Inhaltsverzeichnis des Karriereratgebers

EINFÜHRUNG: Warum sollte ich diesen Ratgeber lesen?

KAPITEL 6 – In welchen Jobs kann man am meisten Gutes bewirken?
Ansatz 1: Verdienen, um zu spenden
Häufige Einwände gegen das Verdienen, um zu spenden
Ansatz 2: Ideen vermitteln
Ansatz 3: Forschung
Ansatz 4: Regierung und Politik
Ansatz 5: Organisationen aufbauen
Weitere Ideen für wirkungsvolle Karrieren
Welcher Ansatz ist der richtige für dich?
Fazit: Bei welchem Job kannst du am meisten bewirken?
Zusammenfassung unseres Ratgebers soweit

KAPITEL 7 – Welche Jobs verschaffen dir langfristig die besten Chancen?
Warum Karrierekapital so wichtig ist
Fünf Bestandteile von Karrierekapital
Welche Fähigkeiten werden in Zukunft am wertvollsten sein?
Konkrete Schritte zum Aufbau von Karrierekapital
Übertragbares und fachliches Karrierekapital
Solltest du warten, um mehr zu bewirken?
Fazit

Kapitel 8 – Wie du den richtigen Beruf für dich findest
Gut in deinem Job zu sein ist wichtiger als du denkst
Warum Introspektion, Bauchgefühl und Karrieretests nicht funktionieren
Was funktioniert laut Forschung tatsächlich?
Denke wissenschaftlich – Finde den richtigen Job.
Wie viel solltest du in deiner Berufslaufbahn ausprobieren?
Fazit

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Die Menschen denken gerne, dass die Suche nach dem richtigen Beruf wie die Suche nach dem „perfekten Partner“ fürs Leben ist. Dem ist nicht so.

Oft kommen Menschen zu uns, die herausfinden wollen, was sie in den nächsten 10 oder 20 Jahren machen sollen. Andere sagen, dass sie „die richtige Karriere“ für sich ermitteln wollen.

Das Problem bei all dem ist, dass sich dein Plan, wie wir gesehen haben, mit ziemlicher Sicherheit ändern wird:

Du wirst mehr darüber lernen, was das Beste für dich ist — es ist sehr schwer vorherzusagen, worin du gut sein wirst.

  • Du wirst dich verändern — und zwar mehr, als du denkst.
  • Die Welt wird sich verändern — viele Branchen von heute wird es in 20 Jahren gar nicht mehr geben.
  • Du wirst mehr darüber lernen, was das Beste für dich ist — es ist sehr schwer vorherzusagen, worin du gut sein wirst.

In gewisser Weise gibt es keinen stabilen „richtigen Berufsweg für dich“. Vielmehr wird sich die beste Option ständig wandeln, während sich die Welt verändert und du mehr lernst. Viele Menschen, die wir beraten haben, hätten nie vorhersagen können, welchen Beruf sie letztendlich ausüben würden.

Langfristige Planung kann sogar kontraproduktiv sein. Es besteht die Gefahr, dass du dich auf einen bestimmten Plan versteifst und versäumst, deine Pläne zu ändern, sobald sich deine Situation ändert.

Gleichwohl ist es wahrscheinlich unklug, das Planen und das Setzen von Zielen aufzugeben. Wie Eisenhower sagte: „Pläne sind nutzlos, aber Planung ist unerlässlich.“

Irgendeine Vorstellung davon zu haben, wo du hinwillst, kann dir deutlich bessere Aufstiegschancen eröffnen. Wir sind der Meinung, dass eine gute Planung sogar noch wichtiger ist, wenn du etwas Positives bewirken willst. Viele der einflussreichsten Positionen erfordern spezielles Karrierekapital, das du wahrscheinlich nicht per Zufall bekommst, wie z.B. Verbindungen zu Leuten in der Biosicherheit oder Fachwissen in bestimmten technischen Bereichen. Ebenso erfordert der Weg an die Spitze in vielen Bereichen oft jahrzehntelange, konzentrierte Arbeit.

Das ist das Rätselhafte an Planung — die meisten „Pläne“ werden sich radikal ändern, lange bevor sie fertiggestellt sind, aber wir profitieren trotzdem davon, sie zu haben.

Wie sollst du also einen guten Karriereplan erstellen? Hier sind unsere wichtigsten Tipps.

Lesezeit: 20 Minuten. Oder nutze direkt unser Arbeitsblatt zur Karriereplanung.

Auf einen Blick

Deine Karriere sollte drei Phasen durchlaufen:

  1. Erkunde, um die besten längerfristigen Optionen für dich zu finden.
  2. Steigere dein Karrierekapital für diese Optionen.
  3. Nutze dein Karrierekapital, um drängende Probleme anzugehen und verhandle um einen Job, der dich persönlich zufrieden macht.

