Inhaltsverzeichnis des Karriereratgebers

EINFÜHRUNG: Warum sollte ich diesen Ratgeber lesen?

KAPITEL 6 – In welchen Jobs kann man am meisten Gutes bewirken?
Ansatz 1: Verdienen, um zu spenden
Häufige Einwände gegen das Verdienen, um zu spenden
Ansatz 2: Ideen vermitteln
Ansatz 3: Forschung
Ansatz 4: Regierung und Politik
Ansatz 5: Organisationen aufbauen
Weitere Ideen für wirkungsvolle Karrieren
Welcher Ansatz ist der richtige für dich?
Fazit: Bei welchem Job kannst du am meisten bewirken?
Zusammenfassung unseres Ratgebers soweit

KAPITEL 7 – Welche Jobs verschaffen dir langfristig die besten Chancen?
Warum Karrierekapital so wichtig ist
Fünf Bestandteile von Karrierekapital
Welche Fähigkeiten werden in Zukunft am wertvollsten sein?
Konkrete Schritte zum Aufbau von Karrierekapital
Übertragbares und fachliches Karrierekapital
Solltest du warten, um mehr zu bewirken?
Fazit

Kapitel 8 – Wie du den richtigen Beruf für dich findest
Gut in deinem Job zu sein ist wichtiger als du denkst
Warum Introspektion, Bauchgefühl und Karrieretests nicht funktionieren
Was funktioniert laut Forschung tatsächlich?
Denke wissenschaftlich – Finde den richtigen Job.
Wie viel solltest du in deiner Berufslaufbahn ausprobieren?
Fazit

Seit mehr als 10 Jahren suchen wir Antworten auf eine einfache Frage: Was sind die größten und am meisten vernachlässigten Probleme der Welt? 

Wir wollten mit unseren Karrieren etwas bewirken und machten uns deswegen daran, herauszufinden, wo unsere Bemühungen am effektivsten wären. Unsere Analyse zeigt, dass die Wahl des richtigen Problems deinen Einfluss um das 100-fache erhöhen kann und damit der wichtigste Faktor für deine Wirkung auf die Welt ist.

Hier fassen wir zusammen, was wir gelernt haben. Im Folgenden erfährst du, warum das Ausmerzen von Durchfallerkrankungen so viele Menschenleben retten könnte wie der Weltfrieden, warum künstliche Intelligenz vielleicht sogar noch wichtiger ist und was du in deiner eigenen beruflichen Laufbahn tun kannst, um die dringendsten Veränderungen herbeizuführen.

Kurz gesagt: Die dringlichsten Probleme sind die, bei denen wir durch unsere Arbeit die größte Wirkung erzielen können. Wie wir im vorherigen Kapitel erklärt haben, sind das Probleme, die nicht nur groß, sondern auch vernachlässigt und lösbar sind; je vernachlässigter und lösbarer sie sind, desto mehr erreicht man durch zusätzliche Anstrengungen. Und diese dringlichsten Probleme sind meist nicht die offensichtlichen Themen, die uns als erstes in den Sinn kommen.

Wenn du einfach nur unsere Antworten sehen willst, sieh dir die Liste der dringendsten globalen Probleme an.

Lesezeit: 25 Minuten

Warum die Probleme der reichen Länder nicht immer die wichtigsten sind – und warum Nächstenliebe nicht immer zu Hause beginnen sollte

Die meisten Menschen, die Gutes tun wollen, konzentrieren sich auf Probleme in ihrem Heimatland. In reichen Ländern sind das oft Themen wie Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit oder Problemschulen. Aber sind das wirklich die drängendsten Probleme?

Es gibt gute Gründe, sich im eigenen Land zu engagieren – man kennt die Probleme besser und fühlt sich vielleicht besonders verantwortlich. Im Jahr 2009 sind wir jedoch auf eine Reihe von Fakten gestoßen, die uns davon überzeugt haben, dass die drängendsten Probleme nicht im eigenen Land liegen, sondern mit der Not in den ärmsten Ländern der Welt zusammenhängen – vor allem im Gesundheitsbereich, z.B. bei der Bekämpfung von Malaria und parasitären Würmern. (Und wie wir weiter unten ausführen werden, glauben wir heute, dass es noch dringlichere Probleme als die globale Armut gibt – insbesondere katastrophale Risiken, die die ganze Welt und die Zukunft der Menschheit betreffen könnten). 

Warum sagen wir, dass die drängendsten Probleme nicht vor unserer Haustür liegen? Hier ist eine wirklich beeindruckende Statistik, auf die wir bei unseren Recherchen gestoßen sind.

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Selbst jemand, der in Deutschland an der Armutsgrenze (ca. 14.000 Euro pro Jahr in 2022) lebt, ist reicher als etwa 90 % der Weltbevölkerung und etwa 25-mal reicher als die ärmsten 650 Millionen Menschen, die vor allem in Mittelamerika, Afrika und Südasien leben und weniger als 800 US-Dollar pro Jahr zur Verfügung haben. Diese Zahlen sind bereits um die Tatsache bereinigt, dass Geld in armen Ländern mehr wert ist (Kaufkraftparität).1

Wie wir in einem früheren Kapitel gesehen haben, macht sich mehr Geld umso stärker bemerkbar, je ärmer du bist. Da die ärmeren Menschen in Afrika etwa 25-mal so arm sind, würden wir erwarten, dass die Mittel ihnen 25-mal mehr helfen.

Außerdem leben in Deutschland nur etwa 12 Millionen Menschen unterhalb der (relativ definierten) Armutsgrenze; das sind etwa 55-mal weniger als die 650 Millionen Menschen, die weltweit in extremer Armut leben.2

Für die Unterstützung dieser kleineren Zahl von Menschen werden auch wesentlich mehr Mittel eingesetzt. Insgesamt beläuft sich die Entwicklungshilfe der Industrieländer auf nur rund 200 Milliarden Euro pro Jahr, während der Staat allein in Deutschland über 500 Milliarden Euro für soziale Unterstützung ausgibt.3

Und wie wir bereits gesehen haben, funktioniert ein großer Teil der sozialen Eingriffe in den USA wahrscheinlich nicht. Das liegt daran, dass die Probleme der Armen in reichen Ländern komplex und schwer zu lösen sind. Außerdem sind selbst die am besten belegten Maßnahmen teuer und haben nur eine geringe Wirkung.

Das gilt auch für andere reiche Länder wie Deutschland und die übrige EU, Großbritannien, Australien oder Kanada. (Wenn du allerdings in einem Land mit niedrigem Einkommen lebst, ist es vielleicht besser, sich auf die Probleme dort zu konzentrieren). 

Das alles ändert nichts daran, dass die Armen in reichen Ländern ein sehr hartes Leben haben, in mancher Hinsicht vielleicht sogar schlimmer als die Armen in Entwicklungsländern. Der Punkt ist vielmehr, dass es viel weniger von ihnen gibt und dass es schwieriger ist, ihnen zu helfen.

Wenn du dich also nicht auf die Probleme im eigenen Land konzentrieren solltest, worauf dann?

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Jay-Z mag 99 Probleme haben – aber welches davon ist das drängendste?

Globale Gesundheit: ein Problem, bei dem echte Fortschritte möglich sind

In einem früheren Kapitel haben wir die Geschichte von Dr. Nalin erzählt, der an der Entwicklung der oralen Rehydratationslösung zur Behandlung von Durchfallerkrankungen beteiligt war.

Das Erstaunliche ist: Selbst wenn sie stattdessen den Weltfrieden herbeigeführt hätten, hätten Dr. Nalin und andere damit nicht mehr Leben gerettet.

Die Zahl der Todesfälle durch Durchfallerkrankungen ist in den letzten fünf Jahrzehnten dank Fortschritten wie der oralen Rehydrationstherapie um 3 Millionen pro Jahr gesunken.

