.09.2023.

    Um 286 US-Dollar pro Tag in einen Wert mit Kaufkraftparität umzurechnen, nutzen wir die Aufzeichnungen der Weltbank über den nominalen KES-USD-Wechselkurs von 2018; der Wert entspricht 29.073,10 Kenianischen Schillingen.
    Anschließend verwenden wir die KKP-Umrechnungsfaktoren der Weltbank für das Jahr 2018, wonach man mit 42,55 kenianischen Schillingen den Gegenwert von 1 US-Dollar in den USA kaufen kann. Daraus ergibt sich ein effektives Konsumniveau von 683,27 US-Dollar in diesem Jahr.
    Diese Zahl wird dann anhand des US-Verbraucherpreisindex von 2018 bis Januar 2023 inflationsbereinigt und ergibt einen Wert von 810 bis 825 US-Dollar, je nachdem, welche Monate wir verwenden. Dann nutzen wir wieder die Kaufkraft-Umrechnungsfaktoren der Weltbank, diesmal für Deutschland; die Summe entspricht ca. 590 bis 620 Euro. Das sind umgerechnet 1,65 Euro pro Tag, bereinigt um die Kaufkraft.
    Diese Zahl ist natürlich ziemlich ungenau. Es ist schwierig, die Kaufkraft von Menschen zu vergleichen, die in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Umständen leben. Einige der Probleme besprechen wir hier. Es gibt Gründe, warum der Wert sowohl zu niedrig als auch zu hoch sein könnte. Aber es würde uns überraschen, wenn er um mehr als das Fünffache daneben liegen würde. Außerdem stimmen alle offiziellen Schätzungen über das Einkommen der ärmsten Milliarde Menschen darin überein, dass sie etwa 10-mal ärmer sind als fast alle Menschen in einem reichen Land und etwa 100-mal ärmer als jemand, der in einem reichen Land zur gehobenen Mittelschicht gehört.
  4. Durschnittlicher Lebensverdienst deutscher Hoschulabsolvent:innen: 
    Quelle: FAZ. (8. Februar, 2014). Höhe der durchschnittlichen Lebensverdienste in Deutschland nach Bildungsabschluss (in 1.000 Euro) [Graph]. In Statista. Zugriff am 16. August 2023, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/288922/umfrage/durchschnittliche-lebensverdienste-in-deutschland-nach-bildungsabschluss/

    Rechnung: 
    - 2.320.000 € Lebensverdienst nach Hochschulabschluss. 
    - Ca. 40 Berufsjahre
    -> 2.320.000 / 40 = 58.000 €

    Laut Handelsblatt hat eine ledige Person ohne Kinder bei einem Bruttojahreseinkommen von 58.000 Euro ein Nettoeinkommen von ca. 36.000 Euro. 
  5. Wenn die Beziehung zwischen Einkommen und Wohlbefinden logarithmisch ist, dann erhöht die Verdopplung des Einkommens einer Person ihr Wohlbefinden um einen konstanten Betrag. Das heißt, wenn jemand ein Einkommen von 36.000 Euro hat und eine andere Person ein Einkommen von 600 Euro, müsste man das Einkommen der ersten Person um 36.000 Euro erhöhen, um ihr Wohlbefinden genauso stark zu steigern, wie beim Erhöhen des Einkommens der zweiten Person um 600 Euro. 36.000 Euro/600 Euro = 60. Warum wir glauben, dass die Beziehung logarithmisch ist (oder vielleicht sogar noch schwächer), erklären wir in unserer Übersicht der Erkenntnisse über Einkommen und Glück.
    Darüber hinaus gibt es auch empirische Belege für einen signifikanten Nutzen. GiveDirectly hat randomisierte kontrollierte wissenschaftliche Studien zu seinen Programmen durchführen lassen, und es gibt eine umfangreiche Literatur, die den Nutzen von Geldtransfers belegt – siehe hier und hier
  6. Hier sind 40.000 Euro pro Person gemeint, nicht pro Haushalt.
  7. Es geht um die folgende Studie: Aknin, Lara, Christopher P. Barrington-Leigh, Elizabeth W. Dunn, John F. Helliwell, Robert Biswas-Diener, Imelda Kemeza, Paul Nyende, Claire Ashton-James, Michael I. Norton (2010). “Prosocial Spending and Well-Being: Cross-Cultural Evidence for a Psychological Universal." Harvard Business School Working Paper 11-038.
    Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass ein Teil der Korrelation darauf zurückzuführen ist, dass glücklichere Menschen mehr spenden, siehe Boenigk, S. & Mayr, M.L. J Happiness Stud (2016) 17: 1825. doi:10.1007/s10902-015-9672-2.
