EINFÜHRUNG: Warum sollte ich diesen Ratgeber lesen?

KAPITEL 6 – In welchen Jobs kann man am meisten Gutes bewirken?

Ansatz 1: Verdienen, um zu spenden

Ansatz 2: Ideen vermitteln

Ansatz 3: Forschung

Ansatz 4: Regierung und Politik

Ansatz 5: Organisationen aufbauen

Zusammenfassung unseres Ratgebers soweit

Übertragbares und fachliches Karrierekapital

Der gesamte Ratgeber in einer Minute

Wenn du mit deiner Karriere etwas bewirken willst, lautet ein erster Ansatzpunkt: Welche globalen Probleme verdienen die größte Aufmerksamkeit? Sollst du dich für Bildung, Klimawandel, Armutsbekämpfung oder etwas anderes einsetzen?

Der übliche Ratschlag lautet, das zu tun, was dich am meisten interessiert; und tatsächlich arbeiten die meisten Menschen dann an dem sozialen Problem, das ihnen als erstes begegnet.

Genau das hat auch unser Mitbegründer Ben getan. Mit 19 Jahren interessierte er sich am meisten für den Klimawandel. Hier ist er, durchaus künstlerisch in Szene gesetzt, auf einer Demo zu sehen:

Allerdings war seine Beschäftigung mit dem Klimawandel nicht das Ergebnis einer sorgfältigen Abwägung von Vor- und Nachteilen der Arbeit an verschiedenen Problemen. Vielmehr hat er, wie er selbst sagt, zufällig darüber gelesen und machte mit, weil er eine Schwäche für den wissenschaftlichen Charakter des Problems hatte.

Das Problem bei dieser Herangehensweise ist, dass du vielleicht zufällig über ein Themenfeld stolperst, das gar nicht so groß, wichtig oder einfach zu bewältigen ist. Außerdem: Wenn du zufällig vom Problem erfahren hast, wird es anderen womöglich genauso gehen; dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diesem Problem bereits viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, und du deshalb weniger bewirken kannst.

Wie kannst du nun diese Fehler vermeiden und mehr Gutes bewirken?

Wir haben drei Fragen entwickelt, die du dir stellen kannst, um herauszufinden, welche sozialen Probleme am dringendsten sind – und wo ein zusätzliches Jahr an Arbeit die größte Wirkung hat.

Sie basieren auf der Arbeit von Open Philanthropy,1 einer Stiftung, die über ein Milliardenvermögen verfügt, und dem Global Priorities Institute, einer Forschungsgruppe der Universität Oxford.

Du kannst diese drei Fragen zur Hand nehmen, um Bereiche zu vergleichen, in denen du dich engagieren könntest (z.B. Pandemieprävention, Risiken durch künstliche Intelligenz oder globale Gesundheit). Wenn du bereits in einem Bereich tätig bist, kannst du auch Projekte innerhalb dieses Bereichs vergleichen (etwa Forschung zu Malaria oder HIV).

Basierend auf einem xkcd-Comic

Lesezeit: 13 Minuten. Wenn du einfach nur wissen möchtest, welche Probleme unserer Meinung nach am dringendsten sind, kannst du auch direkt zum nächsten Kapitel der Serie springen. Du kannst dir auch die technischen Details unseres Frameworks anschauen (auf Englisch).

Zusammenfassung

Die drängendsten Probleme weisen wahrscheinlich eine gute Kombination der folgenden Eigenschaften auf:

  1. Größe: Welches Ausmaß hat das Problem? Wie sehr beeinträchtigt es das Leben der Menschen heute? Und noch wichtiger: Wie stark wird sich die Lösung des Problems langfristig auswirken (gegebenenfalls auch sehr, sehr langfristig)?
  2. Vernachlässigung: Wie viele Menschen arbeiten bereits an diesem Problem und wie viele Ressourcen werden dafür schon jetzt eingesetzt? Wie gut sind die derzeit eingesetzten Ressourcen verteilt? Gibt es gute Gründe dafür, dass Märkte oder Regierungen bei diesem Problem nicht richtig vorankommen?
  3. Lösbarkeit: Wie einfach wäre es, Fortschritte bei diesem Problem zu erzielen? Gibt es bereits wirksame Maßnahmen, um das Problem zu lösen, und wie gut sind diese belegt?