Währenddessen starben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in allen Kriegen und bei politisch bedingten Hungersnöten etwa 2 Millionen Menschen pro Jahr.4

Und wir haben ähnliche Erfolge bei der Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten erzielt.

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Die weltweite Bekämpfung von Krankheiten ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit, aber es ist ein ständiger Kampf, zu dem auch du mit deiner Karriere beitragen kannst.

Ein großer Teil dieser Erfolge ist der humanitären Hilfe zu verdanken, wie z.B. die Ausrottung der Pocken.5 Auch wenn viele Ökonomen der Meinung sind, dass internationale Entwicklungshilfe in großen Teilen nicht viel bewirkt hat, sind sich selbst die größten Skeptiker einig, dass es eine Ausnahme gibt: die globale Gesundheit.

William Easterly, Autor des Buches Wir retten die Welt zu Tode, schrieb:

Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche: die Erfüllung der offensichtlichen Bedürfnisse der Armen durch Impfstoffe, Antibiotika, Nahrungsergänzungsmittel, verbessertes Saatgut, Düngemittel, Straßen… Es geht nicht darum, die Armen von Almosen abhängig zu machen, sondern darum, den Ärmsten die Gesundheit, die Ernährung, die Bildung und andere Dinge zukommen zu lassen, die ihre eigenen Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Lebensumstände lohnender machen.

Worauf sollte man sich im Gesundheitsbereich konzentrieren? Ein Ökonom der Weltbank schickte uns Daten, die auch uns verblüfften.

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Kosteneffizienz von Gesundheitsmaßnahmen, ermittelt im Rahmen des Disease Controls Priorities Project 2. Im Artikel von 80.000 Hours über diese Daten findest du weitere Erklärungen.

Das ist eine Liste von Gesundheitsleistungen, wie z.B. Tuberkulosemedikamenten oder Operationen, die danach geordnet sind, wie viel Gesundheit sie pro Dollar bringen, gemessen in hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien. Die Gesundheit wird in einer Standardeinheit gemessen, die von Gesundheitsökonomen verwendet wird: dem „qualitätskorrigierten Lebensjahr„.

Das ist eine Liste von Gesundheitsleistungen, wie z. B. Tuberkulosemedikamenten oder Operationen, die danach geordnet sind, wie viel Gesundheit sie pro Dollar bringen, gemessen in hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien. Die Gesundheit wird in einer Standardeinheit gemessen, die von Gesundheitsökonomen verwendet wird: dem „qualitätskorrigierten Lebensjahr„.

Zunächst einmal sind alle diese Maßnahmen wirksam. In Ländern wie Deutschland oder Großbritannien würden praktisch alle von ihnen finanziert werden. Menschen in armen Ländern sterben jedoch routinemäßig an Krankheiten, die sicher behandelt worden wären, wenn sie zufällig anderswo geboren worden wären.

Noch überraschender ist jedoch, wie viel besser die besten Maßnahmen verglichen mit dem Durchschnitt sind, wie die Spitze auf der rechten Seite zeigt. Die besten Maßnahmen, wie z.B. Impfungen, haben nachweislich einen erheblichen Nutzen, sind aber auch extrem billig. Die beste Maßnahme ist mehr als 10-mal kosteneffizienter als der Durchschnitt und 15.000-mal kosteneffizienter als die schlechteste Maßnahme.6 Das bedeutet, dass die Arbeit in einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich auf eine der besten Maßnahmen konzentriert, zehnmal so viel Wirkung erzielt wie bei einer Organisation, die eine zufällig ausgewählte Maßnahme fördert.

Diese Studie ist nicht perfekt – es gab Fehler in der Analyse, die sich auf die Top-Ergebnisse auswirkten (was aufgrund der Regression zum Mittelwert auch zu erwarten wäre) – aber der Kernpunkt bleibt gültig: Die besten Gesundheitsmaßnahmen sind um ein Vielfaches effektiver als der Durchschnitt.

Wie viel mehr könntest du also mit deiner Karriere bewirken, wenn du dich auf die globale Gesundheit konzentrierst?

Wie wir im ersten Diagramm gesehen haben, sind die ärmsten Menschen auf der Welt mindestens 25-mal so arm wie die Armen in reichen Ländern, und die gleichen Ressourcen können ihnen entsprechend stärker helfen.7

Wenn wir uns auf die Gesundheit konzentrieren, gibt es billige, wirksame Maßnahmen, über deren Nutzen sich alle einig sind. Anhand der Forschungsergebnisse in der zweiten Grafik können wir die besten Maßnahmen auswählen und damit vielleicht zusätzlich fünfmal mehr bewirken.8 Insgesamt ergibt sich so ein 100-facher Unterschied in der Wirkung.9

Kommt das hin? Der britische Gesundheitsdienst NHS und viele US-Behörden sind bereit, mehr als 30.000 Dollar auszugeben, um jemandem ein zusätzliches gesundes Jahr zu schenken.10 Unter normalen Umständen ist das ein fantastischer Einsatz von Ressourcen.

GiveWell hat jedoch festgestellt, dass man einem Säugling ein Jahr lang ein gesundes Leben schenken kann, wenn man etwa 100 Euro an eine der kosteneffizientesten Hilfsorganisationen für globale Gesundheit wie die Against Malaria Foundation (AMF) spendet. Das ist etwa 300-mal weniger.11 Daraus lässt sich schließen, dass eine Karriere bei einer Organisation wie der AMF zumindest in Bezug auf die Verbesserung der Gesundheit so viel bewirken kann wie 300 „klassische“ Karrieren, die in einem reichen Land Gutes tun. (Wir vermuten allerdings, dass ein stringenterer und umfassenderer Vergleich einen etwas geringeren Unterschied ergeben würde.)12

Uns fällt es oft schwer, sich derart große Unterschiede vorzustellen – aber es würde im Endeffekt bedeuten, dass ein Jahr Arbeit an den besten Maßnahmen im Bereich der globalen Gesundheit genauso viel bewirken könnte wie 100 Jahre gleichermaßen qualifizierter Arbeit an den typischen Problemen reicher Länder.

Diese Erkenntnisse haben viele von dazu veranlasst, mindestens 10 % ihres Einkommens an wirksame Hilfsorganisationen im Bereich der globalen Gesundheit zu spenden. Egal, in welchem Job wir landen: Mit diesen Spenden können wir viel bewirken. Wenn die Annahme eines 100-fachen Unterschieds stimmt, wäre eine Spende von 10 % gleichbedeutend damit, 1.000 % unseres Einkommens an Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden, die sich auf die Armut in reichen Ländern konzentrieren.

In diesem ausführlichen Steckbrief erfährst du mehr darüber, wie du einen Beitrag zur Arbeit an globaler Gesundheit leisten kannst.

Doch alles, was wir über globale Gesundheit gelernt haben, warf viele weitere Fragen auf. Wenn es möglich ist, nach ein wenig Recherche 10- oder 100-mal mehr Wirkung zu erzielen, gibt es dann vielleicht noch bessere Möglichkeiten zu entdecken?

Wir haben uns viele Ansätze angeschaut, um den Armen weltweit zu helfen, z.B. durch Handelsreformen, die Förderung der Migration, Forschung zu Ernteerträgen oder biomedizinische Forschung.

Oder, um eine ganz andere Richtung zu nehmen: Wir haben auch intensiv darüber nachgedacht, uns für ein Ende der Massentierhaltung einzusetzen. Die Idee dahinter ist, dass die Interessen der Tiere in unserem derzeitigen wirtschaftlichen und politischen System kaum geschützt werden, obwohl es eine riesige Anzahl von Tieren gibt: Rund 100 Milliarden von ihnen sterben jedes Jahr in der Massentierhaltung. Wir haben zum Beispiel Animal Charity Evaluators mitgegründet, eine Organisation, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man den Tierschutz am effektivsten verbessern kann. Wir halten die Massentierhaltung immer noch für ein dringendes Problem, wie wir in unserem ausführlichen Steckbrief erklären. Aber am Ende haben wir beschlossen, uns auf etwas anderes zu konzentrieren.