Dein Plan wird sich ändern, und die meisten Menschen können nicht vorhersagen, welchen Beruf sie in 10-20 Jahren ausüben werden. Aber es ist trotzdem nützlich, eine umfassende längerfristige Vision zu haben: 2-5 globale Probleme, bei deren Lösung du vielleicht helfen willst, und 1-5 potenzielle Aufgaben, auf die du dich längerfristig konzentrieren möchtest.

Noch wichtiger ist es, dir Zeit zu nehmen, um konkret deinen besten nächsten Schritt zu finden — einen bestimmten Job, eine Fortbildungsmöglichkeit oder ein Projekt, das du in den nächsten ein bis drei Jahren angehen willst und das deinen Einfluss oder dein Karrierekapital steigern wird.

Erstelle eine lange Liste mit Ideen für die nächsten Schritte, indem du:

  • Rückwärts arbeitest: Suche nach Optionen, die deinen Weg zu deiner längerfristigen Vision erleichtern.
  • Vorwärts arbeitest: Schau dir die Möglichkeiten an, die direkt vor dir liegen, auch wenn du nicht sicher bist, wohin sie führen werden.

Erstelle dann einen A/B/Z-Plan:

  • Plan A ist die Top-Option, die du verfolgen möchtest, oder eine Reihe von Wegen, die du ausprobieren willst.
  • Plan B sind die vielversprechenden verwandten Alternativen, auf die du ausweichen kannst, wenn Plan A nicht wie geplant funktioniert.
  • Plan Z ist dein vorläufiger Notfallplan für den Fall, dass alles schief geht — er hilft dir, dich wohler dabei zu fühlen, Risiken einzugehen.

Identifiziere die wichtigsten Unwägbarkeiten deines Plans und nimm sie unter die Lupe. Wenn du Hilfe brauchst, um deine Vision oder deine nächsten Schritte einzugrenzen, kannst du unser Entscheidungstool nutzen.

Lege schließlich einen Zeitpunkt fest, an dem du deine Karriere noch einmal überdenkst, üblicherweise in 6-24 Monaten. Hierzu kannst du unser Tool zur Hilfe nehmen.

Vermeide es, dir „deine Optionen offen zu halten“

Eine sehr häufige Antwort auf das Planungsparadox ist der Versuch, „sich alle Optionen offen zu halten“.

In dieser Idee steckt eine gewisse Weisheit: Wenn du übertragbares Karrierekapital erwirbst, hast du in Zukunft mehr Möglichkeiten. Und wenn du dir sehr unsicher bist, was du tun sollst, ist es vernünftig, übertragbares Karrierekapital aufzubauen und später zu deinem Plan zurückzukehren.

Aber durch die Karriereberatung von Tausenden von Menschen haben wir gesehen, dass dies einige ernsthafte Fallstricke bergen kann. Die Entscheidung, sich einfach „alle Optionen offen zu halten“, kann:

  • dazu führen, dass du viel zu lange in einem prestigeträchtigen Job arbeitest (z. B. in der Beratung), von dem du weißt, dass du ihn langfristig nicht ausüben willst und dass er für deine langfristigen Ziele schlicht irrelevant ist.
  • dich davon abhalten, dich zu etwas zu verpflichten, so dass du am Ende einen mittelmäßigen Job annimmst, der dir etwas Flexibilität bietet, anstatt dich für etwas zu entscheiden, das für dein Karrierekapital herausragend sein könnte und dir letztendlich bessere Optionen bietet.
  • zu einer Ausrede werden, um nicht darüber nachzudenken, was das Beste wäre.

Was solltest du also stattdessen tun?

Die drei wichtigsten Phasen einer Karriere

Durchlaufe die folgenden drei Phasen:

  1. Erkunde: Nutze kostengünstige Möglichkeiten, um vielversprechende längerfristige Positionen und Fähigkeiten kennenzulernen und auszuprobieren, bis du dich bereit fühlst, dich für ein paar Jahre festzulegen. (Alter 18-24)
  2. Steigere dein Karrierekapital: Setze auf eine längerfristigen Option, die wirklich gut laufen könnte, indem du Karrierekapital — vor allem Fähigkeiten — aufbaust, das dich auf deinem gewählten Weg am meisten voranbringen werden, aber stets mit einem Backup-Plan. (Alter 25-35)
  3. Nutze dein Karrierekapital: Gehe drängende Probleme an und verhandle um eine Position, die dich persönlich zufrieden macht. (Alter 36+)

Aktualisiere deinen Plan dann alle 1-3 Jahre, während du immer mehr lernst und die Welt sich verändert.