    Eine umfassendere Besprechung des Themas findest du bei Giving What We Can: Giving without sacrifice, von Andreas Mogensen, Giving What We Can Research, Archivlink (abgerufen am 18.09.2023).
    Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018 ergab, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen guten Taten und Wohlbefinden gibt. Es wurden 27 experimentelle Studien mit einer Gesamtstichprobengröße von 4.045 Personen in die Auswertung einbezogen.
    Diese 27 Studien, von denen einige mehrere Kontrollbedingungen und abhängige Messgrößen enthielten, ergaben 52 Effektgrößen. Die mehrstufige Modellierung zeigte, dass der Gesamteffekt von Hilfsbereitschaft auf das Wohlbefinden der Akteure gering bis mittel ist (δ = 0,28). Der Effekt wurde nicht durch das Geschlecht, das Alter, die Art der Teilnehmenden, die Intervention, die Kontrollbedingung oder die Ergebnismessung modifiziert. Es gab keine Anzeichen für einen Publikationsbias.
  8. Open Philanthropy, der größte Geldgeber von 80.000 Hours (wo dieser Ratgeber ursprünglich veröffentlicht wurde), wurde aus GiveWell ausgegliedert, und die beiden Organisationen haben zum Teil die gleichen Führungskräfte. Mehr Informationen dazu gibt es hier
  9. Die von GiveWell geschätzten Kosten für die Rettung eines Lebens durch die besten Wohltätigkeitsorganisationen schwanken im Laufe der Zeit zwischen 900 und 9.000 Euro und liegen in der Regel zwischen 2.500 und 5.000 Euro.
    Die neuesten Schätzungen der Kosten für die Rettung eines Lebens (Stand: Januar 2023) findest du auf der Seite von GiveWell. Dort kannst du auch die aktuellen Kosten-Nutzen-Modelle im Detail einsehen.
    GiveWell hat auch ermittelt, wie kosteneffizient diese Wohltätigkeitsorganisationen im Vergleich zu GiveDirectly sind. Dabei wurde ein breiteres Spektrum an Effekten berücksichtigt (z.B. auch die Verbesserung von Bildung und Einkommen), und in der Regel wird geschätzt, dass sie etwa zehnmal effektiver sind.
    10 % von 58.000 Euro sind 5.800 Euro, was ausreicht, um mindestens einen Tod pro Jahr zu verhindern.
    Natürlich gibt es noch viel mehr darüber zu sagen, wie wertvoll diese Spenden sind, wenn wir versuchen, alle möglichen Auswirkungen zu berücksichtigen. Im Allgemeinen möchten wir dir empfehlen, zu überlegen, welche globalen Probleme du alles in allem für am dringlichsten hältst (unser Ansatz ist zum Beispiel longtermistisch), und die besten Organisationen zu finden, die sich für diese Probleme einsetzen. Lies mehr darüber, wie du eine Wohltätigkeitsorganisation auswählen kannst.
  10. Die reichsten 10 % der Weltbevölkerung verdienen zurzeit 52 % des weltweiten Einkommens (kaufkraftbereinigt; Quelle: Chancel, L., Picketty, T., Saez, E., Zucman, G., et al. „World Inequality Report 2022", World Inequality Lab).
    Wenn die reichsten 10 % also 10 % ihres Einkommens spenden, dann sind das 5 % des Welteinkommens. Das Welteinkommen betrug im Jahr 2022 etwa 100 Billionen Dollar, was etwa 94 Billionen Euro entspricht. Es würden also ungefähr 4,7 Billionen Euro gespendet. Quelle: Weltbank, abgerufen am 18.09.2023.
  11. Die Armutsgrenze der Weltbank liegt bei 2,15 US-Dollar pro Person und Tag (2017-Dollar, KKP-bereinigt). Die Armutslücke bei 2,15 Dollar pro Tag betrug laut der Weltbank im Jahr 2019 2,6 %. Das heißt, dass Menschen unterhalb der Armutsgrenze im Durchschnitt von 2,10 US-Dollar pro Tag leben. Die Armutsquote – also der Anteil der Weltbevölkerung, der unterhalb dieser Schwelle lebt – betrug laut Weltbank im Jahr 2019 8,4 %. Die Weltbevölkerung belief sich laut der Weltbank im Jahr 2019 auf 7,74 Milliarden Menschen, was bedeutet, dass 650 Millionen Menschen im Jahr 2019 in extremer Armut lebten.