Warum der Einsatz für künftige Generationen vielleicht sogar effektiver ist als die Bewältigung globaler Gesundheitslasten

Welche dieser beiden Möglichkeiten würdest du wählen?

  • Verhindern, dass eine Person im nächsten Jahr leidet.
  • Verhindern, dass 100 Menschen in 100 Jahren (in gleichem Maße) leiden.

Die meisten Menschen entscheiden sich für die zweite Option. Das ist ein primitives Beispiel, aber es zeigt, dass zukünftige Generationen zählen.

Wenn einem egal wäre, was man künftigen Generationen hinterlässt, wäre es schwer zu verstehen, warum wir so viel in die Wissenschaft investieren, Kunst schaffen und die Umwelt schützen.

Wir würden uns definitiv für die zweite Option entscheiden. Und wenn dir künftige Generationen wichtig sind, dann gibt es gute Argumente dafür, dass du dich auf sie konzentrieren solltest. Wir haben diese Argumente zum ersten Mal von Forschern des (bescheiden benannten) Future of Humanity Institute (also des „Instituts für die Zukunft der Menschheit“) der Universität Oxford gehört.

Also: Was sind die Argumente?

Erstens: Zukünftige Generationen sind zwar wichtig, aber sie können nicht wählen, sie können keine Dinge kaufen und sie können sich nicht selbst für ihre Interessen einsetzen. Das heißt, dass unser System sie vernachlässigt. Das sieht man etwa daran, dass es uns nicht gelungen ist, ein wirklich funktionierendes internationales Abkommen zur Bekämpfung des Klimawandels zu schließen.

Zweitens ist ihr Leid abstrakt. Themen wie globale Armut und Massentierhaltung begegnen uns häufig – aber wir können uns nicht so leicht vorstellen, wie künftiges Leid aussieht. Kommende Generationen sind mehr auf unsere Unterstützung angewiesen, aber es kann uns schwer fallen, diese zu leisten.

Drittens wird es in der Zukunft wahrscheinlich viel mehr Menschen geben als heute. Die Erde wird noch mindestens Hunderte von Millionen Jahren bewohnbar sein.13 Vielleicht sterben wir schon lange vorher aus, aber wenn die Chance besteht, dass wir überleben, dann wird es in Zukunft noch viel mehr Menschen geben.

Um ein paar hypothetische Zahlen zu verwenden: Wenn wir 100 Jahre pro Generation annehmen, könnte es innerhalb von 100 Millionen Jahren eine Million zukünftiger Generationen geben.14

Das ist eine so große Zahl, dass jedes Problem künftiger Generationen potenziell ein weitaus größeres Ausmaß hat als eines, das nur die Gegenwart betrifft – es könnte eine Million Mal mehr Menschen betreffen, all die Kunst, Wissenschaft, und Kultur, die sie erschaffen würden, und auch ihr Wohlergehen. Daher sind Probleme, die künftige Generationen betreffen, potenziell die größten und am meisten vernachlässigten.

Da die Zukunft sehr lange dauern könnte, und das Universum unglaublich groß ist, gilt: Was auch immer für dich wichtig ist – in der Zukunft könnte es noch viel mehr davon geben. 

Das legt nahe, dass wir meist stark unterschätzen, wie wichtig es ist, die Zukunft zu fördern – und zwar nicht nur die nahe Zukunft, sondern auch die sehr langfristige. (Auf diese Ideen gehen wir in einem separaten Artikel näher ein.)

Aber können wir den zukünftigen Generationen wirklich helfen oder die Zukunft langfristig verbessern? Vielleicht sind die Probleme, die die Zukunft betreffen, groß und vernachlässigt, aber nicht lösbar?

Eine Möglichkeit, künftigen Generationen zu helfen: Vernachlässigte existenzielle Risiken abwenden

Im Sommer 2013 bezeichnete Barack Obama den Klimawandel als „die globale Bedrohung unserer Zeit“. Und er ist mit dieser Meinung nicht allein. Wenn Menschen an die größten Probleme denken, die auf künftige Generationen zukommen, fällt vielen als erstes der Klimawandel ein.

Ein Grund dafür ist, dass viele befürchten, dass der Klimawandel zu einem katastrophalen Zivilisationskollaps führen und möglicherweise sogar das Ende der menschlichen Spezies bedeuten könnte.15

Wir denken, dass dieser Gedanke bis zu einem gewissen Grad richtig ist. Wir glauben, dass wir künftigen Generationen am besten helfen können, indem wir eine Katastrophe verhindern, die unsere moderne Zivilisation oder sogar die Menschheit als Ganzes auslöschen könnte. Wenn die Zivilisation fortbesteht, haben wir später die Chance, Probleme wie Armut und Krankheit zu lösen; aber jede wirklich existenzielle Bedrohung verhindert solche Fortschritte. (Wir erläutern an anderer Stelle, wie wichtig es ist, existenzielle Risiken zu verringern.)

Andererseits wird der Klimawandel allgemein als großes Problem anerkannt (von Verschwörungstheoretikern einmal abgesehen), in das Dutzende oder sogar Hunderte von Milliarden Euro investiert werden. Wir gehen außerdem davon aus, dass es Probleme gibt, die ein viel größeres Risiko für die Zivilisation mit sich bringen.

Während wir also denken, dass die Bekämpfung des Klimawandels ein wichtiger Weg ist, um zukünftigen Generationen zu helfen, sind wir der Meinung, dass es für viele wahrscheinlich eine noch größere Wirkung hat, sich auf vernachlässigtere und existenziell gefährlichere Themen zu konzentrieren.

(Mehr über die Risiken des Klimawandels kannst du in diesem ausführlichen Steckbrief lesen).

Biosicherheit: Die Bedrohung durch künftige Krankheiten 

Im Jahr 2006 bestellte die britische Zeitung Guardian per Post DNA-Segmente von Pocken. Würden sie zu einem vollständigen Strang zusammengefügt und auf zehn Menschen übertragen, könnten sich laut einer Studie innerhalb von 180 Tagen bis zu 2,2 Millionen Menschen infizieren (was 660.000 Menschen das Leben kosten könnte), wenn die Behörden nicht schnell mit Impfungen und Quarantäne reagieren würden.16

Smallpox
Bildquelle: The Guardian

Wir haben 2016 zum ersten Mal über die Risiken von verheerenden Pandemien geschrieben. Sieben Jahre später und drei Jahre nach dem Ausbruch von COVID-19 sind wir immer noch besorgt.

COVID hat die Welt erschüttert und bisher über 10 Millionen Menschen getötet. Aber es ist leicht, sich weitaus schlimmere Szenarien vorzustellen.

In Zukunft könnten wir mit Krankheiten konfrontiert werden, die noch tödlicher sind als COVID-19 oder die Pocken – sei es durch natürliche Evolution oder durch Bioengineering (die entsprechenden Technologien werden jedes Jahr billiger und leichter zugänglich).

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Pandemie in den nächsten hundert Jahren mehr als 100 Millionen Menschen tötet, ist aus unserer Sicht mindestens so hoch wie das Risiko eines Atomkrieges oder eines ungebremsten Klimawandels – wahrscheinlich sogar höher. Es handelt sich also um eine mindestens ebenso große Bedrohung für die Menschen von heute und für künftige Generationen. 

Aber trotz COVID wird das Risiko von Pandemien immer noch viel stärker vernachlässigt als das von Atomwaffen oder Klimawandel. Wir schätzen, dass jährlich mehr als 600 Milliarden Euro für die Bekämpfung des Klimawandels ausgegeben werden, verglichen mit 1 bis 10 Milliarden Euro für die Bekämpfung der schlimmsten Pandemien (Biosicherheit).