Karrierekapital, Recherche und natürlich die Auswirkungen deiner Arbeit werden immer Relevanz für jede berufliche Entscheidung haben, die du im Laufe deiner Karriere treffen musst. Aber dein Fokus sollte sich mit der Zeit verschieben.

Die Phasen dauern für verschiedene Menschen unterschiedlich lange:

  • Wenn du besonders unsicher bist, was du längerfristig machen willst, aber das Gefühl hast, viel über gute langfristige Optionen zu lernen, könntest du dich länger auf die Recherche konzentrieren (oder einfach übertragbares Karrierekapital aufbauen und deine langfristige Vision später entwickeln). (Auch jemand, der in der Mitte seiner Karriere eine einschneidende berufliche Veränderung vollzogen hat, könnte sich wieder der Recherche zuwenden).
  • Wenn der Aufbau deines Karrierekapital bereits deutlich nachlässt, könntest du schneller zur Anwendungsphase übergehen (und umgekehrt).
  • Wenn du glaubst, dass die Arbeit an den von dir gewählten Problemen besonders dringend ist — so wie es viele bei der KI-Sicherheit meinen — und die heutigen Möglichkeiten besser sind als die, die es in 10 Jahren geben wird, gibt es gute Gründe, die Aufbauphase zu überspringen, auch wenn du weniger gut vorbereitet bist.

Als Nächstes schauen wir uns einige weitere Vorschläge an, wie du deine Karriereplanung gestalten kannst — wobei es gilt, die damit verbundene Unsicherheit ernst zu nehmen.

Entwickle eine längerfristige Vision

Auch wenn die Zukunft sehr ungewiss ist, denken wir, dass es für die meisten Menschen hilfreich ist, zumindest eine vage Vorstellung davon zu haben, wo man längerfristig landen möchte. Das ist deine Vision.

Deine Vision sollte so weit gefasst sein, dass sie sich nicht ständig ändert, aber eng genug, um eine gewisse Richtung vorzugeben.

Sie sollte Folgendes beinhalten:

  1. Eine Liste mit zwei bis fünf globalen Problemen, an denen du längerfristig arbeiten möchtest, wie in Kapitel 5 beschrieben.
  2. Eine Liste mit einer bis fünf Positionen oder Arbeitsbereichen, die du anstreben möchtest, wie in Kapitel 6 erläutert.

Deine langfristige Position wird oft durch ein breites Spektrum an Fähigkeiten definiert, wie die, die wir hier auflisten, z.B. Unternehmensentwickler:in oder Kommunikator:in. Manchmal möchtest du deine Rolle aber auch genauer definieren, z.B. als Autor:in und nicht als Kommunikator:in, oder du möchtest eine bestimmte Laufbahn anstreben, z.B. als Wirtschaftswissenschaftler:in oder Jurist:in.

„Längerfristig“ kann alles zwischen fünf und 25 Jahren bedeuten — wähle einfach einen Zeitrahmen, der für dich Sinn ergibt. Wenn du die Übungen in den vorangegangenen Kapiteln gemacht hast, solltest du bereits eine Shortlist parat haben.

Hier ein Beispiel: Megan studierte in Peking, als ihr jemand vorschlug, sich mit 80,000 Hours zu beschäftigen. Nachdem sie unseren Leitfaden gelesen hatte, beschloss sie, sich mit der Verringerung existenzieller Risiken zu beschäftigen, insbesondere der Risiken durch KI und Atomkrieg.

Zuvor war sie einige Zeit in der akademischen Forschung tätig gewesen, gewann jedoch den Eindruck, dass die akademische Arbeit in ihrem Fachgebiet — den internationalen Beziehungen — ihr wahrscheinlich keine einflussreiche Karriere bescheren würde. Sie wähnte ihre beste Alternative in einer Regierungs- bzw. politischen Laufbahn. Ihre Vision war, dass sie, wenn alles gut läuft, Expertin für multilaterale Beziehungen wird und schließlich wichtige Akteure bei multilateralen Abkommen rund um KI berät.

Möglicherweise fühlt sich deine Vision aber noch viel unsicherer an, und das ist auch gut so. Du brauchst lediglich eine ungefähre Vorstellung, um Chancen zu erkennen und deine Recherche zu navigieren.

Wie wir bereits erläutert haben, ist die Suche nach deinen besten Joboptionen ein schrittweiser Prozess. Aus diesem Grund wirst du deine Vision alle paar Jahre aktualisieren: Du kannst Optionen zu deiner Liste hinzufügen oder streichen und die Punkte genauer spezifizieren (z.B. könntest du dich zunächst mit Aufgaben im Organisationsentwicklung befassen und dich später darauf konzentrieren, PR-Spezialist zu werden).