Um das Problem zu finden, an dem du arbeiten solltest, solltest du auch deine persönliche Eignung berücksichtigen. Könntest du dich dazu motivieren, an diesem Problem zu arbeiten? Wenn du dich in einer fortgeschrittenen Phase deiner Karriere befindest: Hast du relevante Kompetenzen?

Im nächsten Artikel erfährst du, wie wir dieses Framework angewendet haben.

1. Ist das Problem groß?

Wir neigen dazu, die Wichtigkeit unterschiedlicher sozialer Probleme anhand unserer Intuition zu bewerten, also danach, was uns aus dem Bauch heraus bedeutend erscheint.

Zum Beispiel schrieb die BBC im Jahr 2005:

In einigen Jahren werden alle Atomkraftwerke abgeschaltet. Wie können wir dafür sorgen, dass in Großbritannien das Licht nicht ausgeht? …ziehe das Ladegerät deines Handys aus der Steckdose, wenn du es nicht benutzt.

Das ärgerte den Physikprofessor David MacKay aus Cambridge dermaßen, dass er beschloss, herauszufinden, wie schlimm es wirklich ist, sein Ladegerät  eingesteckt zu lassen. Die Geschichte seines Versuchs kannst du hier nachlesen.

Das Ergebnis: Selbst wenn kein Handy-Ladegerät jemals wieder eingesteckt bliebe, würden die Briten höchstens 0,01 % ihres privaten Stromverbrauchs einsparen (von der industriellen Nutzung und dergleichen ganz zu schweigen). Selbst wenn die BBC-Kampagne hundertprozentig erfolgreich wäre, hätte sie also laut dieser kurzen Rechnung keinen spürbaren Effekt. MacKay sagte, es sei, „als würde man versuchen, die Titanic mit einem Teesieb zu bergen“.

Stattdessen hätten diese Anstrengungen dazu genutzt werden können, das Verhalten der Menschen so zu ändern, dass es ohne weiteres die 750-fache Auswirkung auf den Klimawandel hätte, zum Beispiel durch die Installation einer Hausdämmung.2

Jahrzehntelange Forschung belegt, dass wir Unterschiede in Größenordnungen intuitiv schlecht einschätzen können. Eine Studie hat zum Beispiel ergeben, dass die Menschen bereit sind, für die Rettung von 2.000 Vögeln vor Ölverschmutzungen genauso viel zu zahlen wie für die Rettung von 200.000 Vögeln, obwohl die zweite Option objektiv 100 Mal besser ist. Dies ist ein Beispiel für einen häufigen Fehler, der als „Missachtung des Maßstabs“ (engl. scope neglect) bezeichnet wird.

Um eine Vernachlässigung des Ausmaßes zu vermeiden, müssen wir für Vergleiche Zahlen heranziehen, auch wenn es nur grobe Schätzungen sind.

In einem früheren Kapitel haben wir gesagt, dass deine soziale Wirkung davon abhängt, inwieweit du anderen hilfst, besser zu leben. Nach dieser Definition hat ein Problem also ein größeres Ausmaß:

  • Wenn die Zahl der betroffenen Menschen größer ist
  • Wenn die Auswirkungen pro Person größer sind
  • Wenn die längerfristige Vorteile der Lösung größer sind

Das Ausmaß ist wichtig, weil die Wirkung der Arbeit an einem Problem oft proportional zum Ausmaß des Problems ist. Wenn du eine Kampagne startest, mit der du 10 % des Handyladegerät-Problems löst, erreichst du nur sehr wenig. Wenn du eine Kampagne startest, die 10 % der Menschen dazu bringt, ihr Haus zu dämmen, dann ist das schon eine Hausnummer.