Außerdem gibt es einige Szenarien, in denen die Risiken von Pandemien noch größer sein könnten. Es scheint kaum möglich zu sein, dass ein Atomkrieg oder der Klimawandel wirklich alle Menschen und damit auch die Zivilisation auslöscht – aber Biowaffen mit dieser Wirkung scheinen mit genügend Zeit durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen.

Dabei gibt es viele relativ einfache Maßnahmen, um die Biosicherheit zu verbessern, z.B. eine bessere Regulierung von Laboren, größere Vorräte an persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und die Entwicklung billiger Diagnostik zur schnellen Erkennung neuer Krankheiten. Insgesamt denken wir, dass die Biosicherheit wahrscheinlich dringender ist als der Klimawandel, und derzeit eines der drängendsten Probleme überhaupt darstellt.

Lies in diesem ausführlichen Steckbrief mehr darüber, wie du Biosicherheit fördern kannst.

Aber es gibt Themen, die vielleicht noch wichtiger sind, und noch vernachlässigter.

Eine KI-bedingte Katastrophe verhindern

Um 1800 erlebte die Menschheit einen der tiefgreifendsten Umbrüche in ihrer Geschichte: die industrielle Revolution.17

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Was könnte die nächste Veränderung dieser Größenordnung sein – das nächste Schlüsselereignis in der Geschichte der Menschheit, das die Zukunft aller künftigen Generationen bestimmen wird? Dieses nächste transformative Thema wäre wahrscheinlich der wichtigste Bereich, an dem wir arbeiten könnten. 

Eine Möglichkeit ist das Bioengineering – die Fähigkeit, Menschen grundlegend zu verändern, wie es zum Beispiel Yuval Noah Harari in Eine kurze Geschichte der Menschheit beschreibt.

Wir glauben aber, dass es ein Thema gibt, das noch mehr vernachlässigt wird und sich viel schneller entwickelt: Künstliche Intelligenz.

Milliarden von Dollar werden ausgegeben, um künstliche Intelligenz leistungsfähiger zu machen, aber es wird kaum darauf geachtet, dass diese zusätzlichen Fähigkeiten sicher sind und zum Nutzen der Menschheit eingesetzt werden.

Das ist vor allem aus zwei Gründen wichtig.

Erstens können leistungsstarke KI-Systeme missbraucht werden. Sie könnten zum Beispiel dazu benutzt werden, gefährliche neue Technologien wie neue und stärkere Waffen zu entwickeln.

Zweitens kann es beim Einsatz leistungsstarker neuer KI-Systeme zu Pannen kommen. Das ist vor allem wegen des „Alignment-Problems“ besonders drängend. Da es sich um ein komplexes Thema handelt, empfehlen wir dir, den ausführlichen Steckbrief über künstliche Intelligenz zu lesen, wenn du es richtig verstehen willst. Aber hier ist eine kurze Einführung.

In den 1980er Jahren galt Schach als Beispiel für etwas, das eine Maschine niemals meistern könnte. Doch 1997 schlug das Computerprogramm Deep Blue den Schachweltmeister Garry Kasparov. Seitdem sind Computer im Schach viel besser geworden als Menschen.

2004 führten zwei Experten für künstliche Intelligenz das Fahren von Lastwagen als Beispiel für einen Beruf an, der nur schwer zu automatisieren ist. Aber schon heute sind selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs.18

Im August 2021 rechnete ein Team von Prognostikern damit, dass es fünf Jahre dauern würde, bis ein Computer Matheaufgaben auf dem Niveau einer Schulolympiade lösen könnte. Weniger als ein Jahr später baute Google eine KI, die genau das konnte.

Ende 2022 wurde ChatGPT die am schnellsten wachsende Webplattform aller Zeiten.

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Die jüngsten dieser Ergebnisse sind dank der Fortschritte beim maschinellen Lernen möglich. In der Vergangenheit mussten wir Computern für jede Aufgabe detaillierte Anweisungen geben. Heute haben wir Programme, die sich selbst trainieren. Der gleiche Algorithmus, der Space Invaders spielen kann, hat auch gelernt, etwa 50 andere Arcade-Spiele zu spielen, Bilder zu beschreiben, mit Menschen zu chatten und einen echten Roboterarm zu steuern.

Maschinelles Lernen gibt es schon seit Jahrzehnten, aber verbesserte Algorithmen (vor allem im Bereich Deep Learning), schnellere Prozessoren, größere Datensätze und enorme Investitionen von Unternehmen wie Google und Microsoft haben zu erstaunlichen Fortschritten geführt, die viel schneller als erwartet erreicht wurden.

Deshalb glauben viele Fachleute, dass künstliche Intelligenz schon zu unseren Lebzeiten menschliches Niveau erreichen könnte. Hier sind die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Jahr 2022 unter Hunderten von führenden Forschenden im Bereich KI:19

  Mediane Antwort Durchschnittliche Antwort Standardabweichung
10 % Chance für maschinelle Intelligenz auf menschlichem Niveau 2032 2042 40 Jahre
50 % Chance für maschinelle Intelligenz auf menschlichem Niveau 2052 2127 530 Jahre
90 % Chance für maschinelle Intelligenz auf menschlichem Niveau 2086 5406 40.000 Jahre
Du siehst, dass die Hälfte der Fachleute eine Chance von 50 % (oder mehr) sieht, dass KI bis 2052, also in nur 30 Jahren, menschliches Niveau erreichen wird. Zugegeben, das ist sehr unsicher – aber die hohe Unsicherheit bedeutet auch, dass es früher passieren kann. Im ausführlichen KI-Steckbrief erfährst du mehr darüber, wann künstliche Intelligenz menschliches Niveau erreichen könnte.

Warum ist das wichtig? Gorillas sind schneller und stärker als wir und können viel kräftiger zubeißen. Aber es gibt viel weniger als eine Million Gorillas in freier Wildbahn, verglichen mit 7 Milliarden Menschen; und ihr Schicksal hängt von uns ab.20 Ein Hauptgrund dafür ist die unterschiedliche Intelligenz.

Im Moment sind Computer nur in bestimmten Bereichen schlauer als wir (zum Beispiel beim Spielen von StarCraft), und das reicht schon aus, um unsere Wirtschaft zu verändern. Aber was passiert, wenn Computer in fast allen Bereichen schlauer werden als wir, so wie wir schlauer sind als Gorillas?

Dieser Wandel könnte sich äußerst positiv oder äußerst negativ auswirken. Einerseits könnte die KI-Revolution geistige Arbeit automatisieren, so wie die industrielle Revolution die manuelle Arbeit automatisierte, und so einen nie dagewesenen Wohlstand und Zugang zu materiellen Ressourcen ermöglichen.

Aber es gibt keine Garantie dafür, dass wir die Kontrolle über ein System behalten, das intelligenter ist als wir – es könnte strategischer denken als wir, mehr Überzeugungskraft haben und Probleme besser lösen. Wir müssen also sicherstellen, dass das KI-System die gleichen Ziele verfolgt wie wir.

Aber das ist nicht einfach. Niemand weiß, wie man einem Computer moralisches Verhalten einprogrammieren kann. In der Informatik nennt man dies das Alignment-Problem.

Die Lösung des Alignment-Problems könnte enorm wichtig sein, aber heute arbeiten nur sehr wenige Leute daran – wir schätzen, dass es etwa 300 Personen in Vollzeit sind. Damit ist es nochmal mehr als zehnmal so vernachlässigt wie die Biosicherheit.