Ein häufiger Fehler ist es, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, welche längerfristigen Optionen abstrakt am besten erscheinen. Sobald du eine grobe Vorstellung von den längerfristigen Optionen hast, solltest du dich eher darauf konzentrieren, Ideen für konkrete nächste Schritte zu entwickeln.

Investiere mehr Zeit in die Planung deiner nächsten Schritte

Letztendlich musst du entscheiden, was du als Nächstes tun willst. Über deine Vision nachzudenken ist nützlich, aber nur, insofern es dir hilft, diese Entscheidung zu treffen.

Dein nächster Schritt könnte ein neuer Job sein, aber auch ein Kurs oder ein neues Projekt. In der Regel ist es etwas, das du ein paar Jahre lang machst, aber es kann auch ein paar Monate oder mehr als fünf Jahre dauern. Ein Beispiel: Du nimmst einen Job bei Oxfam an, verbringst einen Sommer damit, Chinesisch zu lernen, oder startest einen Blog, während du in deinem aktuellen Job weitermachst.

Der Versuch, herauszufinden, ob du (zum Beispiel) längerfristig ein Forscher (wie Dr. Nalin) oder eine Kommunikatorin (wie Rosa Parks) sein solltest, ist schwierig, weil diese Überlegungen abstrakt sind.

Häufig ist es viel einfacher, herauszufinden, welchen konkreten Job oder welches Graduiertenprogramm man annehmen sollte. Mitunter ist die Entscheidung dann ganz klar: Sollte sich zum Beispiel keine gute Stelle für ein Graduiertenprogramm ergeben, ist das vom Tisch.

Es ist auch möglich, auf eine Vision zu verzichten und sich ausschließlich auf die nächsten Schritte zu konzentrieren. Mit jedem Schritt gewinnst du idealerweise etwas Karrierekapital, lernst mehr darüber, was am besten zu dir passt, und steigerst deinen Einfluss — so bringst du dich in eine immer bessere Position und hast mit der Zeit immer mehr Gestaltungsspielraum. Auf diese Weise kannst du dir Schritt für Schritt eine Spitzenkarriere aufbauen, auch wenn du keine Ahnung hast, wo die Reise letztlich hinführen wird.

Hoffentlich empfindest du das als Erleichterung. Auch wenn du keine Ahnung hast, was du längerfristig machen willst, kannst du dir Schritt für Schritt eine tolle Karriere aufbauen. Und wenn du schon ein paar gute Ideen für deine Vision hast, ist das ein Bonus.

Während wir also den meisten Menschen empfehlen, einige Zeit über ihre längerfristige Vision nachzudenken, sollten die meisten Menschen noch mehr Zeit damit verbringen, konkrete nächste Schritte zu identifizieren und gegeneinander abzuwägen.

Rückwärts arbeiten: Du kennst deine langfristige Vision? Überlege dir, wie du sie verwirklichen kannst.

Um die nächsten Schritte festzulegen, gibt es zwei Ansätze.

Einer ist, von deiner Vision aus  rückwärts zu arbeiten: Überlege dir, wo du am Ende hin möchtest, und finde dann die direktesten Wege dorthin.

Am besten fragst du Leute in der Branche, wie jemand mit deinem Hintergrund am schnellsten aufsteigen kann. Frag zum Beispiel: „Wenn ich in fünf Jahren die Position X einnehmen wollte, was müsste ich dafür tun?“ Oder: „Wenn ich in der Fähigkeit X exzellent werden wollte, wie könnte ich das erreichen?“

Überlege dir, welche Arten von Karrierekapital den Unterschied machen werden. Bill Clinton wusste zum Beispiel, dass er viele Leute kennen muss, um in der Politik erfolgreich zu sein. Deshalb hat er schon als Student in einem Notizblock eine Liste mit allen Leuten, die er getroffen hat, geführt.

Suche nach Beispielen von Menschen, die ungewöhnlich schnell Fortschritte gemacht haben, und finde heraus, wie ihnen das gelungen ist. 

Einen Teil dieser Analyse führen wir in unseren Karriereberichten durch, aber es gibt keinen Ersatz für eine persönliche Beratung über deine besten nächsten Schritte.

Wenn du dir bei einer längerfristigen Option unsicher bist, solltest du dir außerdem die Frage stellen: „Wie könnte ich diese Option ausschließen?“ Gibt es etwas, das du tun könntest, um herauszufinden, ob es sinnvoll ist, diesen längerfristigen Weg einzuschlagen oder nicht?

Vorwärts arbeiten: Schau auf die Möglichkeiten, die direkt vor dir liegen

Dies soll nicht bedeuten, sich auf einen bestimmten Weg festzulegen.