Wenn uns die relative Wichtigkeit verschiedener Probleme in unserem Privatleben so wenig interessieren würde.

2. Ist das Problem vernachlässigt?

In einem früheren Kapitel haben wir gesehen, dass in den Industrieländern relativ viele Menschen im Gesundheitswesen arbeiten: Allein in Deutschland gab es in 2022 über 420.000 praktizierende Ärztinnen und Ärzte und die Gesundheitsausgaben sind hoch.3 Damit bleiben einer zusätzlichen Person, die im Gesundheitsbereich arbeitet, weniger Möglichkeiten, wirklich viel zu bewegen.

Der Gesundheit in armen Ländern wird jedoch viel weniger Aufmerksamkeit geschenkt, und das ist ein Grund, warum es möglich ist, für lediglich etwa 4.500 Euro ein Leben zu retten.

Je mehr Aufwand bereits für die Lösung eines Problems betrieben wird, desto schwieriger ist es für dich, erfolgreich zu sein und einen bedeutenden Beitrag zu leisten. Grund hierfür ist der sinkende Grenzertrag.

Wenn du Früchte von einem Baum pflückst, fängst du mit denen an, die am leichtesten zu erreichen sind. Das sind die „niedrig hängenden Früchte“ – ein Anglizismus, der inzwischen auch im Deutschen häufig Verwendung findet. Sind diese erstmal gepflückt, wird es immer schwieriger, eine Mahlzeit zu ergattern.

Das Gleiche gilt auch für die soziale Wirkung. Wenn nur wenige Menschen an einem Problem gearbeitet haben, gibt es in der Regel vielversprechende Möglichkeiten, Fortschritte zu erzielen. Je mehr Arbeit bereits geleistet wurde, desto schwieriger wird es, innovativ zu sein und eine große Wirkung zu erzielen. Das sieht in etwa so aus:

Sinkende Grenzerträge bei steigendem Aufwand: wie aus dem Wirtschaftslehrbuch.

Die Probleme, über die deine Freunde reden und an denen sie arbeiten wollen, sind vermutlich genau die, auf die sich alle anderen bereits konzentrieren. Es sind also nicht die vernachlässigten Probleme, und wahrscheinlich auch nicht die dringendsten. Und die Probleme, bei denen du am meisten bewirken kannst, liegen wahrscheinlich in Bereichen, an die du noch nie gedacht hast.

Wir alle kennen den Kampf gegen Krebs, aber was ist mit parasitären Würmern? Diese winzigen Lebewesen haben weltweit eine Milliarde Menschen mit vernachlässigten Tropenkrankheiten infiziert.4 Diese Krankheiten sind viel einfacher zu behandeln als Krebs, aber wir hören nie davon, weil sie nur selten reiche Menschen befallen.

Statt dem Trend zu folgen, solltest du nach Problemen suchen, die andere Menschen systematisch übersehen. Zum Beispiel:

  1. Betrifft das Problem eher vernachlässigte Gruppen wie zum Beispiel Menschen am anderen Ende der Welt, nichtmenschliche Tiere oder zukünftige Generationen?
  2. Ist das Problem ein Ereignis mit geringer Wahrscheinlichkeit, das vielleicht übersehen wird?
  3. Wissen nur wenige Menschen von dem Problem?

Es ist gar nicht so einfach, diesen Ratschlag zu befolgen, denn es bedeutet, sich von der Masse abzuheben, und damit macht man womöglich einen etwas seltsamen Eindruck.5

„Wir wollen Crystal Pepsi wiederhaben?“ OK, dieses Problem ist tatsächlich vernachlässigt, aber Vernachlässigung ist nicht das einzige Kriterium.