Allerdings kommt zurzeit viel Schwung in diese Arbeit. In den letzten zehn Jahren hat das Gebiet sowohl von der Wissenschaft als auch von der Wirtschaft Unterstützung erhalten,21 etwa von Stephen Hawking, Stuart Russell (Autor des populärsten Lehrbuchs über KI) und Geoffrey Hinton (Mitbegründer der KI-Forschung). Wenn du selbst nicht für die technische Forschung geeignet bist, kannst du auf andere Weise einen Beitrag leisten – zum Beispiel, indem du die Forschung administrativ oder unterstützend begleitest oder indem du für sie Geld sammelst oder spendest.

Auch für Regierungen wird das ein großes Thema sein. Die KI-Politik entwickelt sich schnell zu einem wichtigen Bereich, aber die politischen Entscheidungsträger konzentrieren sich auf kurzfristige Fragen wie die Regulierung selbstfahrender Autos und den Verlust von Arbeitsplätzen, und vernachlässigen dabei die wichtigen langfristigen Fragen (also die Zukunft der Zivilisation).

Wie du dich einbringen kannst, erfährst du im ausführlichen Steckbrief.

Von allen Themen, die wir bisher besprochen haben, ist die Eindämmung der KI-Risiken eines der wichtigsten, aber auch das am meisten vernachlässigte. Obwohl es auch schwieriger zu lösen ist, glauben wir, dass es eines der wichtigsten Probleme der nächsten Jahrzehnte sein wird.

Wir waren selbst überrascht von diesem Ergebnis; wir hätten es am Anfang nicht erwartet, aber die Argumente dafür sind überzeugend. Inzwischen verbringen wir mehr Zeit mit Recherchen zum maschinellen Lernen als zu Malaria-Netzen.

Lies mehr darüber, warum wir denken, dass die Menschheit sich mehr darum kümmern sollte, das Risiko ihres Aussterbens zu verringern.

Umgang mit Ungewissheit und die Metaebene

Unsere Perspektiven haben sich im Laufe der letzten 12 Jahre stark gewandelt, und sie könnten sich durchaus wieder ändern. Wir könnten uns auf die Arbeit an KI oder Biosicherheit festlegen, aber vielleicht entdecken wir in den nächsten Jahren ja etwas noch Besseres? Und was könnte uns diese Ungewissheit darüber sagen, worauf wir uns jetzt konzentrieren sollten?

Forschung zu globalen Prioritäten

Wenn man sich nicht sicher ist, welches globale Problem am drängendsten ist, lautet eine mögliche Antwort: „Das Thema bedarf weiterer Forschung.“ Nur ein winziger Teil der Milliarden Euro, die jedes Jahr ausgegeben werden, um die Welt zu verbessern, wird verwendet, um zu ermitteln, wie diese Mittel am effektivsten eingesetzt werden können – wir nennen das „globale Prioritätenforschung“.

Wie wir gesehen haben, sind einige Ansätze viel effektiver als andere. Diese Forschung ist also sehr wertvoll.

Eine Karriere in diesem Bereich könnte bedeuten, dass du bei Organisationen wie Open Philanthropy, dem Global Priorities Institute oder Rethink Priorities arbeitest, aber auch in wirtschaftswissenschaftlicher Forschung, bei Think Tanks oder in ähnlichen Organisationen. Im ausführlichen Steckbrief zur globalen Prioritätenforschung erfährst du mehr darüber, wie du dich einbringen kannst.

Allgemeine Interventionen, z.B. bessere Politik

Eine weitere Strategie besteht darin, an Problemen zu arbeiten, die uns helfen, viele andere Probleme zu lösen. Wir nennen das „allgemeine Interventionen“.

Wenn wir zum Beispiel besser aufgeklärte Regierungen hätten, könnten wir damit auch viele andere Probleme lösen, die künftige Generationen betreffen. Vor allem die US-Regierung wird bei Themen wie Klimapolitik, KI-Politik, Biosicherheit und neuen Herausforderungen, die wir noch gar nicht kennen, eine zentrale Rolle spielen. Die US-Regierung ist also sehr wichtig (auch wenn sie vielleicht nicht vernachlässigt oder einfach zu verändern ist), und auch Deutschland bzw. der EU kommt eine wichtige Rolle zu.

Lokale politische Initiativen können die Entscheidungsträger auf nationaler Ebene (und darüber hinaus) beeinflussen. Wir haben die einfachste Form der politischen Aktion – das Wählen – untersucht und festgestellt, dass sie sehr wertvoll sein kann. Andererseits wird Themen wie der Regierungsführung bereits sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt, was es schwierig macht, sie zu verbessern.

Generell bevorzugen wir Themen, die stärker vernachlässigt sind und spezifischere Auswirkungen auf zukünftige Generationen haben. Die faszinierende Forschung von Philip Tetlock zeigt zum Beispiel, dass manche Teams und Methoden geopolitische Ereignisse viel besser vorhersagen können als andere. Wenn Entscheidungsträger solche genaueren Prognosen nutzen würden, könnten sie künftige Krisen besser bewältigen, egal wie diese aussehen.

Im ausführlichen Steckbrief erfährst du mehr darüber, wie du zur Verbesserung der Entscheidungsfindung beitragen kannst. Die Kategorie der „allgemeinen Interventionen“ ist jedoch einer der Bereiche, bei denen wir am wenigsten sicher sind, weshalb wir uns über weitere Forschung in diesem Bereich freuen würden.

Aufbau von Ressourcen und Förderung von Effektivem Altruismus

Wenn du dir nicht sicher bist, welche Probleme in Zukunft am drängendsten sein werden, gibt es noch eine dritte Strategie: Du kannst einfach Geld sparen oder in deine Karriere investieren, damit du besser Gutes bewirken kannst, wenn du mehr Informationen hast.

Statt in die persönliche Entwicklung zu investieren, kann es jedoch noch besser sein, eine Gemeinschaft zu unterstützen, die Gutes tut.

In einem früheren Kapitel haben wir uns mit Giving What We Can (GWWC) befasst, einer Organisation, die eine Gemeinschaft Gleichgesinnter aufbaut. Die Mitglieder spenden 10 % ihres Einkommens an die effektivsten Hilfsorganisationen.22 Jeder Euro, der in das Wachstum von GWWC investiert wurde, hat bereits zu mehr als 9 Euro an Spenden für die empfohlenen Hilfsorganisationen geführt; für die Zukunft wurden insgesamt über 3 Milliarden Euro zugesagt.

Durch den Aufbau einer Gemeinschaft konnte GWWC viel mehr Geld sammeln, als die Gründungsmitglieder einzeln hätten spenden können – sie haben ihre Wirkung vervielfacht.

Außerdem spenden die Mitglieder für die Wohltätigkeitsorganisationen, die zum jeweiligen Zeitpunkt am effektivsten sind. Wenn sich die Situation ändert, ändern sich (zumindest bis zu einem gewissen Grad) auch die Spenden.

Durch diese Flexibilität ist die Wirkung im Laufe der Zeit viel größer.

Giving What We Can ist ein Beispiel für Projekte des Effektiven Altruismus, einer Gemeinschaft von Menschen, die die besten Wege finden wollen, anderen zu helfen, und auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse aktiv werden. (Siehe unseren ausführlichen Steckbrief zur Förderung von Effektivem Altruismus).

80.000 Hours, die Plattform, auf der die Originalversion dieses Artikels veröffentlicht wurde, ist ein weiteres dieser Projekte.

Eine bessere Berufsberatung klingt nicht nach einem der wichtigsten Probleme, die man sich vorstellen kann. Aber viele der talentiertesten jungen Menschen auf der Welt wollen mit ihrem Leben etwas Gutes erreichen, wissen aber nicht, wie sie das tun sollen. Das bedeutet, dass jedes Jahr Tausende von ihnen weit weniger bewirken als sie eigentlich könnten.