Die meisten großen Karrieren beinhalten auch vorwärts zu arbeiten — aufmerksam für die Möglichkeiten zu sein, die sich vor dir auftun, deinem Riecher zu folgen und das zu tun, was funktioniert, auch wenn du nicht sicher bist, wohin es letztendlich führen wird.

Ein Grund dafür ist die Unvorhersehbarkeit von beruflichem Erfolg.

Ein weiterer Grund ist, dass die nächsten Schritte in ihrem Potenzial so stark variieren, dass diese Unterschiede zwischen einzelnen Jobs die Unterschiede zwischen Karrierewegen übertreffen können.

Vielleicht denkst du zum Beispiel, dass Policy-Arbeit im Bereich Biorisiken im Durschnitt dringender ist als sich politisch gegen nukleare Risiken zu engagieren — doch wenn du einen Job in der Nuklearpolitik findest, der ungewöhnlich viel Verantwortung oder ungewöhnlich hilfreiche Mentor:innen mit sich bringt, oder einfach ungewöhnlich gut zu dir passt, könnte es durchaus besser sein, in der Nuklearpolitik zu arbeiten.

Um noch einmal auf Megan zurückzukommen: Als sie überlegte, was sie nach ihrem Master machen soll, überlegte sie, wie sie am schnellsten in der Regierung und in der Politik aufsteigen könnte. Auf ihrer Liste standen ganz gewöhnliche Optionen, wie zum Beispiel ein Job in einer Denkfabrik.

Aber sie erkannte auch, dass ihre derzeitige Lebenslage — in China zu leben und zu studieren — ihr einige zusätzliche Möglichkeiten abseits der üblichen Wege eröffnen könnte. Sie sah eine Anzeige für eine Position im US-Außenministerium in Peking als Analystin für chinesische soziale Medien — und bekam die Stelle. Inzwischen hat sie eine Stelle im Heimatschutzministerium gefunden, wo sie an der Verringerung der von KI-Systemen ausgehenden Risiken arbeiten möchte.

Wenn du vorwärts arbeitest, hilft es, eine große Liste mit interessanten Jobs und Weiterbildungsmöglichkeiten zu erstellen, auch wenn sie nicht offensichtlich zu deinen aktuellen längerfristigen Plänen passen. Hier sind mögliche Möglichkeiten und Ideen, die du wahrnehmen kannst:

  • An anderer Stelle haben wir eine Liste mit den nächsten Schritten zur Erlangung von allgemeinem Karrierekapital erstellt, die dir einige Ideen liefern könnte.
  • Frag deine Freund:innen, Kolleg:innen, Menschen, die an dringenden Problemen arbeiten, und Menschen, die du bewunderst, nach guten Möglichkeiten. Die besten Optionen findest du in der Regel über Menschen, die du kennst.
  • Schau dir die Jobs auf unserem Jobboard an — könnte einer davon für dich interessant sein?
  • Gibt es Möglichkeiten, Bereiche, die du kennenlernen möchtest, Nebenprojekte oder Menschen, die dich im Moment besonders begeistern?
  • Läuft etwas, das du gerade tust, besser als erwartet? Könntest du mehr Zeit darauf verwenden?

Viele Möglichkeiten ergeben sich auch erst, wenn du anfängst zu suchen. Eine der nützlichsten Strategien ist es also, sich einfach um viele konkrete Stellen zu bemühen und viele Bewerbungen zu schreiben.

Oft treffen wir auf Menschen, die sich über verschiedene längerfristige Wege den Kopf zerbrechen, während der nächste Schritt offensichtlich wäre, hätten sie sich schlicht beworben.

Im nächsten Kapitel werden wir uns ansehen, wie du erfolgreich mit dem Bewerbungsprozess fertig wirst.

Backup-Optionen haben: Der A/B/Z-Plan

Startup-Gründer:innen haben eine große Vision für ihr Unternehmen, sind aber mit enormen Unsicherheiten bei den Details ihres Produkts und ihrer Strategie konfrontiert. Um dies zu überwinden, testen sie zahlreiche Ansätze und verbessern ihren Plan im Verlauf der Zeit.

Du stehst in deiner Karriere vor ähnlich großen Unwägbarkeiten, also können wir uns womöglich einige der besten Praktiken aus dem Unternehmertum abschauen und sie auf die Karriereplanung anwenden. Das ist die Prämisse von The Startup of You, einem Buch des Gründers von LinkedIn, Reid Hoffman. Einer seiner Tipps ist die Erstellung eines „A/B/Z-Plans“, den wir auch bei der persönlichen Beratung unserer Leser:innen als nützlich empfunden haben.

Das Schreiben eines A/B/Z-Plans hilft dir, über konkrete Alternativen und Ersatzpläne nachzudenken, um dich besser anpassen zu können, wenn sich die Situation ändert.