3. Ist das Problem lösbar?

Scared Straight ist ein Programm, bei dem straffällig gewordene Jugendliche Gefängnisse besuchen und verurteilte Straftäter treffen — sie sehen dabei, was ihnen droht, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern. Das Konzept war nicht nur als soziales Programm beliebt, sondern auch als Unterhaltung; es wurde sowohl für einen gefeierten Dokumentarfilm als auch für eine Fernsehshow adaptiert, die bei ihrer Premiere Quotenrekorde brach.

Es gibt nur ein Problem mit Scared Straight: Das Programm führt wahrscheinlich dazu, dass junge Menschen mehr Straftaten begehen.

Genauer gesagt: Die Jugendlichen, die das Programm durchliefen, begingen weniger Straftaten als zuvor, also sah es oberflächlich betrachtet nach einem Erfolg aus. Aber der Rückgang war geringer als bei vergleichbaren Jugendlichen, die nicht an dem Programm teilgenommen haben.

Der Effekt ist so erheblich, dass nach Schätzungen des Washington State Institute for Public Policy jeder für Scared Straight-Programme ausgegebene Dollar einen sozialen Schaden von mehr als 200 Dollar verursacht.6 Wir halten diesen Wert für etwas zu pessimistisch, aber trotzdem scheint das Programm ein großer Fehler zu sein.

Niemand kennt den genauen Grund dafür, aber möglicherweise haben die Jugendlichen gemerkt, dass das Leben im Gefängnis nicht so schlimm ist, wie sie dachten, oder sie fanden die Kriminellen beeindruckend statt abschreckend.

Es gibt Ansätze wie Scared Straight, die Gutes bewirken wollen, aber die Situation verschlimmern. Viele andere sind einfach wirkungslos. David Anderson von der Coalition for Evidence Based Policy schreibt:

Von sozialen Programmen, die gründlich evaluiert wurden, haben die meisten (vielleicht 75 % oder mehr) nur geringe oder gar keine Auswirkungen, in einigen Fällen sogar negative. Das gilt selbst für Programme, die von Expert:innen unterstützt oder weniger gründlich evaluiert wurden.

Das bedeutet: Wenn du dich entscheidest, eine Wohltätigkeitsorganisation zu unterstützen, ohne dir die Evidenz anzuschauen, wirst du höchstwahrscheinlich keine Wirkung erzielen.

Schlimmer noch: Es ist sehr schwer, im Voraus zu sagen, welche Programme effektiv sein werden. Du glaubst das nicht? In diesem 10-Fragen-Quiz (auf Englisch) kannst du versuchen einzuschätzen, was effektiv ist und was nicht:

Zum Quiz

In diesem Quiz musst du sagen, welche sozialen Interventionen funktionieren und welche nicht. Wir haben es mit Hunderten von Menschen getestet, und die Ergebnisse sind kaum besser als beim Raten.

Bevor du dich also entscheidest, an einem sozialen Problem zu arbeiten, solltest du dich fragen:

  1. Gibt es einen Ansatz, um bei diesem Problem Fortschritte zu erzielen, der auf belastbaren Erkenntnissen beruht? Zum Beispiel haben viele Studien gezeigt, dass Malaria-Netze Malaria verhindern.
  2. Oder gibt es eine Möglichkeit, vielversprechende, aber unzureichend belegte Programme zu testen, die zur Lösung dieses Problems beitragen könnten, um herauszufinden, ob sie tatsächlich funktionieren?
  3. Ist es ein Problem, bei dem es eine kleine, aber durchaus realistische Chance gibt, eine große Wirkung zu erzielen? Zum Beispiel, katastrophale Pandemien durch bessere Politik zu stoppen.

Wenn die Antwort auf all diese Fragen „Nein“ lautet, dann ist es wahrscheinlich am besten, sich nach etwas anderem umzusehen.

(Lies mehr darüber, ob man tatsächlich sagen kann, dass die meisten sozialen Programme nicht funktionieren).