Wir könnten selbst an Themen wie KI arbeiten. Aber stattdessen helfen wir Tausenden von Menschen, bessere Karrieren zu finden, indem wir sie besser beraten. Und so können wir hoffen, dass wir (wenn wir gute Arbeit leisten) tausendmal mehr bewirken können. 

Und wenn wir neue, bessere Karrieremöglichkeiten entdecken, können wir diese anstelle unserer aktuellen Empfehlungen vorschlagen. Wie bei Giving What We Can sorgt diese Flexibilität dafür, dass wir langfristig mehr bewirken können.

Wir nennen solche indirekten Strategien – globale Prioritätenforschung, allgemeine Interventionen oder die Förderung von Effektivem Altruismus – die Metaebene, weil sie eine Stufe entfernt von den konkreten Problemen ansetzen, die am wichtigsten erscheinen.

Der Nachteil der Metaebene ist, dass eine Bewertung der Wirksamkeit deiner Bemühungen schwieriger ist. Der Vorteil ist, dass sie in der Regel eher vernachlässigt wird, weil die Menschen konkrete Möglichkeiten gegenüber abstrakteren bevorzugen – und du kannst im Angesicht der Ungewissheit mehr bewirken.

Wie du entscheidest, auf welche Probleme du dich konzentrieren solltest

Unsere Liste der drängendsten globalen Probleme, darunter viele, die wir auf dieser Seite nicht erwähnt haben, findest du hier: 

Aber das ist nur unsere Liste. Für deine Karriere ist deine persönliche Liste entscheidend. Die Bewertung der Probleme hängt stark von Werturteilen und kontroversen empirischen Fragen ab, und es kann sein, dass du mit unseren Antworten nicht einverstanden bist. Im FAQ-Abschnitt unserer Problemprofile sprechen wir einige Möglichkeiten an, wie wir falsch liegen könnten. 

Außerdem ist es wichtig, dass die gewählte Karriere zu deiner Persönlichkeit passt, genauso wie die konkreten Jobs, die du finden kannst. Wir glauben nicht, dass jeder am Problem Nr. 1 arbeiten sollte. Wenn du gut in einen Bereich passt, kannst du dort zehnmal so viel bewirken wie in einem Gebiet, das dich nicht motiviert. Diese Überlegungen können deine persönliche Rangliste also leicht verändern.

Denk daran, dass es viele Möglichkeiten gibt, zur Lösung eines Problems beizutragen. Deshalb ist es oft gar nicht so schwer, eine Arbeit zu finden, die dir Spaß macht und die bei der Lösung von Problemen hilft, an die du vielleicht noch gar nicht gedacht hast. Außerdem unterschätzen Leute oft, wie einfach es ist, sich für etwas Neues zu begeistern.

Trotz aller Unwägbarkeiten ist die Wahl eines Problems vielleicht der wichtigste Faktor dafür, was du bewirken kannst.

Wenn wir globale Probleme nach ihren Auswirkungen bewerten würden, würden wir vielleicht intuitiv erwarten, dass sie wie folgt aussehen:

Manche Probleme sind dringlicher als andere, aber die meisten sind ziemlich wichtig.

Aber stattdessen haben wir festgestellt, dass es eher so aussieht:

Manche Probleme wirken sich viel stärker aus als andere – im Hinblick darauf, wie groß, vernachlässigt und lösbar sie sind und wie gut du persönlich zu ihnen passt, können sie sich um das 10- oder 100-fache unterscheiden.23 Wenn du also die richtige Entscheidung triffst, kannst du mit deiner Karriere mehr als das Hundertfache bewirken.

Wenn du aus diesem Kapitel nur eines mitnimmst, dann sollte es folgendes sein: Wenn du in der Welt viel bewirken willst, solltest du dir irgendwann wirklich die Zeit nehmen, dich über verschiedene globale Probleme zu informieren und herauszufinden, wie du zu ihrer Lösung beitragen kannst. Es braucht Zeit und es gibt viel zu bedenken, aber es gibt wohl kaum etwas Interessanteres oder Wichtigeres.

Was heißt das für deine Karriere?

Du musst nicht gleich zu Beginn deiner Karriere entscheiden, auf welche globalen Probleme du dich konzentrieren willst. Am Anfang geht es vor allem darum, herauszufinden, was du gut kannst, und dir nützliche Fähigkeiten anzueignen. Es ist normal, dass man sich viele Jahre lang nicht direkt mit den Problemen beschäftigt, die man für besonders dringlich hält. 

Es ist aber sinnvoll, zumindest eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, an welchen Problemen du in Zukunft arbeiten möchtest: Das kann einen großen Einfluss darauf haben, welche Kompetenzen für dich am sinnvollsten sind. Für die Arbeit an der Verringerung von Risiken durch künstliche Intelligenz braucht man andere Fähigkeiten und Erfahrungen als beim Einsatz für die globale Gesundheit (obwohl einige Fähigkeiten wie Management in beiden Bereichen nützlich sind). Auch wenn du noch ganz am Anfang deiner Karriere stehst, solltest du dir zumindest ein paar Tage Zeit für diese Frage nehmen.

Hier ist eine Übung dazu:

  1. Nutze die Ressourcen aus diesem Kapitel und schreibe die drei globalen Probleme auf, die deiner Meinung nach am dringendsten zusätzliche Arbeit benötigen. Sie werden von deinen Werten und empirischen Annahmen abhängen. Mach dir nicht zu viele Gedanken über deine persönliche Eignung – das ist zwar ein wichtiger Aspekt, aber deine Eignung für eine Stelle lässt sich nur schwer einschätzen, deshalb gibt es später im Ratgeber ein eigenes Kapitel zum Thema.
  2. Worüber bist du dir am wenigsten sicher? Wie könntest du mehr darüber erfahren? (Zum Beispiel: Gibt es etwas, das du lesen könntest? Jemanden, mit dem du reden könntest?)

Zur Erinnerung: Hier findest du eine Liste aller Problembereiche, die wir analysiert haben. Klicke auf die einzelnen Steckbriefe, um mehr über jedes Problem zu erfahren. Du kannst auch unsere Themenliste durchsuchen, um zu sehen, was wir über ein bestimmtes Thema geschrieben haben. 

Wenn du noch tiefer in den Vergleich globaler Probleme eintauchen möchtest, schau dir die entsprechenden Artikel in unserer Vertiefungsreihe an.

Diese Liste von Problemen ist nur ein Einstieg. Der nächste Schritt besteht darin, Karriereoptionen zu finden, mit denen du in dem jeweiligen Bereich etwas bewirken kannst (darauf gehen wir im nächsten Kapitel ein), und dann eine Position zu finden, die gut zu dir passt (auch das behandeln wir später).