1. Plan A: dein ideales Szenario

Schauen wir uns die folgenden Optionen an:

Dein Plan A ist deine beste Einschätzung des Weges, den du am liebsten gehen würdest.

Das könnte eine bestimmte Vision sein, auf die du setzen willst, und der nächste Schritt, der damit einhergeht.

Ein Beispiel: Versuche, ein:e Wirtschaftswissenschaftler:in zu werden, der:die an der Erforschung globaler Prioritäten oder an KI-Politik arbeitet (Vision), indem du gewisse zusätzliche Mathekurse im Grundstudium belegst (nächster Schritt).

Wenn du dir über deine Vision unsicher bist, könntest du dir auch vornehmen, mehrere längerfristige Wege auszuprobieren, indem du ein paar sorgfältig geordnete nächste Schritte unternimmst, wie wir es im Kapitel über persönliche Eignung besprochen haben.

Dein Plan A könnte auch darin bestehen, wertvolles, übertragbares Karrierekapital aufzubauen (z.B. Personalmanagement zu lernen, einen Abschluss in Statistik zu machen) und deinen Plan später zu überdenken.

2. Plan B: Verwandte Alternativen

Das sind vielversprechende Alternativen, auf die du ausweichen kannst, wenn dein Plan A nicht aufgeht. Wenn du sie im Voraus aufschreibst, kannst du neue Gelegenheiten besser erkennen und wahrnehmen.

Um deinen Plan B zu finden, frage dich:

  • Was sind die wahrscheinlichsten Szenarien, in denen dein Plan A nicht aufgehen würde? Was wirst du tun, wenn sie eintreten?
  • Welche anderen guten Optionen gibt es? Nenne alle vielversprechenden verwandten Alternativen zu Plan A. Das könnten andere vielversprechende langfristige Wege sein oder andere Zugänge zu denselben Optionen.

Dann überlege dir zwei oder drei Alternativen. Zum Beispiel:

  • Wenn du bereits einen Job hast und dich für Masterstudiengänge bewirbst, besteht die Möglichkeit, dass du nicht in den gewünschten Studiengang aufgenommen wirst. In diesem Fall könnte dein Plan B darin bestehen, noch ein Jahr in deinem Job zu bleiben und später zu reevaluieren oder dich für einen anderen Masterstudiengang zu bewerben.
  • Wenn dein Plan A darin besteht, in der Politik etwas zu bewegen, indem du dir einen Job in der Exekutive sicherst, könnte dein Plan B darin bestehen, Praktika in Denkfabriken zu machen oder dich dem Team einer politischen Kampagne anzuschließen.

3. Plan Z: Sollte alles den Bach runtergehen, ist das dein Notfallplan

Dein Plan Z ist das, was du tust, wenn das alles schief geht.

Mit anderen Worten: Wenn deine Pläne A und B nicht aufgehen, wovon willst du dann die Rechnungen bezahlen, bis du wieder auf die Beine kommst?

Ein Plan Z kann dir nicht nur dabei helfen, inakzeptable persönliche Folgen zu vermeiden, sondern auch, Risiken einzugehen — wenn du weißt, dass es dir am Ende gut gehen wird, fällt es dir leichter, ambitioniertere Ziele zu verfolgen.

Dein Plan Z kann sehr kurz sein, wenn du dich mit dem Risiko, das du eingehst, anfreunden kannst oder dich in einer sicheren Position befindest. Wenn du in einer Situation bist, in der mehr auf dem Spiel steht (z.B. wenn du Menschen hast, die wirtschaftlich von dir abhängig sind), solltest du vielleicht sorgfältiger planen.

Einige gängige Beispiele sind, dass du auf dem Sofa eines Freundes schläfst, während du deine Rechnungen durch Nachhilfeunterricht oder einen Job in einem Café bezahlst, dass du von deinen Ersparnissen lebst, dass du zu deinem alten Job zurückkehrst, dass du wieder bei deiner Familie einziehst oder dass du einen Job annimmst, den du relativ anspruchslos findest.

Es könnte auch etwas Abenteuerliches sein, wie z.B. Englisch in Asien zu unterrichten — ein überraschend gefragter, wenig umkämpfter Job, bei dem du nebenbei eine andere Kultur kennenlernst.

Frage dich: „Ist dieser Plan Z akzeptabel?“ Wenn nicht, musst du vielleicht deinen Plan A überarbeiten oder dem Aufbau deines Sicherheitsnetzes für eine Weile Vorrang einräumen.

Optional: Weitere Möglichkeiten Dein Risiko zu Minimieren

Manchmal musst du ein gewisses Risiko eingehen, um eine große Wirkung zu erzielen. Wenn du dir darüber im Voraus Gedanken machst, wird vieles leichter.