    Damit würde es nur ca. 33 Millionen Euro pro Tag kosten, alle Menschen in extremer Armut an die Armutsgrenze zu bringen, oder 12 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist wahrscheinlich eine Unterschätzung, denn der Transfer all dieses Geldes zu den in Armut lebenden Menschen würde die Preise erhöhen, erhebliche logistische Kosten verursachen usw. Nehmen wir an, die tatsächlichen Kosten lägen um den Faktor 10 höher, dann wären es etwa 120 Milliarden Euro pro Jahr.
    Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am BIP lag im Jahr 2020 bei 2,6 %.
    Quelle: Weltbank, Daten für 2020, abgerufen im März 2023.

    Wenn man davon ausgeht, dass dieser Anteil in etwa konstant geblieben ist, würde es bei einem weltweiten BIP von etwa 94 Billionen Euro jährlich (siehe Fußnote 10) etwa 2,4 Billionen Euro pro Jahr kosten, die weltweiten Investitionen in Forschung und Entwicklung zu verdoppeln.
    Weltweit gehen laut UNESCO schätzungsweise 244 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Wenn wir davon ausgehen, dass es 1.000 Euro pro Jahr kosten würde, ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen (in Deutschland kostet es ca. 8.500 Euro), wären das 244 Milliarden Euro pro Jahr.
    Im Jahr 2012 wurden in den USA insgesamt 12 Mrd. Euro für die Künste gespendet. Mit dem zehnfachen Betrag, also 120 Mrd. Euro, sollten wir also eine Renaissance der Künste erreichen.
    Laut Wikipedia werden die Kosten für eine Reise zum Mars auf 500 Milliarden Dollar (ca. 470 Milliarden Euro) geschätzt. Diese Zahl ist wahrscheinlich zu niedrig angesetzt, aber wir müssten auch nicht alles in einem Jahr bezahlen, also verwenden wir diese Zahl.
    Wenn wir das alles mit einer Billion Euro für den Klimaschutz zusammenrechnen, kommen wir auf ca. 4,2 Billionen Euro pro Jahr, wir hätten also immer noch fast 500 Milliarden Euro zur Verfügung. Obwohl all diese Zahlen sehr ungenau sind (und Budgets oft gesprengt werden), besteht kein Zweifel daran, dass es eine enorme Menge an Ressourcen für die dringendsten Probleme der Welt wäre.
    Wenn so viele Mittel auf einmal für wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt würden, bräuchte die Wirtschaft Zeit, um sich darauf einzustellen, korrupte Staatsoberhäupter könnten versuchen, das Geld von ihren Bürger:innen abzuschöpfen, und es könnte andere unvorhersehbare Auswirkungen geben – es wäre sicherlich nicht einfach, alle Ressourcen effektiv zu nutzen. Diese Zahlen zeigen aber dennoch, dass mehr (und effektivere!) wohltätige Spenden potenziell enorme Vorteile mit sich bringen können.
  12. Eine ausführliche Erörterung der Ursprünge und der Genauigkeit dieser Grafik findest du in unserem Blogbeitrag „Wie genau kennt man die globale Einkommensverteilung?" Zusammengefasst: Die Daten für die Perzentile 1 bis 79 stammen aus PovcalNet, einem Online-Tool zur Armutsmessung, das von der Development Research Group der Weltbank entwickelt wurde. Beachte, dass es sich hierbei um ein Konsummaß handelt, das sich eng an das Einkommen anlehnt; es ist die Standardmethode, um den Wohlstand von Menschen am unteren Ende der Verteilung zu ermitteln. Die Daten für die Einkommensperzentile 80 bis 99 wurden von Branko Milanović im Rahmen persönlicher Korrespondenz zur Verfügung gestellt.
  13. Wie 80.000 Hours ist auch Giving What We Can ein Projekt der Effective Ventures-Gruppe, die sich aus der Effective Ventures Foundation und der Effective Ventures Foundation USA, Inc. zusammensetzt – zwei rechtlich eigenständigen Organisationen, die allerdings gemeinsam arbeiten.
  14. Nach Angaben der Weltbank betrug das BIP der USA im Jahr 2021 etwa 23,3 Billionen US-Dollar. 0,2 % davon sind 47 Milliarden US-Dollar (Daten abgerufen im März 2023). Bei einer Amtszeit von vier Jahren sind das 187 Milliarden Dollar. 
  15. Ob dies tatsächlich mehr Gutes bewirkt, hängt von den kontrafaktischen Gegebenheiten ab: was genau die andere Person sonst getan hätte, was du sonst tun würdest und was mit all den anderen Menschen passieren würde, deren Karrieren davon betroffen wären (z.B. die Person, die du in dem Job ersetzt). In unserer weiterführenden Artikelreihe erfährst du mehr darüber, wie kontrafaktische Betrachtungen unseren Blick darauf verändern, wie man Gutes bewirkt