  1. Wie viele Menschen sind weltweit von Armut betroffen? Die genaue Grenzziehung ist zwar eine Frage der Definition, aber in Poverty and Shared Prosperity 2022 hat die Weltbank die Armutsgrenze auf 2,15 US-Dollar pro Tag festgelegt (also etwa 785 Dollar pro Jahr; in US-Dollar 2017, kaufkraftbereinigt) und schätzt, dass im Jahr 2022 667 Millionen Menschen unterhalb dieser Grenze lebten.
    Die Armutsgrenze in Deutschland ist definiert als 60 % des Medianeinkommens und betrug im Jahr 2022 1189 Euro für einen Einpersonenhaushalt im Monat, also 14.268 Euro pro Jahr. Wenn wir auch diese Summe um die Kaufkraft bereinigen, entspricht das laut der Weltbank 19.545 Dollar. Das ist ungefähr 25-mal mehr als die internationale Armutsgrenze der Weltbank.
  2. Die Zahlen für Armut in Deutschland gelten für 2022 und stammen vom Statistischen Bundesamt. Die Definition ist dabei:
    Eine Person gilt in der Europäischen Union (EU) als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Bedingungen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.
    Die Armutsgefährdungsgrenze ist relativ definiert und liegt bei 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung. 
  3. Entwicklungshilfe:
    In diesem OECD-Bericht werden die Gesamtausgaben für die öffentliche Entwicklungshilfe („overseas development assistance", ODA) für das Jahr 2021 mit 178,9 Milliarden US-Dollar angegeben. Diese Zahlen umfassen aber nur die Ausgaben der 31 Mitglieder des OECD-Entwicklungsausschusses („Development Assistance Committee", DAC) – grob gesagt sind das die europäischen und nordamerikanischen Länder, Australien, Japan und Südkorea.
    Die OECD schätzt die ODA-ähnlichen Ströme der wichtigsten Geldgeber, die nicht an den OECD-DAC berichten, auf 4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020.
    Weiterhin heißt es im Bericht:
    Nach Schätzungen von Wissenschaftler:innen ist Chinas Entwicklungshilfe viel größer [als die gemeldeten 3,2 Mrd. US-Dollar im Jahr 2019 und 2,9 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020], nämlich 5,9 Mrd. US-Dollar im Jahr 2018 (siehe Kitano und Miyabayashi) oder sogar 7,9 Mrd. US-Dollar, wenn man Vorzugskredite einbezieht (siehe Kitano 2019). Es wird geschätzt, dass Chinas Entwicklungszusammenarbeit aufgrund von Ausgabenkürzungen zur Bewältigung von COVID-19 zurückgegangen ist (Kitano und Miyabayashi).
    Wenn wir die Beiträge aufaddieren, in Euro umrechnen und aufrunden, kommen wir auf ca. 200 Milliarden Euro.
    Die OECD gibt die gesamte öffentliche Unterstützung für nachhaltige Entwicklung („Total Official Support for Sustainable Development", TOSSD), die auch Kredite, Investitionen und Ausgaben vieler, aber nicht aller anderer Länder (einschließlich der „Süd-Süd-Ausgaben" von Entwicklungsländern in anderen Entwicklungsländern) umfasst, für das Jahr 2021 mit insgesamt 434 Mrd. US-Dollar (ca. 400 Milliarden Euro) an.
    Es gibt darüber hinaus noch internationale philanthropische Aktivitäten, aber wir glauben nicht, dass sich diese Zahl dadurch mehr als verdoppeln würde. Die USA sind mit 400 bis 500 Milliarden Dollar die größte Quelle philanthropischer Gelder, aber nur ein paar Prozent davon gehen an internationale Projekte. Ein Bericht von Giving US schätzt, dass die US-Spenden für „internationale Zwecke" im Jahr 2021 nur 27 Milliarden Dollar betrugen.
    Würden wir die internationale Philanthropie mit einbeziehen, müssten wir für einen korrekten Vergleich außerdem auch die philanthropischen Ausgaben für arme Menschen innerhalb der USA bzw. Deutschland berücksichtigen.

    Sozialausgaben in Deutschland:
    Die Gesamtsumme der Sozialausgaben ändert sich stark, je nachdem, wie man diese definiert. Wir haben die Beiträge des Bundes (270 Milliarden Euro), der Länder (110 Milliarden Euro) und der Gemeinden (125 Milliarden Euro) aus dem offiziellen Sozialbudget 2022 berücksichtigt, die sich auf 505 Milliarden Euro aufsummieren.

  4. Die orale Rehydratationslösung, die vor allem seit dem Bangladesch-Krieg 1971 weit verbreitet ist, hat in den letzten vier Jahrzehnten die Sterblichkeitsrate durch Durchfallerkrankungen von 30 % auf 3 % gesenkt, und damit die Todesfälle von 4,6 Millionen auf 1,6 Millionen pro Jahr.
    Alle Kriege, Völkermorde und politisch bedingten Hungersnöte zusammen haben im 20. Jahrhundert schätzungsweise 160 bis 240 Millionen Menschen das Leben gekostet, also durchschnittlich 1,6 bis 2,4 Millionen pro Jahr.
    Quelle: Aid Works on Average von Toby Ord.
    Toby Ord ist Berater von 80.000 Hours. 
  5. Die internationale humanitäre Hilfe hat wesentlich dazu beigetragen, die Zahl der jährlichen Todesfälle durch Krankheiten zu senken. Von den 1,5 Milliarden Dollar, die für die Ausrottung der Pocken ausgegeben wurden, kamen 500 Millionen Dollar von internationalen Gebern.  
    Aid Works on Average von Toby Ord.
    Toby Ord ist Berater von 80.000 Hours.
  6. Toby Ord, The Moral Imperative toward Cost-effectiveness in Global Health:
    (Im DCP2) verteilen sich die Maßnahmen insgesamt über mehr als vier Größenordnungen, die von 0,02 bis 300 DALYs pro 1.000 US-Dollar reichen, mit einem Median von 5. Wenn man also Geld von der am wenigsten wirksamen Maßnahme auf die wirksamste umschichtet, würde das etwa das 15.000-fache an Nutzen bringen, und selbst wenn man es von der Medianmaßnahme auf die wirksamste umschichtet, würde das etwa das 60-fache an Nutzen bringen.
    In privater Korrespondenz fügte Dr. Ord hinzu, dass die durchschnittliche Intervention eine Effektivität von 24 verhinderten DALYs pro 1.000 Dollar hatte. Ein DALY ist ein „krankheitskorrigiertes Lebensjahr", also ein Lebensjahr, das durch Krankheit verloren geht – das Gegenteil eines „qualitätskorrigierten Lebensjahres".
    Wenn du eine Intervention willkürlich auswählen würdest, würdest du im Durchschnitt etwas mit der durchschnittlichen Wirksamkeit auswählen. Die meisten Maßnahmen sind schlechter als der Durchschnitt, aber du hast auch eine kleine Chance, die beste zu erwischen. Lies mehr darüber, wie sehr sich Lösungen in ihrer Wirksamkeit unterscheiden.
  7. Eine mögliche Komplikation besteht darin, dass die Besserstellung der armen Bürger:innen in Deutschland oder in den USA auch positive Auswirkungen auf die Armen in der ganzen Welt haben könnte, wie hier kurz erörtert wird, wodurch der Unterschied geringer ausfallen würde. Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Spillover-Effekte weniger als 1/20 betragen, sodass diese Überlegung keinen großen Einfluss auf den 20-fachen Unterschied hat.
  8. Im Jahr 2018 schätzte GiveWell, dass es etwas mehr als 800 Euro kostet, den Tod eines Kindes unter fünf Jahren durch die effektivste Maßnahme im Bereich der globalen Gesundheit zu verhindern: Deworm the World. GiveWell schätzt, dass es ca. 10.000 Euro kostet, die gleiche Menge an Gutes durch Spenden an die ärmsten Menschen der Welt über GiveDirectly zu tun. Das würde bedeuten, dass die besten Maßnahmen im Bereich der globalen Gesundheit 13-mal effektiver sind als Geldspenden an die ärmsten Menschen der Welt. Um ganz sicher zu sein, gehen wir davon aus, dass die Vorteile der Arbeit an globaler Gesundheit nur fünfmal so hoch sind. 
  9. Wenn du in einem reichen Land eine ähnlich wirksame Möglichkeit finden würdest, Gutes zu tun, wäre der Unterschied wieder „nur" etwa 20-fach. Der 100-fache Vergleich bezieht sich auf eine typische Sozialmaßnahme in einem reichen Land. 
  10. Unterhalb des plausibelsten inkrementellen Kosten-Wirksamkeits-Verhältnisses („ICER") von 20.000 britischen Pfund pro gewonnenem QALY basiert die Entscheidung, den Einsatz einer Technologie zu empfehlen, in der Regel auf der Kosten-Wirksamkeits-Schätzung und der Akzeptanz einer Technologie als effektive Nutzung von NHS-Ressourcen (NICE health technology evaluations: the manual, 2022).
  11. GiveWell, AMF und Bevölkerungsethik
  12. Der 300-fache Unterschied ergibt sich, wenn man den kurzfristigen Gesundheitsvorteil mit anderen Gesundheitsvorteilen vergleicht. Der wirtschaftliche Nutzen der Hilfe für Menschen in reichen Ländern kann größer sein, weil sie reicher sind. Wenn wir also sowohl den wirtschaftlichen als auch den gesundheitlichen Nutzen berücksichtigen würden, könnte der Unterschied kleiner werden.
    Wenn zum Beispiel Deutschland reicher wird, wirkt sich das auch auf die Entwicklungsländer aus, etwa in Form von mehr Entwicklungshilfe und besserer Technologie. Ganz grob geschätzt könnte dies den Unterschied um den Faktor drei verringern.
    Wenn wir weitere Faktoren berücksichtigen würden, würde der Unterschied wahrscheinlich noch weiter schrumpfen. Dennoch würden wir bei einem ganzheitlichen Vergleich der Maßnahmen, die der heutigen Generation am meisten zugutekommen, davon ausgehen, dass Investitionen in die globale Gesundheit mehr als 20-mal effektiver sind als zufällig ausgewählte soziale Maßnahmen in reichen Ländern.
  13. Klimawissenschaftler:innen sind sich nicht einig, wie lange die Erde noch bewohnbar sein wird. Ihre Modelle sagen im Allgemeinen voraus, dass die Erde für die nächsten paar hundert Millionen Jahre bis über eine Milliarde Jahre bewohnbar bleiben wird.
    Zwei neue Modellstudien zeigen, dass die allmählich heller werdende Sonne das Wasser unseres Planeten frühestens in 1 bis 1,5 Milliarden Jahren verdampfen wird – Hunderte von Millionen Jahren später als ein etwas älteres Modell vorausgesagt hatte.
  14. Es ist möglich, dass zukünftige Generationen länger als 100 Jahre leben werden. Das würde wahrscheinlich die Zahl der zukünftigen Generationen verringern, aber nicht unbedingt die Zahl der zukünftig lebenden Menschen. 
  15. Drei von vier Menschen in den USA glauben, dass der Klimawandel letztendlich zum Aussterben der Menschheit führen wird.
    Eine neue Umfrage unter 2.000 Amerikanern, die aufzeigen sollte, wie groß die „Klimaangst" der Menschen ist, ergab, dass fast die Hälfte der Amerikaner glaubt, dass der Klimawandel innerhalb der nächsten 200 Jahre zum Ende der Welt führen wird.
    Und nicht nur das: Unter Millennials glaubt jeder Fünfte, dass der Klimawandel noch zu ihren Lebzeiten das Ende der Welt auslösen wird. 
  16. Die DNA-Sequenz der Pocken und anderer potenziell gefährlicher Krankheitserreger wie dem Polio-Virus und der Grippe von 1918 ist in öffentlichen Online-Datenbanken frei zugänglich. Um einen Virus komplett neu zu bauen, würde ein Terrorist einfach aufeinanderfolgende DNA-Abschnitte entlang der Sequenz bestellen und sie in der richtigen Reihenfolge zusammenkleben. Das übersteigt die Fähigkeiten und die Ausrüstung eines Hobbychemikers, könnte aber von gut finanzierten Terroristen mit Zugang zu einem Standardlabor und promoviertem Personal bewerkstelligt werden.
    Eine Studie schätzt, dass sich eine erste Infektion von nur 10 Menschen innerhalb von 180 Tagen auf 2,2 Millionen Menschen ausbreiten würde, da die meisten Menschen auf der Welt keine Resistenz gegen dieses ausgestorbene Virus haben.