Erstens: Kläre zunächst, was in Bezug auf deinen Plan A ein realistisches Worst-Case-Szenario darstellt. Es ist leicht, vage Ängste vor dem „Scheitern“ zu haben, und die Forschung zeigt, dass wir uns bei der Aussicht auf negative Ereignisse die schlimmsten Aspekte vor Augen führen, während wir all die Dinge ignorieren, die unverändert bleiben werden. Dieser Umstand veranlasste den Nobelpreisträger Daniel Kahneman zu der Aussage:

Nichts im Leben ist so wichtig, wie du glaubst, während du darüber nachdenkst.

Wenn du das schlimmste realistische Szenario durchdenkst, wirst du oft feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist und du es auf lange Sicht überwinden kannst.

Die Risiken, auf die du am meisten achten solltest, sind diejenigen, die dein Glück oder dein Karrierekapital dauerhaft schmälern könnten, wie zum Beispiel stressbedingt an einer Depression zu erkranken oder deinen Ruf zu ruinieren. Vielleicht hast du auch Angehörige, die sich auf dich verlassen.

Zweitens: Gibt es irgendetwas, das du tun kannst, um diesen ernsten Risiken vorzubeugen?

Viele Menschen denken bei Unternehmern wie Bill Gates an Studienabbrecher, die kühne Risiken eingegangen sind, um erfolgreich zu sein. Aber Gates arbeitete als Student in Harvard etwa ein Jahr lang in Teilzeit im Tech-Vertrieb und handelte dann eine einjährige Auszeit vom Studium aus, um Microsoft zu gründen. Wäre das Unternehmen gescheitert, hätte Gates wieder in Harvard Informatik studieren können — in Wirklichkeit ist er kaum ein Risiko eingegangen. Mit ein bisschen Nachdenken ist es normalerweise möglich, die größten Risiken deines Plans zu umgehen.

Drittens: Entwickle einen Plan für den schlimmsten Fall. Überlege dir, was du tun wirst, um die Situation zu bewältigen und sie weniger bedrohlich zu machen (sowie einen Notfallplan Z, wie oben beschrieben).

Wenn es dir hilft, denke daran, dass du wahrscheinlich immer noch Essen, Freunde, ein weiches Bett und ein perfekt temperiertes Zimmer haben wirst — historisch betrachtet bessere Bedingungen als die meisten Menschen jemals hatten.

Viertens: Wenn die Risiken an diesem Punkt immer noch inakzeptabel sind, musst du möglicherweise deinen Plan A anpassen. Zum Beispiel könntest du priorisieren, deine finanzielle Basis auszubauen.

Durch diese Übungen wird das Risiko weniger beängstigend und du kannst besser damit umgehen, wenn das Worst-Case-Szenario tatsächlich eintritt.

Lege einen Überprüfungszeitpunkt fest

Mit neuen Erkenntnissen sollte sich dein Plan ändern, aber es ist sehr leicht, auf dem eingeschlagenen Weg zu verharren. Den Kurs nicht zu ändern, wenn es eine bessere Option gibt, ist einer der häufigsten Entscheidungsfehler, den Psycholog:innen beschrieben haben, und kann durch die Denkfehler der versunkenen Kosten (engl.: sunk cost fallacy) oder die Status-quo-Voreingenommenheit (engl.: status quo bias) verursacht werden.

Um diesen Fehler zu vermeiden, solltest du einen Revisionspunkt festlegen. Hier sind zwei Möglichkeiten:

  • Lege einen Zeitrahmen für die Überprüfung deines Plans fest; für gewöhnlich sind das 6-24 Monate. (Entscheide dich für kürzere Zeiträume, wenn du noch unsicher bist und viel lernst, und für längere, wenn du bereits gefestigt bist). Die Zeit um den Jahreswechsel herum ist oft ein guter Zeitpunkt. Wir haben ein Tool für die jährliche Evaluation deiner Karriere entwickelt, um diese Aufgabe zu erleichtern.
  • Überprüfe deinen Plan, wenn du das nächste Mal wichtige Informationen über deine Karriere erhältst. Du könntest dich beispielsweise verpflichten, neu zu überlegen, ob du Wissenschaftler:in  werden willst, wenn du bis zum Ende deiner Promotion nicht eine bestimmte Anzahl von Artikeln veröffentlichst.

Die wichtigste Frage, die du dir bei der Revision stellen solltest, ist: Was habe ich gelernt, seit ich das letzte Mal einen Plan gemacht habe, und was könnten diese Erkenntnisse darüber aussagen, welche längerfristigen Wege und nächsten Schritte die sinnvollsten sind?