Scared Straight zeigte straffälligen Jugendlichen das Leben im Gefängnis, um sie von Verbrechen abzuschrecken. Der einzige Haken an der Sache: Dadurch stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sie Straftaten begehen. Bild mit freundlicher Genehmigung von A&ETV Beyond Scared Straight

Finde die optimale Mischung

Es ist unwahrscheinlich, dass du etwas findest, das in allen drei Dimensionen perfekt abschneidet. Suche stattdessen nach der besten Mischung. Ein sehr großes und vernachlässigtes Problem kann die Mühe wert sein, auch wenn es schwer zu lösen scheint. Alle Einzelheiten zu diesem Framework findest du in einem ausführlichen Artikel, in dem auch erklärt wird, wie du deine eigenen Vergleiche anstellen kannst.

Deine persönliche Eignung und Kompetenz

Es hat keinen Sinn, an einem Problem zu arbeiten, wenn du keine Aufgaben findest, die zu dir passen: Du wirst weder zufrieden sein noch viel bewirken können.

Während es also eine gute Idee ist, ein Problem zu finden, das in einer guten Kombination groß, vernachlässigt und lösbar ist, solltest du auch eine bestimmte Rolle finden, die gut zu dir passt.

Wie wir noch sehen werden, ist die persönliche Eignung so wichtig, dass es oft besser ist, sich auf einen Bereich zu konzentrieren, den du für weniger dringlich hältst, wenn er gut zu dir passt.

Zu Beginn deiner Karriere reicht eine vage Vorstellung davon, an welchen Problemen du in Zukunft arbeiten möchtest. Dein Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, herauszufinden, was du gut kannst, und dir Fähigkeiten anzueignen, die später nützlich sein könnten — das behandeln wir in den nächsten beiden Kapiteln. Später kannst du diese Fähigkeiten nutzen, um die Probleme zu lösen, die dann am dringendsten sind.

Wenn du bereits Expertise in einem bestimmten Fachgebiet gesammelt hast, solltest du dich darauf konzentrieren, dieses Wissen zur Lösung eines dringenden Problems einzusetzen. Es wäre zum Beispiel nicht sonderlich sinnvoll, wenn eine Top-Ökonomin sich plötzlich als Biologin verdingt. Viel eher gibt es eine Möglichkeit, die Wirtschaftswissenschaft auf die Probleme anzuwenden, die sie für besonders dringend hält. Außerdem kann man das Framework nutzen, um Teilbereiche abzuwägen (z.B. Entwicklungsökonomie vs. Arbeitsmarktpolitik).

Und was sind die dringendsten Probleme der Welt?

Was sind die größten Probleme der Welt, über die niemand spricht und die lösbar sind? Darum geht es im nächsten Kapitel.


Fußnoten

  1.  Open Philanthropy ist der größte Geldgeber von 80.000 Hours, der Organisation, die diesen Ratgeber ursprünglich geschrieben und veröffentlicht hat. ↩︎
  2.  Im Jahr 2008, als MacKay sein Experiment durchführte, verbrauchte die durchschnittliche Person in Großbritannien etwa 120 kWh pro Tag; in 2022 waren es etwa 80 kWh pro Tag. In Deutschland waren die Werte ca. 20 % höher im Jahr 2008 und ca. 30 % höher im Jahr 2022.

    Quellen: Abbildung 1.12, Sustainable Energy Without the Hot Air, von David MacKay, 2008, archivierter Link, abgerufen am 14.04.2017.
    Primärenergieverbrauch pro Kopf (kWh/Person), Our World in Data, 2022, archivierter Link, abgerufen am 17.02.2022.
    Das Heizen eines ungedämmten Einfamilienhauses verbraucht etwa 53 kWh pro Tag. Durch die Dämmung von Dachboden und Wänden sinkt dieser Wert um 44 % auf 30 kWh pro Tag. Wenn man davon ausgeht, dass in einem Einfamilienhaus durchschnittlich 2,5 Personen leben, bedeutet das eine Reduzierung des Energieverbrauchs pro Person um 23/(120 x 2,5) = 7,5 %. Wenn das Abziehen von ungenutzten Ladegeräten den privaten Energieverbrauch um weniger als 0,01 % senkt, dann ist die Dämmung eines Hauses 750-mal wichtiger. Außerdem kann sie deine Heizkosten um 44 % senken, was je nach Preis der Dämmung langfristig Geld sparen kann.