    (The Guardian, 14. Juni 2006)
  17. Die Grafik basiert auf Maddison, Angus (2007): Contours of the World Economy, 1-2030 AD. Essays in Macro-Economic History, Oxford University Press, ISBN 978-0-19-922721-1, S. 379, Tabelle A.4. 
  18. 2004 schrieben Frank Levy und Richard Murnane, dass „das Abbiegen bei Gegenverkehr so viele Faktoren umfasst, dass es schwer vorstellbar ist, eine Gruppe von Regeln zu finden, die das Verhalten des Fahrers nachahmen kann." Heute sind autonome Fahrzeuge in fünf US-Bundesstaaten ein alltäglicher Anblick: Kalifornien, Texas, Arizona, Washington und Michigan.
    Quelle: The New Division of Labor von Frank Levy und Richard Murnane (2004). Kapitel 2 heißt „Warum der Mensch noch wichtig ist". 
  19. Stein-Perlman et al. (2022) kontaktierten 4.271 Forschende, die ihre Arbeit im Jahr 2021 auf den Fachkonferenzen NeurIPS und ICML veröffentlicht hatten. Diese Fachleute wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Umfrage von Stein-Perlman et al. oder einer zweiten, von anderen durchgeführten Umfrage zugewiesen. 738 Antworten gingen ein (eine Rücklaufquote von 17 %).
    Die Forschenden wurden nach der künstlichen Intelligenz auf mindestens menschlichem Niveau („High-Level Machine Intelligence" oder HLMI) gefragt. Diese wurde definiert als:
    Wenn Maschinen jede Aufgabe ohne fremde Hilfe besser und kostengünstiger erledigen können als menschliche Arbeitskräfte. Ignorieren Sie die Aspekte von Aufgaben, bei denen Menschsein an sich von Vorteil ist, z. B. um als Geschworene zugelassen zu werden. Bewerten Sie die Machbarkeit, nicht die Akzeptanz.
    Zwei weitere Umfragen, Zhang et al. (2022) aus dem Jahr 2019 und Grace et al. (2018) aus dem Jahr 2016, kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

    Weitere Informationen zu diesen Erhebungen, einschließlich Informationen zu ihrer Genauigkeit, findest du in unserem ausführlichen Steckbrief zum Thema künstliche Intelligenz

  20. Die Gesamtpopulation der Gorillas wird auf rund 365.000 Tiere geschätzt, die sich allerdings sehr unterschiedlich auf die einzelnen Populationen verteilen […] Dieser Wert gilt heute als fraglich, da aufgrund von Habitatbeeinträchtigungen, Wilderei und der Dezimierung durch das Ebola-Virus von geringeren Beständen auszugehen ist.
    Quelle: Wikipedia 
  21. Die vom Future of Life Institute im Jahr 2015 in Puerto Rico veranstaltete Konferenz war ein Wendepunkt. Aus ihr ging ein offener Brief hervor, der von vielen führenden KI-Experten aus Wissenschaft und Industrie unterzeichnet wurde.
    Geoffrey Hinton trat im Mai 2023 von seinem Posten bei Google zurück:
    Geoffrey Hinton gilt als Pionier bei der Forschung zu Künstlicher Intelligenz. Bis zuletzt arbeitete er für den Google-Konzern. Dort hat er nun aufgehört – um vor „ernsten Risiken für Gesellschaft und Menschheit" zu warnen.
  22. Giving What We Can ist wie 80.000 Hours ein Projekt der Effective Ventures-Gruppe – der Oberbegriff steht für die Effective Ventures Foundation und die Effective Ventures Foundation USA, Inc. Dabei handelt es sich um zwei separate Organisationen, die jedoch zusammenarbeiten. 
  23. Da die drei Faktoren miteinander multipliziert werden, könnte die Gesamtwirkung um bis zu sechs Größenordnungen schwanken, wenn jede Dimension um den Faktor 100 variiert. In der Praxis sind die Faktoren gegenläufig, so dass die Schwankung nicht ganz so groß ist, und es gibt auch andere Gründe für eine konservativere Bewertung. Wie wichtig die Wahl des Problembereichs ist, zeigt ein Artikel aus der Vertiefungsreihe.