Diskutiere anschließend deine Überlegungen mit einer außenstehenden Person. Andere Menschen sind besser in der Lage, auf versunkenen Kosten beruhende Rationalisierungen zu erkennen, und es wurde gezeigt, dass der Grad der kognitiven Verzerrung abnimmt, wenn du dein Denken vor einer anderen Person rechtfertigen musst.

Wenn du mehr Zeit hast, kann es hilfreich sein, bei null anzufangen: Wenn ich heute einen Karriereplan machen würde, welche Vision und welche nächsten Schritte wären am besten? Das kann dir helfen, aus deiner aktuellen Situation herauszutreten und die Dinge mit anderen Augen zu betrachten.

Wende dies auf deine eigene Karriere an

Wenn wir all diese Empfehlungen zusammenfassen, ergeben sich sieben Schritte, um deinen eigenen Karriereplan zu entwickeln:

  1. In welcher Phase deiner Karriere befindest du dich? Recherche, Aufbau von Karrierekapital oder Einsatz deines vorhandenen Karrierekapitals?
  2. Was ist deine Vision? Wenn du es noch nicht getan hast, skizziere eine Liste mit längerfristigen Positionen und globalen Problemen, die du angehen möchtest: deine Vision.
  3. Kläre jetzt: Was ist die nächste Entscheidung, die du treffen musst? Dann erstelle eine lange Liste mit Ideen für die nächsten Schritte. Du solltest bereits einige Ideen aus dem Kapitel über Karrierekapital haben. Nimm lieber mehr als weniger auf, auch solche, die dir etwas weit hergeholt erscheinen.
    • Arbeite rückwärts: Welche Schritte würden dich deiner Vision am schnellsten näher bringen?
    • Arbeite vorwärts: Welche anderen interessanten Möglichkeiten sind dir bekannt?
  4. Stelle jetzt eine erste Vermutung an, welche fünf bis zehn der nächsten Schritte am vielversprechendsten sind. Wenn es dir schwerfällt, sie einzugrenzen, kannst du auch unseren Entscheidungsprozess zur Hilfe nehmen. Schau dir die Vergleichslisten mit den Fragen zum Karrierekapital und deiner persönlichen Eignung an, die du an anderer Stelle in diesem Ratgeber findest.
  5. Dann stell deine A, B und Z Pläne auf:
    Plan A: dein wichtigster längerfristiger Plan
    Plan B: nahe gelegene Alternativen
    Plan Z: Ausweichmöglichkeiten
  6. Was sind deine größten Unsicherheiten in Bezug auf die oben genannten Punkte? Wir haben den Begriff der Hauptunsicherheit im Kapitel über persönliche Eignung eingeführt, aber er lässt sich auf alle Aspekte deines Plans anwenden — Vision, Strategie, nächste Schritte und A/B/Z-Optionen. Welche Erkenntnisse würden deine Einstufung der Optionen oder deinen Plan A am meisten verändern?
  7. Wie könntest du diese Unklarheiten am besten beseitigen? Wenn du die Zeit hast, solltest du dich darum kümmern. Im Idealfall forschst du so lange nach, bis sich deine besten Prognosen nicht mehr verändern.

An diesem Punkt ist es oft am besten, einfach deine Liste der nächsten Schritte abzuarbeiten und deinen Plan neu zu evaluieren, sobald du konkrete Optionen auf dem Tisch hast. Im nächsten Kapitel geht es darum, wie du an Jobs kommst.

Jetzt wäre außerdem ein guter Zeitpunkt, um sich für ein persönliches Gespräch  mit unserem Team zu bewerben. (Anmerkung des Übersetzers: Du kannst außerdem persönlich mit jemandem von Effektiver Altruismus Deutschland sprechen). Wir können dir dabei helfen, deinen Plan zu überprüfen, zu entscheiden, welche nächsten Schritte du priorisieren solltest, und sie in Angriff zu nehmen.

Sobald du konkrete Jobangebote auf dem Tisch hast, kannst du unseren Berufswahlprozess nutzen, um zwischen ihnen zu wählen. Der gleiche Prozess dient dem Vergleich längerfristiger Wege, aber er kann auch auf die nächsten Schritte angewendet werden.

Sobald du deine Stelle angetreten hast, solltest du einen Revisionszeitpunkt festlegen. (Nutze für deine Überprüfung unser Tool für die jährliche Karrierebewertung).

Es könnte sich durchaus lohnen, ein ganzes Wochenende in die Berufsplanung zu stecken. Wenn du das tun möchtest, haben wir ein Arbeitsblatt erstellt, das alle wichtigen Übungen aus dem Leitfaden enthält. Wenn du es bearbeitest, hast du am Ende einen kompletten Karriereplan. (Durchlaufe den Prozess mit einem Freund oder einer Freundin, um dich moralisch zu unterstützen und deine Optionen zu besprechen).