    Quelle: Abbildung 21.3, Sustainable Energy Without the Hot Air, von David MacKay, 2008, archivierter Llink, abgerufen am 14.04.2017. ↩︎
  3.  Quelle: Statista, abgerufen am 19.11.2023. ↩︎
  4. Vernachlässigte tropische Krankheiten (im Englischen neglected tropical diseases (NTDs)) gehören zu den armutsassoziierten Tropenkrankheiten. Einerseits werden sie nicht ausreichend beachtet, obwohl sie weit verbreitet sind und zu schweren und langandauernden Erkrankungen führen. Zum anderen betreffen sie insbesondere den ärmsten Teil der Bevölkerung in ohnehin armen Ländern. Diese Menschen haben meist keinen Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung. Auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu einer ausreichenden Ernährung ist oft nicht gegeben. NTDs werden daher häufig auch als „Indikatoren“ für vernachlässigte Populationen bezeichnet: Wo NTDs auftreten, fehlt es den betreffenden Menschen an wesentlichen Lebensgrundlagen.
    Quelle: Deutsches Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten, abgerufen am 19.11.2023 ↩︎
  5.  Manchmal kann es tatsächlich auch Gründe für steigende Grenzerträge geben, vor allem innerhalb von Organisationen. Aber wir sind der Meinung, dass sinkende Grenzerträge der Regelfall sind. ↩︎
  6.  Eine Meta-Analyse der Campbell Collaboration, einer führenden Organisation zur Bewertung der Wirksamkeit sozialpolitischer Maßnahmen, kam zu folgendem Schluss:

    ERGEBNISSE
    Die Analysen zeigen, dass die Intervention schädlicher ist als Untätigkeit. Unabhängig von der gewählten Strategie der Meta-Analyse war der Effekt des Programms bei der Annahme eines Modells mit festen oder zufälligen Effekten nahezu identisch und hatte eine negative Richtung.

    SCHLUSSFOLGERUNGEN
    Wir kommen zu dem Schluss, dass Programme wie Scared Straight wahrscheinlich eine schädliche Wirkung haben und die Delinquenz im Vergleich zur Untätigkeit gegenüber denselben Jugendlichen erhöhen. Angesichts dieser Ergebnisse können wir dieses Programm nicht als Strategie zur Verbrechensprävention empfehlen. Behörden, die solche Programme zulassen, sollten sie demnach streng evaluieren — nicht nur, um sicherzustellen, dass sie ihren erklärten Zweck (Verbrechen zu verhindern) erfüllen, sondern auch, damit sie den Bürgern, die sie zu schützen versprechen, nicht mehr schaden als nutzen.

    Link, kompletter Bericht als archiviertes PDF, abgerufen am 27.04.2017.

    Im Rahmen einer Untersuchung amerikanischer Sozialprogramme wurde eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt, die zu dem Ergebnis kam, dass pro 1 Dollar, der in Scared Straight investiert wurde, 203 Dollar an sozialen Kosten entstanden sind (siehe Tabelle 1 in der Quelle). Dabei muss man allerdings beachten, dass diese Schätzung schon recht alt ist und daher überholt sein könnte. Außerdem sind wir generell skeptisch bei sehr großen Unterschieden zwischen Kosten und Nutzen; daher bezweifeln wir, dass das wahre Verhältnis so hoch ist. Trotzdem scheint das Programm eine katastrophale Verwendung von Ressourcen gewesen zu sein.

    Archivlink, abgerufen am 31.03.2016. ↩︎